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Fällt aus: Organisator Manfred Dümmer (r.) hat den Protest von „Wir sind Kirche" wegen fehlender Mitstreiter abgesagt. - © Björn Leisten
Fällt aus: Organisator Manfred Dümmer (r.) hat den Protest von „Wir sind Kirche" wegen fehlender Mitstreiter abgesagt. | © Björn Leisten

Paderborn Priesterweihe in Paderborn ohne Proteste

Lediglich zwei Diakone werden am Samstag geweiht. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat ihre Kundgebung erstmals abgesagt

Birger Berbüsse
15.05.2018 | Stand 16.05.2018, 11:37 Uhr

Paderborn. Tiefstand und Premiere: Zum zweiten Mal nach 2016 werden im Erzbistum Paderborn nur zwei Diakone zu Priestern geweiht. Die Feier im Dom wird am Samstag, 19. Mai, erstmals nicht von einer Kundgebung von „Wir sind Kirche" begleitet. Die Reformbewegung hat ihren traditionellen Protest abgesagt. „Leider ist die Mindestanzahl von vier Aktivisten nicht zusammen gekommen", schreibt Organisator Manfred Dümmer zur Begründung in einem Schreiben an die Mitglieder, das der NW vorliegt. Es würden zwar häufig Reformen in der katholischen Kirche gefordert, es seien aber zu wenig bereit, dies auch aktiv nach außen zu vertreten, heißt es dort weiter. „Schade und traurig", schließt Dümmer. Der Aufruf blieb vergebens Es sei ihm lediglich gelungen, zwei potenzielle Teilnehmerinnen zu aktivieren, hatte er bereits in einer früheren E-Mail geschrieben, in der er um weitere Freiwillige warb. Dümmer hätte sogar die komplette Vorbereitung mit dem Erstellen von Handzetteln, Bannern und Plakaten übernommen. Dennoch blieb sein Aufruf vergebens, der Protest fällt deshalb aus. Es ist eine Entwicklung mit Ansage: Bereits in den vergangenen Jahren war die Beteiligung vonseiten der Reformbewegung recht spärlich geworden. Zu den möglichen Gründen hatte Dümmer 2017 im Gespräch mit der NW folgende Erklärung: Seit 1995 fordere „Wir sind Kirche" die Öffnung zum Priesteramt für Frauen und Verheiratete sowie weitere innerkirchliche Reformen. „Aber es hat sich seitdem nichts bewegt", sagte Dümmer. Das frustriere die Mitglieder der Bewegung, die zu Pfingsten außerdem häufig familiäre Verpflichtungen hätten. „Was bringt es, wenn wir hier stehen?" würden viele von ihnen fragen. Während sich der Protest stets gegen die Amtskirche richtete, wurde den neuen Priestern jedes Mal ausdrücklich gratuliert. Das soll auch in diesem Jahr geschehen, selbst wenn die Kundgebung nicht stattfindet. Dümmer will den beiden Diakonen per Post ein kleines Geschenk zukommen lassen. Gleichzeitig sind in den vergangenen Jahren im Erzbistum Paderborn aber auch immer weniger Priester geweiht worden. Der Tiefstand war vor zwei Jahren mit lediglich zwei Diakonen erreicht. Dieser Negativrekord wurde nun eingestellt. 2017 waren es immerhin fünf, 2016 nur drei. So viele Priester werden es voraussichtlich auch im kommenden Jahr werden. Damit liegt das Erzbistum natürlich im Trend, in ganz Nordrhein-Westfalen werden am Wochenende gerade einmal zehn Priester geweiht. In Paderborn erhalten die beiden Diakone Johannes Sanders aus der Pfarrei St. Johannes Baptist in Neheim und Vosswinkel (geb. 1990 in Neheim) und Diakon Christian Schmidtke aus der Pfarrei Liebfrauen in Arnsberg (geb. 1986 in Iserlohn) das Weihesakrament. Gespendet wird es durch Handauflegen und Gebet durch Erzbischof Hans-Josef Becker. Der Gottesdienst beginnt am sogenannten Vigilstag vor Pfingsten um 10 Uhr im Dom. Familienmitglieder sowie zahlreiche Gläubige aus den Heimat- und Diakonatsgemeinden werden den Gottesdienst mitfeiern. Die beiden neuen Priester werden im Anschluss an die Weiheliturgie erfahren, wo ihre erste Dienststelle als Vikar sein wird.

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