An den Seiten etwas kürzer, bitte: Die Künstlerin Petra de Jong-Berger drapiert die opulente Hortensien-Frisur der linken blühenden Büste. Das Modell rechts trägt einen modernen Kurzhaarschnitt in Violett. Mit der Wahl der Bepflanzung kann jeder Kunde seinem "Blumenkopf" ein individuelles Antlitz zaubern. - © Svenja Ludwig
An den Seiten etwas kürzer, bitte: Die Künstlerin Petra de Jong-Berger drapiert die opulente Hortensien-Frisur der linken blühenden Büste. Das Modell rechts trägt einen modernen Kurzhaarschnitt in Violett. Mit der Wahl der Bepflanzung kann jeder Kunde seinem "Blumenkopf" ein individuelles Antlitz zaubern. | © Svenja Ludwig

Paderborn Paderborner Keramikmarkt bietet außergewöhnliche Kreationen

Kunst: 44 Aussteller präsentieren Dekoration, Schmuck und Haushaltswaren

Svenja Ludwig
30.04.2018 | Stand 30.04.2018, 10:12 Uhr

Paderborn. Von wegen Staubfänger: Die Exponate, die auf dem Keramikmarkt auf dem Vorplatz der Paderborner Zentralbibliothek am Wochenende angeboten wurden, werden bei ihren Käufern wohl kaum ein elendes Dasein ganz hinten im Schrank fristen. Ob Skulptur, Schale, Schüssel oder Schmuckstück - die Besucher sind begeistert. "So was ganz besonderes findet man nur hier", meint die Detmolderin Elena Hamm, die mit einer Freundin durch die Auslagen stöbert. Einmal hat sie schon zugeschlagen: Ein Gefäß geformt wie ein Stehaufmännchen landet in der Einkaufstasche. "Da konnte ich nicht widerstehen", sagt sie. Die Waren seien zwar etwas teurer als im Laden, "aber dafür stehen sie nicht in jedem Küchenschrank." Auch Ludger Büscher aus Borchen-Schloss Hamborn schätzt das Angebot: "Hier bekommt man Dinge, die nicht jeder zuhause hat - Vielfalt in besonders schöner Atmosphäre." Deshalb besucht Büscher den Künstlerbasar auch immer wieder gerne. "Man hat seine Lieblingsstände und auf die freut man sich auch schon", erklärt er. Übertöpfe in Büstenoptik Unter den 44 Ausstellern finden sich aber auch ganz neue Hingucker. Künstlerin Petra de Jong-Berger zum Beispiel ist mit ihren "Blumenköpfen" das erste Mal dabei. Die Übertöpfe in Büstenoptik werden in einer Wulsttechnik modelliert, wie de Jong-Berger erklärt: "Dadurch bekommen sie schon ihre Eigenheiten, zum Beispiel wie sie gucken." Den letzten Schliff geben den Kunstwerken dann die Käufer. Ob braver Bob in Blautönen oder wilde Locken mit großen Blüten - "Beim Styling ist die Kreativität des Kunden gefordert", sagt sie. Maritime Dekorationen gibt es in der Auslage der Bielefelder Künstlerin Andrea Wilser zu sehen. Ein beliebtes Motiv: Möwe auf Treibholz. Dabei schmückt jeden Vogel einzigartiges Gefieder. Bei der japanischen Raku-Brenntechnik wandern die Objekte aus dem 900 Grad heißen Ofen direkt in einen Behälter mit Spänen. "So setzt sich Kohlenstoff in die feinen Risse im Porzellan", erläutert Wilser, "das Muster, das entsteht, ist sehr zufällig und interessant." Wem es zwischendurch auf dem Vorplatz zu voll oder zu warm wird, macht einen Abstecher in die geöffnete Zentralbibliothek, blättert in dicken Wälzern und spannenden Romanen oder widmet sich technischen Spielerein. "Der Keramikmarkt ist ein schöner Grund, die Bibliothek zu öffnen", findet Friederike Sommer-Hennige, Veranstalterin und stellvertretende Bibliotheksleiterin. Markt hat sich etabliert 1988 feierte der Keramikmarkt seine Premiere - damals noch als "kulturelles Begleitprogramm der Artothek", erinnert sich Sommer-Hennige. Dass der Basar seine 30. Auflage erleben würde, war damals noch nicht abzusehen. "Ich habe erst in den letzten zehn, 15 Jahren gemerkt, dass er sich etabliert", erinnert sich Sommer-Hennige, "weil wir auf der Homepage der Stadt mittlerweile als Highlight gehandelt werden." Der Keramikmarkt ist auch für viele Besucher inzwischen zu einer Paderborner Institution geworden. "Für mich ist das ein Stück Heimat", sagt die gebürtige Domstädterin Dorothea Briese, die mit ihren Kindern die zweite Runde über den Basar dreht. "In ihrem Alter bin ich hier auch schon rumgerannt, es ist schön, das weiterzugeben", meint Briese, die mit ihrer Familie nun in Aachen lebt.

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