Die Hip-Hop-Band "187 Strassenbande" tritt am 17. Mai auf dem Asta-Sommerfestival auf. Der Headliner sorgt für Diskussionen an der Universität. - © picture alliance / dpa
Die Hip-Hop-Band "187 Strassenbande" tritt am 17. Mai auf dem Asta-Sommerfestival auf. Der Headliner sorgt für Diskussionen an der Universität. | © picture alliance / dpa

Paderborn AStA-Sommerfestival: Heftige Kritik an Auftritt von "187 Strassenbande"

Die Hochschulleitung distanziert sich von den Texten der Band. Das Musikwissenschaftliche Seminar startet Online-Petition gegen den Auftritt

Paderborn. "Schlampe", "Hure", "Nigga" – dies sind nur einige Begriffe, welche die Rapper von "187 Strassenbande" in ihren Texten verwenden. Der geplante Auftritt der Hamburger Hip-Hop-Gruppe auf dem AStA-Sommerfestival am 17. Mai sorgt an der Universität Paderborn aktuell für heftige Diskussionen. "Als Hochschulleitung distanzieren wir uns von den Inhalten der Texte", sagt Uni-Präsidentin Birgitt Riegraf. "Diese sind menschenverachtend, sexistisch und rufen zu Gewalt und Vergewaltigung auf." Ein Verbot des Auftrittes lehne sie dennoch ab. Man müsse einsehen, dass diese Texte gefragt sind, so Riegraf. Wichtig sei nun zu diskutieren, wo beispielsweise Grenzen zwischen Provokation und Menschenverachtung überschritten werden und was junge Menschen an derartigen Texten finden. Hierzu plane man mit dem AStA verschiedene Veranstaltungen, wie beispielsweise eine Podiumsdiskussion, an der auch die Uni-Präsidentin teilnehmen wird. "Dem Wertekodex der Universität zuwiderlaufend" Nicht nur in der Hochschulverwaltung, sondern auch unter den Studierenden und Lehrenden wird der Auftritt der Band auf dem Sommerfestival diskutiert: So lehnt zum Beispiel die Fakultät für Kulturwissenschaften den Auftritt der Band "als dem Wertekodex der Universität zuwiderlaufend ab", wie es in einem internen Schreiben heißt, welches der Redaktion vorliegt. Darin wird außerdem deutlich, dass der Fakultätsrat dem Präsidium der Universität empfiehlt, der Gruppe „187 Strassenbande" den Campus nicht zur Verfügung zu stellen. Auch die Juso-Hochschulgruppe veröffentlichte bereits vor einigen Tagen auf ihrer Facebook-Seite folgendes Statement: "Wir können es nicht oft genug betonen, wir distanzieren uns von jeglichem menschenverachtenden Verhalten! Sei dieses nun rassistisch, antisemitisch, frauenfeindlich, homophob, gewaltverherrlichend oder wie auch immer (die Liste ließe sich wohl ewig fortführen) motiviert. Wir finden, es ist unstrittig, dass die Texte von der '187 Strassenbande' sowohl frauenfeindlich als auch gewaltverherrlichend sind und sie somit auf unserem Festival nichts verloren haben." Deutlich gegen Sexismus und sexualisierte Gewalt positionieren sich auch "Mia", das autonome Frauenprojekt der Universität, und der Projektbereich "Eine Welt". In ihrer gemeinsamen Stellungnahme heißt es: "Nur weil Sexismus und fehlende geschlechtliche und sexuelle Diversität in der Deutschen Hip-Hop-Szene 'gängig' sind, heißt das nicht, dass eine Band, die in ihrem Auftreten all das vertritt, beim Sommerfestival auftreten sollte. Und wie ernst die Texte jetzt gemeint sind, ist am Ende des Tages völlig egal. Gesagt ist gesagt, egal ob aus Überzeugung oder für die Street Credibility." Und auch das Musikwissenschaftliche Seminar der Universität Paderborn und der Hochschule Detmold macht mobil und veröffentlichte eine Online-Petition gegen den Auftritt von "187 Strassenbande". Darüber hinaus stand der Headliner des Sommerfestivals bereits in der vergangenen Woche auf der Tagesordnung der Sitzung des Studierenden-Parlaments - und auch da sorgte der Auftritt offenbar für Diskussionen. Nachgefragt beim Paderborner AStA und bei Vibra Agency, der ausführenden Agentur des Festivals, heißt es zu der aktuellen Diskussion: "Dass die '187 Straßenbande' rassistische Texte geschrieben haben soll, war und ist uns neu. Vielmehr hat die '187 Straßenbande' als eine der wenigen Acts beim Echo 2016 eine klare Haltung gegen die Südtiroler Deutsch-Rock Band 'Frei.Wild' gezeigt und somit ein Statement gegen Rassismus gesetzt. Auch etliche im Internet zu sehende Videos (wie zum Beispiel auf Youtube) zeigen die Bandmitglieder immer wieder mit sehr klaren Aussagen gegen Rechts." Eine der erfolgreichsten Bands im deutschsprachigen Raum Man habe sich für die Gruppe entschieden, weil sie eine der beliebtesten Bands im deutschsprachigen Raum und aktuell unter den Studierenden sehr angesagt sei. "Auch wenn wir sicherlich nicht alles verstehen, wofür die '187er' stehen, muss man den Zugang zu ihrer Musik auch in den hip-hop-üblichen (Selbst-)Inszenierungen, Kodierungen und stilisierten Grenzüberschreitungen suchen. Gerade die Regeln des Battle-Raps als eigene Ausdrucksform im Hip-Hop zielen darauf ab, den zu battlenden Gegenüber möglichst mit Worten zu diffamieren und klein zu machen. In diesem Kontext verortet sind leider häufig kontroverse Ausdrucksweisen, die im Rahmen der Kunstfreiheit die Kunstform Hip-Hop begleiten. Dieses Phänomen ist nicht nur hip-hop-immanent, sondern prägt den Popdiskurs seit den Rolling Stones bis hin zu Notorious BIG. Und nur diese Diskussion macht Popmusik zu dem, was sie schon immer war: zur Stimme der Jugend." Welche Folgen der geplante Auftritt von "187 Strassenbande" zukünftig für die Zusammenarbeit zwischen Universität und AStA haben wird, ist noch unklar. Bislang habe das immer gut funktioniert, betont Riegraf. Eventuell müsse man aber für die Zukunft gemeinsame Abstimmungsregularien für den Headliner finden.

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