Wahrnehmbare Veränderung: Carla (v. l.) hört es, wenn ihre Mitschülerinnen Emelie und Emily mit der Hand oder einer Schuhsohle auf die Kunststoffröhren hauen und sich der Klang verändert. Dies ist eine von etlichen Stationen der Projektwoche Naturwissenschaften, die zum Jubiläum in der Marienschule aufgebaut sind. - © Holger Kosbab
Wahrnehmbare Veränderung: Carla (v. l.) hört es, wenn ihre Mitschülerinnen Emelie und Emily mit der Hand oder einer Schuhsohle auf die Kunststoffröhren hauen und sich der Klang verändert. Dies ist eine von etlichen Stationen der Projektwoche Naturwissenschaften, die zum Jubiläum in der Marienschule aufgebaut sind. | © Holger Kosbab

Paderborn Marienschule in Paderborn feiert goldenes Jubiläum

Jubiläum: Zum 50-jährigen Bestehen der Paderborner Grundschule gibt es am Freitag ein großes Fest. Außerdem werden seit 30 Jahren Kinder mit und ohne Behinderung zusammen unterrichtet

Holger Kosbab
19.04.2018 | Stand 19.04.2018, 11:52 Uhr

Paderborn. In der Pause wird einfach mal ein bisschen experimentiert. Carla, Emelie und Emily haben sich eine Akustik-Installation ausgesucht und testen den Klang der unterschiedlichen Kunststoffröhren. Etliche solcher Stationen sind derzeit in der Marienschule aufgebaut. Passend zum Abschluss der Projektwoche Naturwissenschaften und zu einem besonderen Jubiläum soll es krachen und zischen: Die Grundschule feiert morgen mit einem Fest ihr 50-jähriges Bestehen. Auf dem Schulhof und im Inneren der Marienschule dürfte es dann eng werden. Erst- bis Viertklässler mit Eltern, Pädagogische Kräfte sowie ehemalige Schüler und Lehrer werden ihren Spaß haben. Das Schulfest beginnt um 14.30 Uhr mit einer Begrüßung in der Turnhalle. Danach gibt es unter dem Motto „50 Jahre – jetzt knallt’s und zischt’s!" Angebote mit Naturwissenschafts-Workshops. Zudem werden zwei Schüler eine ehemalige Marienschülerin interviewen, sagt Leiterin Constanze Glaese de Metivier. Die Marienschule direkt neben der Kirche Maria zur Höhe wurde zusammen mit der Stephanusschule gebaut. Entworfen wurde sie von den Architekten Franz und Rolf Allerkamp mit acht Klassen-, zwei Gruppen- und zwei Mehrzweckräumen. Die Kosten betrugen knapp zwei Millionen Mark – und wurden um 80.000 Mark unterschritten. Eingeweiht wurde sie am 4. September 1968 als katholische Bekenntnisschule. Bei der Eröffnungsfeier bat der erste Schulleiter Clemens Lücking um eine Turnhalle. Sein Wunsch sollte 1972 erfüllt werden. Zwei Jahre später wurde ein Erweiterungsbau notwendig. Städtische Grundschule geworden Aufgrund der demografischen Entwicklung mit steigenden Schülerzahlen durch das Neubaugebiet Lieth – und durch den Bau der Grundschule Lieth – gab es 1988 eine Neuordnung des Schulwesens. Seitdem ist die Marienschule als Ergebnis einer Elternbefragung auch keine katholische Bekenntnisschule mehr, sondern eine städtische Grundschule. In den ersten 20 Jahren ihres Bestehens war die Marienschule eine ganz normale Grundschule. Erst 1988 folgte der Fokus aufs gemeinsame Lernen: Damals suchte eine Mutter für ihren behinderten Sohn eine Schule. Durch diese Initiative von Eltern machte die Schule mit beim landesweiten Versuch „Integration": In jedem Jahrgang wurde eine I-Klasse mit je fünf behinderten Kindern eingerichtet. Seitdem gehört Inklusion, auch wenn es diesen Begriff damals noch gar nicht gab, zum Schulalltag. Durch die lange Erfahrung im Bereich Inklusion ist die Marienschule Hospitationsschule für Lehrer anderer Schulen. Heute haben 20 Prozent der insgesamt gut 200 Schüler einen besonderen Förderbedarf. Seit zwei Jahren gibt es ausschließlich Inklusions-Klassen. Der Unterstützungsbedarf in den Klassen hängt von den jeweiligen Schülern ab. Jede Klasse wird von einem Team geleitet, bestehend aus einer Lehr- und einer sonderpädagogischen Kraft. Daneben gibt es Integrationshelfer. Kooperationen mit Kitas aus der Umgebung Dass jedes Kind anders, zugleich aber normal und einzigartig ist, dass es seinen Platz in der Marienschule hat, wurde am 21. März sichtbar: An diesem Rock-the-Socks-Tag, dem Welt-Down-Syndrom-Tag, trugen alle Schüler zwei verschiedene Socken. Die kunterbunten Socken symbolisieren die Solidarität mit Menschen mit Behinderungen. Die Marienschule kooperiert mit fünf Kitas aus der Umgebung, unter anderem bei gemeinsamen Fortbildungen für Lehrer und Erzieher. Zudem gibt’s einen Austausch zwischen den Schülern und den künftigen Erstklässlern. Das gemeinsame Lernen soll durch iPads noch verbessert werden, sagt Glaese de Metivier. Daher wolle die Schule einen Klassensatz anschaffen. Glaes de Metivier betont, dass die iPads keine Bücher ersetzen, sondern diese ergänzen. Das nötige Geld solle etwa bei einem Sponsorenlauf nach den Sommerferien errannt werden. Gesammelt wird aber auch schon auf dem Schulfest.

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