0
Starten die Imagekampagne: (v. l.) Jürgen Grosser (St. Johannisstift), Hans-Werner Hüwel (Caritasverband), DRK-Chef Bernd Horenkamp, Martin Wolf (Vorstand St. Johannisstift), Thomas Ruhoff (Reichsbund freier Schwestern), Landrat Manfred Müller und Caritas-Vorstand Patrick Wilk. Foto: S. Kauke - © Sabine Kauke
Starten die Imagekampagne: (v. l.) Jürgen Grosser (St. Johannisstift), Hans-Werner Hüwel (Caritasverband), DRK-Chef Bernd Horenkamp, Martin Wolf (Vorstand St. Johannisstift), Thomas Ruhoff (Reichsbund freier Schwestern), Landrat Manfred Müller und Caritas-Vorstand Patrick Wilk. Foto: S. Kauke | © Sabine Kauke

Paderborn Ambulante Pflegedienste im Kreis Paderborn sind überfordert

Imagekampagne: Die Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände will zeigen, dass Pflege besser ist als ihr Ruf

Sabine Kauke
13.04.2018 | Stand 13.04.2018, 18:05 Uhr

Paderborn. In der Gesellschaft wird Pflege in erster Linie krisenhaft wahrgenommen: Jeder weiß um den Fachkräftemangel, hat von viel Bürokratie und wenig Zeit für Patienten gehört, von einer hohen Arbeitsbelastung. Die Arbeitsgemeinschaft Wohlfahrtsverbände im Kreis Paderborn will gegensteuern und das Image der Pflege mit einer Kampagne aufpolieren, um junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen. „Wir wollen zeigen, dass die Pflege viel besser ist als ihr Ruf", sagt Sprecher und Caritas-Vorstand Patrick Wilk. Ein „Tag der Pflege" ist ebenso geplant wie Experten-Veranstaltungen oder Besuche in Schulen. Der Fachkräftemangel macht sich vor Ort nicht nur stationär, sondern aktuell besonders im ambulanten Bereich bemerkbar. Die Nachfrage bei den kreisweit 24 ambulanten Diensten übersteigt mit Wachstumsraten von über 25 Prozent das Angebot. Nicht nur, weil Pflegebedürftige so lange wie möglich zuhause bleiben möchten, auch das Gesetz sagt: ambulant vor stationär. Die Leistung für häusliche Pflege wurde aufgestockt. Findet sich aber kein Dienst, steigt die Verweildauer im Krankenhaus oder die Belastung pflegender Angehöriger. 224 Anfragen in vier Monaten abgelehnt Die acht Sozialstationen des Caritasverbandes mussten jetzt innerhalb von vier Monaten 224 von 430 Anfragen nach ambulanter Pflege ablehnen. „Das wären 8.226 Einsätze gewesen", sagte Hans-Werner Hüwel, Caritas-Bereichsleiter Pflege und Gesundheit. „Das hat es in der 48-jährigen Geschichte der Sozialstationen nie zuvor gegeben." Doch eine dauerhafte Auslastung über der Kapazitätsgrenze führt laut Hüwel dazu, dass Mitarbeiter unzufrieden und übermäßig belastet würden, dann häuften sich Pflegefehler und Krankmeldungen. „Wir haben darum entschieden, nur dann neue Patienten anzunehmen, wenn es freie Kapazitäten gibt." Versucht wird auch, Fachkräfte in Elternzeit mit attraktiven Arbeitszeiten zu gewinnen. Mehr Pflegekräfte müssen also her. Eine Vollzeit-Pflegekraft verdient im Bundesschnitt 2.900 Euro, bei tarifgebundenen Arbeitgebern deutlich mehr, bei anderen weniger. Die Mitglieder der AG Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, AWO, Rotes Kreuz und Paritätischer) entlohnen nach Tarifverträgen, die eine „angemessene Vergütung" sicherstellen, betont Martin Wolf, Vorstandssprecher St. Johannisstift. So verdiene eine erfahrene, examinierte, etwa 40-jährige Pflegekraft in der stationären Altenhilfe im besten Tarifwerk inklusive Zuschlägen für Nacht- und Feiertagsarbeit, Altersversorgung und Weihnachtsgeld rund 47.000 Euro im Jahr. Direkt nach der Ausbildung seien es rund 33.000 Euro und damit etwa so viel wie nach einer Banklehre. „Um die Qualität der Pflege sicherzustellen, brauchen wir flächendeckende und verbindliche Tarifverträge", fordert Patrick Wilk. "Pflegeberufe stiften Sinn" „Qualitativ hochwertige Pflege kann nicht jeder", betont Martin Wolf die anspruchsvolle dreijährige Ausbildung. Die Pflegeschulen benötigen rechtsverbindliche Vorgaben für die Umsetzung des Pflegeberufereformgesetztes, appelliert Jürgen Grosser, Geschäftsführung Unternehmensentwicklung St. Johannisstift, an die Politik. An der Krankenpflegeschule des Johannisstiftes wird die Zahl der Ausbildungsstellen für Krankenpfleger innerhalb von drei Jahren auf 150 verdoppelt. „Dazu gibt ein breites Potpourri an Möglichkeiten zur Fortbildung", wirbt Grosser und Landrat Manfred Müller, Schirmherr der Kampagne, ergänzt: „Pflegeberufe sind nah am Menschen, attraktiv und stiften Sinn". In den Pflegeheimen ist die Durchschnitts-Verweildauer laut Patrick Wilk von einst 6 bis 8 Jahren auf 6 bis 12 Monate gesunken und jeder 2. Bewohner in den Caritas-Häusern ist Selbstzahler. Gute Pflege sei ihren Preis wert und vergleichsweise günstig, sagt Thomas Ruhoff, Geschäftsführer Reichsbund freier Schwestern.

realisiert durch evolver group