Glücklich über die sichere Entschärfung: (v. l.) Bürgermeister Michael Dreier mit den Hausbesitzern Katja und Stefan Werth und Tochter Mira vor der 1,5 Tonnen-Bombe. - © Ralph Meyer
Glücklich über die sichere Entschärfung: (v. l.) Bürgermeister Michael Dreier mit den Hausbesitzern Katja und Stefan Werth und Tochter Mira vor der 1,5 Tonnen-Bombe. | © Ralph Meyer

Paderborn So verlief die Bombenentschärfung in Paderborn

Entschärfung: 30 Spaziergänger, die sich im Sperrbereich aufhalten, verzögern die Aktion um mehr als eine Stunde. 62-jährige Patientin nach Verlegung ins St.-Vincenz-Krankenhaus verstorben

Paderborn. Paderborn atmet auf: Um Punkt 17.02 Uhr traf bei der Einsatzleitung auf der Feuerwache Süd die entscheidende Nachricht ein. Die 1,8 Tonnen schwere Luftmine vom Typ HC 4000-3 war nach dreieinhalb Stunden bangen Wartens unschädlich gemacht. Damit hatten sich die drei Kampfmittelbeseitiger Rainer Woitschek, Karl-Heinz Clemens und Gerd Matthee ihre Flaschen Bier, die ihnen Bürgermeister Michael Dreier versprochen hatte, redlich verdient. Leicht war es für das Trio nicht, denn ein abgescherter Membranzünder zusätzlich zu zwei Aufschlagzündern verlangten ihnen viel ab in den 90 Minuten. Denn genau so lange dauerte die eigentliche Entschärfung. Nach wenigen Minuten wurden die Arbeiten wieder unterbrochen Kaum hatte die Arbeit um 14.25 Uhr begonnen, musste sie nach wenigen Minuten wieder unterbrochen werden, da die Polizei mehrfach im Sperrbereich auf Fußgänger traf. Rund 30 Personen, so Polizeisprecher Ulrich Krawinkel, mussten nach entsprechender Belehrung zeitaufwendig aus dem Sperrbereich geführt werden. Erst um 15.33 Uhr hatten die Entschärfer wieder grünes Licht für ihre Arbeit. Zuvor musste die Polizei zwei Wohnungen in der Gerold- und Winfriedstraße gewaltsam öffnen, da sich dort Personen für eine Abholung durch die Feuerwehr angemeldet hatten, dann aber nicht öffneten. Bereits am frühen Sonntagmorgen stauten sich Rettungs- und Krankenwagen der Patiententransportzüge auf der Husener Straße. Aus dem Brüderkrankenhaus wurden 27 Patienten ins St.-Vincenz-Krankenhaus und 14 weitere nach Marsberg verlegt. Außerdem galt es, die Bewohner der Altenheime St. Veronika, St. Antonius und aus dem Liboriushaus abzuholen und ins Edith-Stein-Berufskolleg zu fahren. Zudem hatten 60 mobilitätseingeschränkte Bewohner Transportbedarf angemeldet. Der Tod einer Patientin Überschattet wurde die Evakuierung durch den Tod einer 62-jährigen Patientin. Sie war am Morgen aus dem Brüderkrankenhaus mit Notarztbegleitung ins St.-Vincenz-Krankenhaus verlegt worden. Nach Auskunft des Stabes starb die erheblich vorgeschädigte Patientin kurz nach der Ankunft im Kreise ihrer Familie. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes war auf eine Verlegung im Laufe der Woche verzichtet worden. Erschöpft aber erleichtert machten Katja und Stefan Werth mit Töchterchen Mira Bekanntschaft mit der Bombe. Sie wohnen in dem Haus am Peter-Hille-Weg, in dessen Garten die Luftmine gefunden worden war. „Ich möchte gern unser Haus umarmen", sagte Katja Werth. Die Familie hatte das Haus aus dem Jahr 1958 gekauft und mit viel Arbeit kernsaniert. „Jetzt fällt erst mal alles von uns ab." Das Ehepaar dankte Bürgermeister Michael Dreier für die Zusage der Kostenübernahme. Alles rund um die Evakuierung in Paderborn - zum Nachlesen im NW-Liveticker:

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