Peter Kunze will die unzulässige Abschaltautomatik noch nicht entfernen lassen. - © Jutta Steinmetz
Peter Kunze will die unzulässige Abschaltautomatik noch nicht entfernen lassen. | © Jutta Steinmetz

Paderborn Post von der Behörde: Dieselfahrer im Paragrafendschungel

Paderborner hat Post vom Straßenverkehrsamt bekommen - mit der Aufforderung der Mängelbeseitigung

Jutta Steinmetz

Paderborn. Für Peter Kunze tickt die Uhr in Sachen Dieselaffäre. Der 63-Jährige hat nämlich Post bekommen. Vom Landrat, genauer vom Straßenverkehrsamt. „Aufforderung zur Mängelbeseitigung" steht zu oberst auf dem Schriftstück, das er in seinem Postkasten fand. Und das bringt ihn ein bisschen in die Bredouille. Peter Kunze steht nämlich wegen seines Autos vor Gericht. Er ist einer der zahlreichen VW-Kunden, die sich geprellt fühlen von dem Konzern, der saubere Wagen versprach, aber (zunächst einmal) nicht lieferte. Als Kunze 2015 den VW-Passat als Jahreswagen erwarb, war von der sogenannten Dieselaffäre keine Rede. Ganz im Gegenteil. Der pensionierte Lehrer entschied sich damals ganz bewusst und voller Überzeugung gerade für dieses Auto. „Aus ökologischen Grundsätzen", erklärt er. „Wir ernähren uns seit vielen Jahren ökologisch und haben auch nach ökologischen Prinzipien unser Haus gebaut. Entsprechend sollte auch das Auto sein." Peter Kunze zog vor Gericht Und so wollte sich Kunze nicht wehrlos ergeben, als kurz nach dem Kauf im Herbst 2015 offenbar wurde, dass die neuen Diesel aus dem Hause Volkswagen gute Abgaswerte nur auf dem Prüfstand und nicht auf der Straße brachten – dank entsprechender Software. Peter Kunze zog vor Gericht, verklagte den Händler, der ihm den Jahreswagen vermittelt hatte, sowie den VW-Konzern, von den er sich getäuscht fühlte. Obschon das Landgericht Paderborn im Dezember seine Klagen abwies, will Kunze nicht aufgeben. Er hat vor dem Oberlandesgericht Hamm Berufung eingelegt. Aber da liegt der Hase im Pfeffer. Denn während das Straßenverkehrsamt verlangt, dass Peter Kunze der Rückrufaktion des VW-Konzern folgt und die „unzulässige Abschaltautomatik" entfernen lässt, will der Paderborner kein Risiko eingehen. Er befürchtet prozessuale Schwierigkeiten, wenn er der Aufforderung Folge leistet. Sein Anwalt habe ihm geraten, „keine Veränderung am Zustand des Wagens" vornehmen zu lassen. Zudem macht ihm Sorgen, dass VW sich bislang weigerte zu garantieren, „dass durch das Update keine Folgeschäden entstehen", sagt Kunze und denkt an Mehrverbrauch, höheren Verschleiß oder Einbußen in Sachen Geschwindigkeit. Autokonzerne in die Pflicht nehmen Sein Anwalt versucht nun, beim Kreis Paderborn mit Hinweis auf das laufende Gerichtsverfahren eine Art Stillhalteabkommen zu erreichen. „Es gibt Zulassungsbehörden, die sich darauf eingelassen haben", hat Kunze erfahren. Jetzt heißt es erst einmal abwarten. Aber irgendwie ist dieses Ringen für Peter Kunze eine prinzipielle Angelegenheit, in der er sich nicht einfach so beugen möchte. „Es geht doch darum, dass da jemand diese Situation verursacht hat", sagt er und fordert, Volkswagen, aber auch die anderen Autokonzerne in die Pflicht zu nehmen. „Es gibt doch technische Lösungen." Sicherlich denkt der Dieselfahrer in diesen Tagen über das Thema Fahrverbot nach. „Ich habe die feste Überzeugung, dass Fahrverbote kommen müssen – und zwar ganz schnell." Denn diese sind seiner Ansicht nach das einzige Mittel, mit dem die Autoindustrie unter Druck gesetzt werden kann. „Fahrverbote sind die einzige Antwort, damit sich dieses Problem löst."

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