Paderborn Paderborner Literaturtage starten mit zahlreichen Lesungen

Von Sechs bis Zehn: Die Literaturnacht verknappt ihre Spielorte und ihren zeitlichen Rahmen. Im Rathaus, bei Linnemann und im HNF wird gelesen, rezitiert und musiziert

Dietmar Gröbing

Paderborn. Viviane Ristic findet das Konzept "sehr gelungen", Volker Kesselmacher "interessant" und Fabian Daniel "will die Lesungen weiterempfehlen". Sie alle haben registriert, dass aus der "langen Nacht der Literatur" eine relativ kurze Abendveranstaltung geworden ist. Kein Grund zur Traurigkeit, birgt die verknappte Variante doch etliche Vorteile: weniger Veranstaltungsorte, kompaktere Events, kürzere Wege. Zu erleben bei der samstäglichen Premiere "Von Sechs bis Zehn: Literatur und drumherum im Rathaus". Titelgerecht fiel der Startschuss im ersten Haus der Stadt, wo sich etliche Künstler und Kunstbeobachter versammelten. Unter anderem wegen des angebotenen Tanztheaters, das sich dem Literaten Ernst Jandl widmete. Ähnlich der Kapriolen des österreichischen Dichters, wirbelten die von Bettina Broer angeleiteten Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe Quantensprünge durch den großen Saal. Apropos Ernst Jandl: Auch Max Rohland griff auf dessen Laut- und Klanggedichte zurück. Der Schauspieler trug neben Jandl-Texten auch Werke von Christian Morgenstern vor. Was eine indirekte Vernetzung mit dem Klangtheater "Schneller, Höher, Weiter" zur Folge hatte. Ein Tisch dient als Sprungbrett Ann-Britta Dohle (Schauspiel), Birgit Noll (Gesang) und René Madrid (Akkordeon) agierten und musizierten. Ähnlich der Maxime "Warten auf Godot" sehnte das Trio eine (abwesende) Person herbei. Deren Nichterscheinen schuf Raum für heiter-philosophisches Einlässe zur Absurdität des Lebens. Dem schloss sich indirekt die Paderborner Rollenspielgilde an. Ihre Aktionen vollzogen sich allesamt auf einem Tisch, der als Sprungbrett in fantastische Welten diente. Ähnliche Kosmen besuchte die Autorengruppe Zeilensprung, deren Lesung den leitenden Titel "Unterwegs" trug. Eine kleine Autorengruppe bilden auch Wolfram Tewes und Jürgen Reitemeier. Das aus dem Lippischen stammende Duo verfasst Regionalkrimis und war mit seinem jüngsten Erzeugnis in der Buchhandlung Linnemann zu Gast. Das "Dreck am Stecken" überschriebene Werk lockte 80 Interessierte in die Westernstraße. Eine davon war Anneliese Zumdieck, die dem mittlerweile 18. Tewes-Reitemeier-Krimi einen "hohen Unterhaltungswert" attestierte. Auch im HNF gab es viel Literatur Bliebe das Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF), das als dritter und letzter Spielort fungierte. Auch hier wurde den Anwesenden ausgesuchte Literatur vorgetragen. In diesem Fall von den Paderborner Kneipenlesern. Korrespondierend zur HNF-Ausstellung "Digging Deep" war man tiefschürfend unterwegs. Lange verschollene Textschätze wurden gehoben und verlesen. "Wir schätzen die Atmosphäre im HNF", sagte Kneipenleser und Musikant Joachim Schwarzmann am Rande des von mehr als 100 Personen besuchten Kulturevents. Neben der "Freude über die große Resonanz", war man laut Fritz Böttcher "positiv überrascht, dass rund die Hälfte der Anwesenden zu unserem Stammpublikum gehört".

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