Marode mit irreparablen Schäden: Die Bahnhofstraßenbrücke am westlichen Ortseingang von Paderborn muss im nächsten Jahr einem neuen Brückenbauwerk weichen. - © Marc Köppelmann
Marode mit irreparablen Schäden: Die Bahnhofstraßenbrücke am westlichen Ortseingang von Paderborn muss im nächsten Jahr einem neuen Brückenbauwerk weichen. | © Marc Köppelmann

Paderborn Brückensanierung sorgt für kritische Stimmen im Riemeke-Viertel

Bürgerversammlung zur Bahnhofstraße: Mehrere hundert Interessierte kritisieren Wegfall des Baumbestands und haben Zweifel am Straßenausbau. Lange Bauzeit befürchtet

Paderborn. Der unausweichliche Bau der neuen Eisenbahnbrücke und der Ausbau der viel befahrenen Bahnhofstraße elektrisiert die Bürger. Mehrere hundert Interessierte haben die Bürgerversammlung verfolgt, in der die Stadt die Machbarkeitsstudie vorstellte. Für konkrete Pläne ist es noch zu früh. Weil das St.-Laurentius-Pfarrheim für den Ansturm viel zu klein war, mussten die Menge kurzerhand in die benachbarte Kirche umziehen. Göttlicher Beistand wird wohl nicht helfen, dass die gesunden Linden an der Bahnhofsstraße doch noch von der Motorsäge verschont bleiben. Auch der geplante Straßenausbau und das Festhalten am jetzigen Verlauf stand bei den Bürgerinnen und Bürgern in der Kritik. Klar ist: Zum Neubau des Brückenbauwerks gibt es keine Alternative. Die im Jahr 2007 festgestellten Mängel sind irreparabel, so dass im nächsten Jahr mit der millionenschweren und langwierigen Baumaßnahme in Abstimmung mit der DB Netz AG begonnen werden muss. Rad- und Gehwege auf beiden Seiten Die von einem Gutachter empfohlene Variante sieht die Beibehaltung der jetzigen Straßenführung vor. Um den vor allem in den Nachmittagsstunden aufkommenden Rückstau zu vermeiden, soll die Fahrbahn stadtauswärts künftig zweispurig geführt werden. Laut der Technischen Beigeordneten Claudia Warnecke sind dafür nur geringe zusätzliche Flächen nötig. Angedacht ist auch eine Veränderung der Abbiege-Situation. Beidseitig sollen getrennte Rad- und Gehwege angelegt werden. Längs der Bahnhofsstraße werden dann zehn Stellplätze wegfallen. Eine mögliche T-Lösung in den Heinz-Nixdorf-Ring hinein ist wegen Kosten in Höhe von 20 Millionen Euro und der Umsiedlung von Anliegern verworfen worden. Für den Erhalt der Linden gibt es laut Warnecke keine technische Lösung. Der Grund dafür ist die notwendige größere Höhe des neuen Brückenbauwerks. "Seit der Elektrifizierung der Bahn in den 70er-Jahren haben sich die Normhöhen dramatisch verändert. Wir machen hier nur das Minimum", erläuterte Norbert Strathmann vom Regionalbereich West der DB Netz AG. Im Zuge dessen müsste die Böschung erhöht werden, so dass die Baumstämme anschließend rund einen Meter im Erdreich stünden. Laut Claudia Warnecke sei für die wegfallenden Linden im Bereich der Böschung eine Ersatz-Anpflanzung geplant. Park-and-Ride-System Den geplanten Ausbau der Fahrbahn stellte Fritz Buhr vom Paderborner Umweltschutzverein Pro Grün in Frage. Um möglichst viel Verkehr draußen vor der Stadt zu lassen, schlug er ein Park-and-Ride-System für auswärtige Besucher und Pendler vor. "Die Bäume werden nicht wegen des Straßenausbaus gefällt", stellte Claudia Warnecke klar. Für die zusätzliche Spur würde auf Flächen des ehemaligen Tanklagers zurückgegriffen. Auch Ratsherr Reinhard Borgmeier hält die zweite Spur für nicht notwendig. Er gehörte zusammen mit der Interessengemeinschaft das-Riemeke.de und Markus Schmiegel vom Kirchenvorstand St. Laurentius zu den Einladern. Auch der Anregung, statt der höheren Brücke die Gleise tieferzulegen, wurde wegen extrem hoher Kosten eine Absage erteilt. Laut der DB Netz AG müssten dafür allein ein Kilometer Gleisinfrastruktur baulich und die gesamte Technik verändert werden. Ähnliches gilt auch für eine vorgeschlagene Tunnellösung. Laut Claudia Warnecke würden Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis stehen. Eine für eine Großstadt angemessene große Lösung der Straßenführung über die Kleingartenanlage hinweg steht ebenfalls nicht zur Debatte. Allein das Versetzen der sogenannten Oberleitungsquerfeldmasten würde laut Norbert Strathmann pro Masten rund eine halbe Million Euro verschlingen. Alle Varianten will die Stadt veröffentlichen Immer wieder wurde angesichts von täglich über 20.000 Fahrzeugen auf der Bahnhofsstraße die Frage nach den Umleitungsstrecken gestellt. Die Frage kann laut der Stadt erst nach der Entscheidung über die endgültige Variante beantwortet werden. Kritisiert wurde auch, dass die Vor- und Nachteile aller vier Varianten nicht vorgestellt wurden. Die Stadt will darauf reagieren und alle Varianten auf ihrer Internetseite veröffentlichen. Die Bauzeit von bis zu drei Jahren soll so kurz wie möglich ausfallen. Möglichst viele Maßnahmen sollen parallel umgesetzt werden. Auch die Art der Brückenkonstruktion könnte die Bauzeit möglicherweise verkürzen. Wegen der vorhandenen elektrifizierten Bahnstrecke ist die Einrichtung einer Behelfsbrücke jedoch nicht möglich.

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