Mit Prominenz: (v. l.) Dagmar Drüke (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt), Bürgermeister Michael Dreier, Rita Süssmuth, Maria von Welser, Moderatorin Brigitte Büscher und Mechthild Pleininger (Vorsitzende der Gleichstellungskommission) lockten viele Frauen mit dem Programm ins Rathaus. - © Svenja Ludwig
Mit Prominenz: (v. l.) Dagmar Drüke (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt), Bürgermeister Michael Dreier, Rita Süssmuth, Maria von Welser, Moderatorin Brigitte Büscher und Mechthild Pleininger (Vorsitzende der Gleichstellungskommission) lockten viele Frauen mit dem Programm ins Rathaus. | © Svenja Ludwig

Paderborn Rita Süssmuth fordert in Paderborn mehr Frauen in den Parlamenten

Rita Süssmuth und Maria von Welser lenken den Blick auf die Entwicklung der Demokratie und die Situation geflüchteter Frauen. Auf dem Rathausplatz präsentieren sich 14 Initiativen

Svenja Ludwig

Paderborn. 100 Jahre dürfen Frauen in Deutschland nun wählen und gewählt werden. "Es ist eine so starke Anhebung des Selbstwertgefühls, wenn ich nicht bitten muss, sondern ein Recht habe", erklärte Rita Süssmuth, die erste CDU-Frauenministerin auf Bundesebene und Rednerin bei der Auftaktveranstaltung zum Internationalen Frauentag am Samstag im Paderborner Rathaus. Einerseits ein Anlass zum Feiern, andererseits auch der richtige Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen. Im 19. Bundestag sind zu 31 Prozent Frauen vertreten, 4,5 Prozent weniger als in der vergangenen Legislaturperiode. Und auch im Paderborner Rat sitzen bloß 23 Frauen (36 Prozent). Seltsam, da Frauen doch rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung stellen. Für Süssmuth sind die 50 Prozent längst überfällig. Von "Trippelschritten" auf dem Weg dorthin hält sie nur wenig: "Wie kommen wir dazu, ein so selbstverständliches Recht zu verstümmeln?" Dass Frauen mit Mandat noch immer unterrepräsentiert sind, sei ihrer Meinung nach nicht fachlich begründbar. "An den Kompetenzen fehlt es nicht mehr, aber es gibt Kompetenzen, die man anerkennt, und Kompetenzen, die man nicht anerkennt", glaubt Süssmuth. Dabei vertritt sie aber durchaus die Auffassung, dass es männliche und weibliche Qualitäten gebe. "Wir reden so viel von Vielfalt, diese Differenzen sollten wir erhalten, aber wir sollten die Menschen nicht klein machen", forderte Süssmuth. Diskriminierung von geflüchteten Frauen Die Journalistin Maria von Welser, bekannt aus dem ZDF-Magazin "ML - Mona Lisa", lenkte den Blick auf die spezielle Situation von geflüchteten Frauen. Während 3,6 Millionen Kinder und Frauen unter "menschenunwürdigen Bedingungen" in Flüchtlingslagern festsäßen, hätten es rund 500.000 Frauen nach etwa dreieinhalb Monaten auf der Flucht in die "Festung Europa" geschafft, wie von Welser berichtet. "26 Prozent dieser Frauen haben in der Erstaufnahme Diskriminierung und Gewalt erfahren", sagte sie. Außerdem würden Frauen in den Asylverfahren oft falsch beurteilt, "weil sie nicht erzählen können oder wollen", weiß die Autorin. An der Geschichte über eine aus Afghanistan stammende Geflüchtete in Paderborn, die von Abschiebung bedroht ist, entwickelte sich eine kontroverse Diskussion. Bürgermeister Michael Dreier verwies darauf, dass Afghanistan als ein sicheres Herkunftsland gelte - und erntete dafür Kritik. So kommentierte Zuhörerin Elke Süsselbeck, dass ein sicheres Herkunftsland für Frauen und Männer Verschiedenes bedeute. Und Rita Süssmuth forderte: "Wir sollten unsere Definition von sicheren Herkunftsländern überarbeiten." "Im Rahmen des Rechts" Dreier entgegnete, es gebe ein Asylgesetz, an das die Stadt gebunden sei. "Es gibt Vollstreckungshindernisse im Einzelfall - das ist auch im Rahmen des Rechts", erinnerte die grüne Landtagsabgeordnete Sigrid Beer. "Wir reden über jeden Einzelfall", versicherte wiederum der Bürgermeister. Rund um das Rathaus präsentierten sich zudem 14 Paderborner Institutionen und Initiativen auf einem Markt der Möglichkeiten. Zum Beispiel die Frauenberatungsstelle Lilith. "Eine Studie hat gezeigt, dass Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben, nicht wissen, dass es uns gibt, dass wir kostenlos und anonym beraten", erklärte Bernadette Fischer. Das soll sich ändern und deshalb hieß es: Gesicht zeigen! Wie Cornelia und Willi Küting aus Schwaney ließen sich zahlreiche Passanten ablichten. Mit einer Botschaft versehen, wurden die Portraits an über den Rathausplatz gespannten Wäscheleinen aufgehängt.

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