Übung macht den Meister: Alexandra Sevcenko wehrt sich erfolgreich gegen Trainer David Stolla. - © Andreas Götte
Übung macht den Meister: Alexandra Sevcenko wehrt sich erfolgreich gegen Trainer David Stolla. | © Andreas Götte

Paderborn Beim Verein Wing-Martial-Arts üben Blinde Selbstverteidigung

Der Verein kümmert sich auch um Menschen mit Handicap und um Kinder aus sozial schwächeren Familien

Andreas Götte

Paderborn. Der Angriff des scheinbar übermächtigen Gegners ist für Alexandra Sevcenko kein großes Probem. Blitzschnell gibt die junge Frau dem Richtungsdruck ihres Gegners nach, verlagert ihre Position und lässt den Angriff des Mannes ins Leere laufen. Das Besondere: Alexandra Sevcenko kann bei den Aktionen den Gegner gar nicht sehen. Die junge Frau ist blind. Beim Infotag des Paderborner Vereins Wing-Martial-Arts im Family Fit in Paderborn ist Sevcenko ein Teil verschiedener Vorführungen, um die chinesische Kampfkunst und die dahinter stehende besondere Form der Selbstverteidigung sozial schwächeren Kindern und deren Eltern sowie Menschen mit einem Handicap näher zu bringen. Mehr Sicherheit Normalerweise läuft die Verteidigung über optische Reize. "Alexandra macht das über ihren Tastsinn ohne Muskelkraft und lenkt den Angriff einfach vorbei", erklärt Trainer David Stolla, der zuvor in die Rolle des Angreifers geschlüpft war. Dabei habe ihr sein Körper über eine taktile Aufnahme den Weg gezeigt. Das funktioniere auch gegen größere und stärkere Gegner, betont Stolla. Alexandra Sevcenko bekommt durch das Training neben mehr Sicherheit auch Entspannung mit auf den Weg. "Ich bin viel zu Fuß und mit Bus und Bahn unterwegs und werde nicht immer begleitet. Durch die eingeübten Standardbewegungsabläufe bekomme ich mehr Sicherheit", sagt die Paderbornerin. Durch ihre Einschränkung ist Sevcenko in Sachen Selbstverteidigung auf dem Level von Fortgeschrittenen. "Das Training läuft zunächst über optische Reize. Später verbinden wir dann den Teilnehmern die Augen, um die taktile Aufnahme zu trainieren", sagt Stolla, der unter anderem als Personenschützer und Dozent für Sicherheitsdienste tätig ist. Bessere Lebensqualität Beim Infotag haben Stolla und sein Team vor allem sozial schwächer gestellte Kinder im Blick, die speziell nach ihren besonderen Bedürfnissen trainiert und unterstützt werden sollen. Ziel ist dabei neben der Wehrhaftigkeit in Alltagssituationen vor allem eine bessere Lebensqualität. "Wer selbstbewusst ist, wird auch selbstsicherer und tritt im Umgang mit Menschen freundlicher auf", sagt David Stolla. Der 40-Jährige zeigt an diesem Tag zusammen mit seinem Team auch, wie Frauen sich bei einem Angriff verteidigen können, wie man einen Angriff von mehreren Gegnern übersteht und was zu tun ist, wenn Hieb- und Stichwaffen zum Einsatz kommen. Beim Wing-Tsun-Stil spielt die Muskelkraft eine untergeordnete Rolle. Die direkte Kollision von Kräften wird vermieden. Vielmehr wird durch eine überlegene Technik, Geschmeidigkeit, Strategie und Präzision jeder Angriff abgewehrt. Auf dem Trainingsplan steht zudem die Vermittlung von Tugenden wie Pünktlichkeit, Fürsorge und ein ehrliches Miteinander. "Unser Training ist auch für introvertierte und hibbelige Kinder gut geeignet", betont Stolla. Ein Konzept, was bei Besucher Jan Rombold und seinem Sohn Arne gut ankommt. "Mein Sohn ist nicht gerade ein Raufbold. Solche Dinge wie Selbstbewusstsein halte ich für wichtig. Ich sehe das Ganze präventiv", sagt der Paderborner. Das Family Fit hat zusammen mit dem Verein Wing-Martial-Arts darüber hinaus auch ein spezielles Trainingsprogramm für Flüchtlinge entwickelt und kommt ihnen dabei auch preislich entgegen. Sind Eltern beim Familiy Fit angemeldet, besteht zudem nach Absprache die Möglichkeit, die Kinder während der Trainingszeit ihrer Eltern kostenlos zu trainieren, wenn sich für die Zeit kein Babysitter findet. Das Family Fit lege laut Inhaber Hans-Jürgen Thiel großen Wert auf eine "venünftige Betreuung".

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