Frauenrechte sind Menschenrechte: (hinten v. l.) Claudia Penkalla, Christina Glaeske-Kattelmann und Elke Süsselbeck (alle vom Arbeitskreis) sowie Norika Creuzmann (Grüne, vorne l.) und Ana Rodrigues ("In der Philosophie zu Hause"). - © Svenja Ludwig
Frauenrechte sind Menschenrechte: (hinten v. l.) Claudia Penkalla, Christina Glaeske-Kattelmann und Elke Süsselbeck (alle vom Arbeitskreis) sowie Norika Creuzmann (Grüne, vorne l.) und Ana Rodrigues ("In der Philosophie zu Hause"). | © Svenja Ludwig

Paderborn Aktionstag in Paderborn beleuchtet alle Seiten der Prostitution

Mit dem Aktionstag unter dem Motto "Frauen - das käufliche Geschlecht" will das Bündnis das Sexgewerbe in den Fokus rücken

Svenja Ludwig
06.02.2018 | Stand 06.02.2018, 09:49 Uhr

Paderborn. Amateur-Fußballvereine werben auf ihren Trikots für Bordelle, Promis machen aus Besuchen im Freudenhaus kein Geheimnis mehr, deutsche Etablissements sind für Freier zu Wallfahrtsorten geworden, weil käuflicher Sex in Deutschland legalisiert wurde. Kurzum: Der Besuch bei Prostituierten ist salonfähig geworden. Der Arbeitskreis "Frauenrechte sind Menschenrechte" und das Projekt "In der Philosophie zu Hause" der Universität Paderborn meinen jedoch: "Die Institution Prostitution ist historisch überholt und passt nicht mehr in eine Gesellschaft, in der Männer und Frauen gleichberechtigt leben." Älteste Gewerbe der Welt Mit dem Aktionstag unter dem Motto "Frauen - das käufliche Geschlecht" will das Bündnis am Freitag, 16. Februar, "nachholen, was Politik und Presse vergessen haben, und das Thema Prostitution in die Gesellschaft bringen", erklärte Elke Süsselbeck, Mitglied des Arbeitskreises. Im Hörsaal L1 der Universität werden von 13 bis 19 Uhr alle Seiten des sogenannten ältesten Gewerbes der Welt beleuchtet. Vergleichbares habe es bundesweit bisher nur in Berlin und München gegeben, sind sich die Veranstalterinnen sicher. So wird der ehemalige Kriminalhauptkommissar Manfred Paulus von seinen Erfahrung im Bereich der Rotlichtkriminalität und des Frauenhandels berichten. Mit Huschke Mau konnte zudem eine Ex-Prostituierte für die Veranstaltung gewonnen werden, die erklären könne "wie man in die Prostitution gerät, was man dort erlebt und wie schwer der Ausstieg ist", so Süsselbeck. Außerdem wird die Sozialwissenschaftlerin Anita Heiliger einen gesellschaftlichen Blick auf die Thematik werfen. "In Deutschland ist das Bewusstsein gering für Geschlechterungerechtigkeit", so Ana Rodrigues ("In der Philosophie zu Hause"), "wenn das nicht wahrgenommen wird, werden auch keine Problemfelder aufgetan." Während die Prostitution in Deutschland legalisiert wurde, sieht es bei einigen europäischen Nachbarn anders aus. In Frankreich etwa machen sich die Freier strafbar, in Schweden gilt das nordische Modell. "Es gibt dort ein gesetzliches Sexkaufverbot", erläuterte Elke Süsselbeck. Was das genau bedeutet, wird Patrik Cederlöf von der schwedischen Botschaft vorstellen. "Maskulinisten" haben Störungen angekündigt An der anschließenden Podiumsdiskussion wird neben den Vortragenden auch Norika Creuzmann (Kreisvorsitzende der Grünen) teilnehmen. Eingeladen seien außerdem Experten aus lokalen Beratungsstellen, Ordnungs- und Gesundheitsämtern sowie sämtlicher politischer Parteien. Zum Abschluss werden auch die Freier zu Wort kommen: Der Dokumentarfilm "Like a Pascha" (Regie: Svante Tidholm) zeigt unkommentiert und ungeschminkt den Alltag im Kölner Bordell Pascha. Laut Elke Süsselbeck haben "Maskulinisten", die um ihre Bordellbesuche fürchten, Störungen des Aktionstags angekündigt. Ausschreitungen erwarte sie aber nicht. Veranstaltet wird der Aktionstag ohne die Stadt Paderborn. Das Bündnis habe, so Elke Süsselbeck, einen Zuschuss bei der Gleichstellungsstelle beantragt. Dieser sei abgewiesen worden. "Die Ablehnung des Antrags ist völlig okay", erklärte Süsselbeck. Enttäuscht sei sie aber darüber, dass auf die Bitte um "anderweitige Unterstützung" z. B. in Form von Werbung auf der Homepage der Stadt nicht reagiert worden sei. Keine Reaktion von Bürgermeister Michael Dreier Es sei seitens der Stadt ein persönliches Gespräch in Aussicht gestellt worden, zu dem es nie gekommen sei. Daraufhin habe sich Süsselbeck in einer "persönlichen Nachricht" an Bürgermeister Michael Dreier gewandt, der alle Mails in Kopie ebenfalls erhalten haben soll. Auch diese Nachricht sei unbeantwortet geblieben, versicherte Süsselbeck. Auf NW-Anfrage bestätigt die Stadt, dass keine finanzielle Förderung stattfindet. Auf die eigentliche Kritik an mangelnder immaterieller Unterstützung ging die Stadt in ihrer Stellungnahme nicht ein, betonte aber, dass das Thema Prostitution "sehr ernst" genommen werde.

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