Ehemaliges Industriequartier mit eigenem Flair: Nils Langschwadt vor einer künftigen Ansicht vom Hof der ehemaligen Wollverwertung bzw. von Lampen Nixdorf. Langschwadt hat das ehemalige Verwaltungsgebäude rechts gekauft. Er will dort auch selbst wohnen und richtet Büroräume und Appartments her. - © Hans-Hermann Igges
Ehemaliges Industriequartier mit eigenem Flair: Nils Langschwadt vor einer künftigen Ansicht vom Hof der ehemaligen Wollverwertung bzw. von Lampen Nixdorf. Langschwadt hat das ehemalige Verwaltungsgebäude rechts gekauft. Er will dort auch selbst wohnen und richtet Büroräume und Appartments her. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Frühere Deutsche Wollverwertung in Paderborn wird saniert

Wohnen und Arbeiten: Das geschichtsträchtige Gelände an der Paderborner Wollmarktstraße wird erhalten. Investoren lassen derzeit mehrere Gebäude für Büros und Wohnungen herrichten

Paderborn. Sanierung statt Abriss: Die Wollmarkstraße im Westen der Paderborner Kernstadt behält ihr wohl symbolträchtigstes Quartier, die historischen Gebäude der ehemaligen Deutschen Wollverwertung mit ihren markanten Giebeln gegenüber dem Gleisgelände am Hauptbahnhof. Verschiedene Investoren sind dort aktiv geworden. Von 1934 bis in die neunziger Jahre wurde hier auf 10.000 Quadratmetern Wolle gelagert und gehandelt, danach musste das Gelände verkauft werden, weil ein ehemaliger Prokurist das Unternehmen um Millionen prellte. Nach der Insolvenz des danach dort angesiedelten Unternehmens Lampen Nixdorf 2013 stand das Gelände völlig leer. 2016 ersteigerten die Paderborner Unternehmen Benteler Wohnbau GmbH und Brandenburger Vermögensverwaltungs GmbH das Areal. Während die Brandenburger Vermögensverwaltung ihre aus alten Hallen bestehende Hälfte bereits an den Nachbarn, die Verpackungsfirma DS Smith verpachtete, behielt Benteler Wohnbau das ehemalige Verwaltungsgebäude mit dem markanten Schäfer an der Fassade und veräußerte zum Teil bereits die anderen Gebäude: Das zweite Verwaltungsgebäude mit dem ehemaligen Auktionssaal saniert bis Jahresende der Paderborner Nils Langschwadt. Er will wie das Ehepaar Margret und Heiner Benteler nebenan dort Raum für Wohnen und Arbeiten schaffen – und dabei zeitgemäße Ansprüche an Komfort und Ökologie mit dem Flair der Industriegeschichte vereinen. Langschwadt: „Die Umsetzung ist zwar eine Herausforderung. Aber in Städten wie Hamburg oder Berlin sieht man das schon viel öfter. In Paderborn ist von der alten Substanz leider wenig erhalten." Solnhofer Sandstein, Messinggeländer und Parkett Möglichst viel Substanz zu erhalten haben sich auch die Bentelers, die zuletzt das Gelände der früheren Brotfabrik Ostermann an der Driburger Straße sanierten, vorgenommen. Vor einem Jahr begannen sie mit der Arbeit. Nun sind weite Teile ihres ehemaligen Verwaltungsgebäudes zu Bürozwecken hergerichtet: Fußböden und Wandverkleidungen aus Solnhofer Sandstein wurden ebenso erhalten wie Parkett, Türen und Messinggeländer. Die ehemalige Kantine im Keller bekam einen neuen Estrich und eine Fußbodenheizung. „Sie könnte für Konferenzen dienen", sagt Margret Benteler. Umfangreiche (auch energetische) Sanierungsarbeiten laufen noch in der zuletzt von Lampen-Nixdorf genutzten ehemaligen Lagerhalle für Wolle. „Allein der Einbau der neuen, dreifach verglasten Dachfenster über den Stahlträgern war sehr aufwendigt", sagt Heiner Benteler. Zahlreiche historische Elemente sollen erhalten bleiben. Der Hallentrakt wurde in drei Einheiten unterteilt, von denen eine bereits weiter verkauft wurde. Die ehemalige Werkstatt zwischen Verwaltungsgebäude und Hallen hat das Paderborner IT-Unternehmen IT works unlimited des Wirtschaftsinformatikers Carl Goos gekauft. Bislang an der Driburger Straße untergebracht, setzt Goos mit seinen 14 Mitarbeitern auf Expansion – und darauf, sich zur Zeit an der Wollmarktstraße komplett nach eigenen Vorstellungen einrichten zu können.

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