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Kreis Paderborn Einige Kommunen im Kreis Paderborn nutzen Glyphosat-Alternativen

Unkraut: Pflanzenvernichtungsmittel spielen in mehreren Städten und Gemeinden im Kreis Paderborn bereits Rolle mehr. Doch auf die komplette Bekämpfung mit Heißschaum oder Bürsten wird nicht überall gesetzt

Karl Finke
06.01.2018 , 06:01 Uhr |
Holger Kosbab

Eine Möglichkeit im Kampf gegen den Riesen-Bärenklau: Der Einsatz eines Pflanzenvernichtungsmittels. Doch in vielen Kommunen im Kreis Paderborn werden solche Mittel nicht mehr verwendet. - © picture-alliance / ZB (Themenbild)
Eine Möglichkeit im Kampf gegen den Riesen-Bärenklau: Der Einsatz eines Pflanzenvernichtungsmittels. Doch in vielen Kommunen im Kreis Paderborn werden solche Mittel nicht mehr verwendet. | © picture-alliance / ZB (Themenbild)

Kreis Paderborn. Jeder kennt diesen Wirkstoff, auch wenn man ihn gar nicht selbst nutzt: Glyphosat. Die Zulassung des umstrittenen Unkrautvernichtungsmitteln war von den EU-Mitgliedsstaaten Ende November um fünf Jahre verlängert worden. Kurz vor Jahresende erklärte Borchens Bürgermeister Reiner Allerdissen, es sei „die Pflicht der öffentlichen Verwaltungen, mit gutem Beispiel voranzugehen" und auf den Einsatz zu verzichten. Eine NW-Umfrage zeigt: Glyphosat spielt in anderen Kommunen schon längst keine Rolle mehr.

PADERBORN
„Das Thema Herbizide (unter anderem Glyphosat) ist für die Stadt Paderborn im Rahmen der Grünunterhaltung und Pflege seit Jahrzehnten kein Thema", sagt Jens Reinhardt, Sprecher der Stadt Paderborn. Weder das Amt für Umweltschutz und Grünflächen noch der für die Parkraumbewirtschaftung und die Straßenreinigung zuständige ASP und das Straßen- und Brückenbauamt griffen darauf zurück. Alternativ würden im Paderborner Stadtgebiet mechanische Systeme wie zum Beispiel Bürsten für die Unkrautbekämpfung eingesetzt.

BORCHEN
Auf Bürgermeister Reiner Allerdissen muss der politische Streit wie ein Weckruf gewirkt haben. „In Zukunft wird in Borchen auf den Einsatz von Glyphosat verzichtet", so seine öffentliche Information zum Jahreswechsel. Auf gärtnerischen Flächen der Gemeinde werde diese Entscheidung „mit mehr Arbeitskraft" kompensiert und mit dem Einsatz von „thermischen Verfahren" – gemeint sind wohl Gas-Flammen.

ALTENBEKEN
„Im erlaubten Rahmen, aber zunehmend zurückhaltender", so der Wortlaut, setzt die Eggegemeinde seit der öffentlichen Diskussion ab 2015 Glyphosat bei der Pflege von Wegen und Beeten ein. Auf Friedhöfen und öffentlichen Flächen setzen Fremdfirmen das Heißschaumverfahren ein, so Rathaus-Sprecherin Marion Wessels: „Mit höheren Kosten." Eine weitere Glyphosat-Reduzierung „mit erhöhtem Personaleinsatz" werde geprüft.

BAD LIPPSPRINGE
Die Stadtrat-Fraktion Bündnis 90/Die Grünen in Bad Lippspringe hat im Dezember einen Verzicht auf Glyphosat in der Landesgartenschau-Stadt beantragt. Vor der Sitzung des zuständigen Fachausschusses am 16. Januar will Bürgermeister Andreas Bee keine aktuelle Wasserstandsmeldung abgeben.

BAD WÜNNENBERG
Auf versiegelten und befestigten Flächen wie Schulhöfen, Sportplätzen und Friedhöfen verzichtet die Kneipp-Stadt schon länger auf Glyphosat. Auf den übrigen Flächen sei der Einsatz im September 2017 beendet worden. Als umweltfreundlichere Alternativen sollen zukünftig „thermische und mechanische" Kräfte zum Einsatz kommen.

BÜREN
„Schon seit vielen Jahren" werde kein Glyphosat mehr eingesetzt, meldet die Stadt Büren, und das solle auch zukünftig so bleiben. „Die Flächen werden mechanisch und thermisch behandelt", erklärt die Stadtverwaltung.

Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Inhaltsstoff Glyphosat. - © Jens Reddeker
Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem Inhaltsstoff Glyphosat. | © Jens Reddeker

DELBRÜCK
„In geringen Mengen" setzt die Stadt Delbrück Glyphosat noch ein. Fachbereichsleiter Heinz Börnemeier nennt als Beispiel „gegen den Riesenbärenklau auf einer alten Mülldeponie" und „zur Pflanzenbeetvorbereitung bei Böden, die stark mit Unkräutern befallen sind". Ein vollständiger Verzicht sei in Delbrück „derzeit nicht vorgesehen", weil er „nur mit einem erheblich höheren Personaleinsatz kompensiert werden könnte".

LICHTENAU
In Lichtenau kommen bei der Unkrautbekämpfung nach wie vor handwerkliche Geräte wie Sensen zum Einsatz, so Bürgermeister Josef Hartmann. Seit einigen Jahren schon setze der Bauhof kein Glyphosat mehr ein – auch nicht die für die Beetpflege zuständige Firma. „Über den Einsatz thermischer Verfahren wird zur Zeit nachgedacht", so der Rathauschef.

SALZKOTTEN
Die Sälzerstadt hat Glyphosat nur noch bis Mitte 2016 in ganz besonderen Fällen und dort „in kleinen Mengen" eingesetzt, wie Fachbereichsleiter Ludwig Bewermeier mitteilt: „Zur Bekämpfung der selten vorkommenden Herkulesstaude, die für Mensch und Tier äußerst gefährlich ist, im Außenbereich durch Bestreichen der Blattmasse."

KREIS PADERBORN
Der Kreis hat „seit jeher" auch die Pächter seiner landwirtschaftlichen Flächen dazu verpflichtet, „keine chemisch-synthetischen Pflanzenbehandlungsmittel – zu denen Glyphosat zählt" aufzubringen. Auf den Naturschutzflächen und in der extensiven Landwirtschaft solle sich ohne Chemieeinsatz die Biodiversität erhöhen. Die Kreisverwaltung setzt auch an Kreisstraßen, auf Schulhöfen und an Museen sowie auf dem Entsorgungszentrum Alte Schanze kein Glyphosat ein.