Die 80er Jahre im Fokus: Heinz Rudolf Kunze gibt die musikalische Richtung vor. - © Dietmar Gröbing
Die 80er Jahre im Fokus: Heinz Rudolf Kunze gibt die musikalische Richtung vor. | © Dietmar Gröbing

Paderborn-Elsen Heinz Rudolf Kunze gibt in Paderborn ein Solokonzert

430 Fans folgen ihm und erfreuen sich vor allem an altbekannten Hits, auf die es lange zu warten gilt

Paderborn-Elsen. "Die Großen heißen alle John", sagt Heinz Rudolf Kunze und führt mit verschmitztem Lächeln die Beispiele "John Dylan, John Shakespeare und John Trump" an. Vielleicht hat es für den "kleinen Heinz", wie er von seiner Mutter gerufen wurde, deshalb "nur" zum Star der Neuen Deutschen Welle (NDW) gereicht. Am Freitagabend besuchte Heinz Rudolf Kunze das Elsener Bürgerhaus. Selbstredend feierte die deutsche Welle mit dem Gastspiel Kunzes eine kleine Wiedergeburt, als es für einige Stücke zurück in die 80er Jahre ging. Damals war die NDW ein Gegengewicht zum englischen Popsong und rangierte mit ihm auf Augenhöhe. Alles, was nicht Schlager, Volksmusik und Heavy Metal war, hielt die Welle am Laufen und brachte manch interessanten Künstler hervor. Um die meisten von ihnen ist es ruhig geworden, aber keineswegs so ruhig, dass man sie als verschollen bezeichnen müsste. Es lebt sich nach wie vor recht gut von angegrautem Ruhm, der hier und da fröhliche Urstände feiert. So wie am Wochenende im Elsen, wo Heinz Rudolf Kunzes Solokonzert altes und neues Material bot. Augesuchte Lieder im Gepäck Der Hannoveraner hatte neben Gitarre, Klavier und meist politisch unterfütterten Zwischentexten lediglich ausgesuchte Lieder im Gepäck. Das allerdings reichte für eine Reise in die Hochphase von Kunzes Schaffenskraft. "Dein ist mein ganzes Herz", "Finden Sie Mabel", "Du wirst nie zuhause sein" und "Ich geh meine eigenen Wege" machten Werbung für das kompositorische Talent Heinz Rudolf Kunzes. Jedoch mussten alle, die lediglich wegen der genannten Titel gekommen waren, lange auf die alten Schätzchen warten. Fast zweieinhalb Stunden nahm sich Kunze Zeit, um kreuz und quer durch das eigene, 37 Jahre umfassende Schaffen zu surfen. Erst unmittelbar vor und innerhalb des Zugabenteils machte Kunze Konzessionen an den Massengeschmack und gab seinen Fans, wonach sie verlangten - ließ sie gar mitsingen. Das quittierten 430 Zuhörer mit anhaltendem Applaus, zeigte man sich doch angetan von der zurück genommenen Präsenz des 61-jährigen Niedersachsen. In seiner bescheidenen Art verzichtete Heinz Rudolf Kunze auf alle ausschmückenden Momente, sogar auf eine Begleitband. Das kann sich nur leisten, wer raumgreifendes Charisma und reichlich Talent besitzt. Zwei Eigenschaften, über die Kunze zweifelsohne verfügt.

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