Blick in die Artothek: Hier können Besucher freitags und am ersten Samstag des Monats in den Kunststapeln stöbern. - © Mareike Gröneweg
Blick in die Artothek: Hier können Besucher freitags und am ersten Samstag des Monats in den Kunststapeln stöbern. | © Mareike Gröneweg

Paderborn In der Artothek können Paderborner Kunst ausleihen

In der Schloß Neuhäuser Zweigstelle der Stadtbibliothek können nicht nur Bücher mit nach Hause genommen werden, sondern auch Kunst – und das in vielen Formen

Paderborn-Schloß Neuhaus. Es gibt vermutlich mehr Kunstbegeisterte als Kunstbesitzer, denn Originale kosten viel Geld. Um mehr Menschen einen Zugang zu Gemälden, Skulpturen, Grafiken und Plakaten zu ermöglichen, wurde 1988 die Artothek gegründet: Kunst zum Leihen. Das Angebot der Stadtbibliothek ist in der Schloß Neuhäuser Zweigstelle beheimatet. Die Artothek ist ein Ort, der Kunstliebhaber zusammen bringt. Jährlich registriert sie 700 bis 800 Ausleihen. Plakate kosten für zwölf Wochen sechs Euro, Unikate - darunter Skulpturen sowie Öl- und Acrylgemälde - zehn Euro. "Bei dem Preis kann man auch mutige Bilder ausleihen, die man sich vielleicht nicht unbedingt kaufen würde", meint Marion Wendland, die sich ehrenamtlich für das städtische Angebot engagiert. Insgesamt verleiht die Artothek 113 Künstlerplakate, 430 Unikate, 106 Grafiken und 43 Plastiken. Alles gerahmt, versichert und fertig für die Wohnung. "Dabei reichen die Formate der Kunstwerke von Handtaschengröße bis hin zu Vier-Meter-Leinwänden", erzählt Gisela Grumpe-Aßmann. Der Transport kann bei solchen Großformaten problematisch sein, aber die Artothek stellt zumindest Noppenfolie und speziell angefertigte Tragekartons, so Grumpe-Aßmann. Vor der Etatkürzung war sie die Hauptamtliche, heute ist sie bei der Stadtbibliothek unter anderem für Buchanschaffungen im Kunstbereich zuständig. Für die Artothek koordiniert sie die insgesamt 17 Ehrenamtlichen. Die jüngste mitwirkende Ehrenamtliche ist 33 Jahre alt, die älteste 75. "Kunst verbindet jung und alt - auch auf der Ebene der Ehrenamtlichen", findet Lena Golibrzuch. Die meisten Besucher der Artothek seien Stammkunden. Lena Golibrzuch erzählt, dass eine Hausgemeinschaft mehrfach vorbeikomme. Sie schmückten den gemeinsamen Flur mit Kunst aus der Artothek, um so niveauvolle Abwechslung in den Hausflur zu bringen. Zudem besuchten viele Eltern die Artothek mit ihren Kindern, beobachtet Marin Stancovici: "Sie versuchen meist, ihren Kindern Kunst näher zu bringen. Das Ganze hat also einen pädagogischen Wert." Auch eine Paderborner Rechtsanwaltskanzlei machte einmal regen Gebrauch von der Artothek. Anlässlich ihrer Neueröffnung lieh sie sich über 40 Bilder aus und lud einige Ehrenamtliche zur Eröffnung ein. Frischer Wind kommt in den Bestand meist durch Leihgaben von Künstlern. Sie stellen für einige Zeit Werke zur Verfügung, diese können dann auch erworben werden - im Gegensatz zum festen Bestand der Artothek. "Insgesamt haben wir einen bunten Mix vorzuweisen", so Grumpe-Aßmann, wobei die meiste Kunst dem neuzeitlichen und modernen Stil zuzuordnen sei. "Von namhaften Künstlern sind beispielsweise Werke von Hans Piene und Wilfried Hagebölling vertreten". Auf der Rückseite jedes Bildes finden die Besucher Informationen zum Künstler und zum Werk. Ein Ort also zum Kunst entdecken, stöbern, lernen und leihen. "Die Artothek ist ein Schatz, der geschützt werden sollte. Doch momentan liegt sie brach", findet Lena Golibrzuch. Sie ist eine der 17 Ehrenamtlichen, die die Artothek öffnen, Besucher beraten und Kunst verleihen. Es würden sich jedoch nicht alle aktiv beteiligen, was die Organisation schwierig gestalte. Besonders schwierig, so erzählen die Ehrenamtlichen, wurde es für die Artothek seit 2010. Da entschied die Stadt im Zuge von Sparmaßnahmen, die Finanzierung der Artothek weitestgehend einzukürzen. Das bedeutet: Es fließt kein Geld mehr in Neuanschaffungen von Kunst oder in die Bezahlung von Hauptamtlichen. "Früher konnte man als Ehrenamtliche eigene Ausstellungen gestalten, aber die Stadt entschied, dass aus dem Raum ein Schüler-Lernraum wird", berichtet Marin Stancovici. Der 70-Jährige hat zudem den Eindruck, die Stadt ziehe sich zurück und unterstütze das Angebot weniger, weil so viel Engagement vorhanden ist. Laut den Ehrenamtlichen fehlt Geld für Neuanschaffungen, für Werbung, für Ausstellungen. Die Kritik gegenüber der städtischen Unterstützung kann Katrin Stroth, Leiterin der Stadtbibliothek, durchaus nachvollziehen. Wer sich engagiert, wolle das Projekt schließlich auch erfolgreich gestalten. "Wir standen vor der Entscheidung, ob die Artothek geschlossen werden soll oder ausschließlich über das Ehrenamt gestemmt wird", sagt Stroth. Sie würde das Angebot zwar gerne erweitern, doch was zukünftig passiert, sei eine politische Entscheidung.

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