Wird ausgezeichnet: Wilhelm Peters erhält den Kulturpreis der Stadt Paderborn. Auf diesem Foto steht er vor einer Reihe von Arbeiten aus seiner kreativen Anfangszeit. Rund 200 Mal hat er Raffaels „Dame mit dem Einhorn" unterschiedlich bearbeitet, unter anderem im Stil von Andy Warhol und impressionistisch. - © Holger Kosbab
Wird ausgezeichnet: Wilhelm Peters erhält den Kulturpreis der Stadt Paderborn. Auf diesem Foto steht er vor einer Reihe von Arbeiten aus seiner kreativen Anfangszeit. Rund 200 Mal hat er Raffaels „Dame mit dem Einhorn" unterschiedlich bearbeitet, unter anderem im Stil von Andy Warhol und impressionistisch. | © Holger Kosbab

Paderborn Kulturpreisträger und Glasmalereichef Wilhelm Peters im Interview

Wilhelm Peters (65) erhält an diesem Sonntag den Kulturpreis der Stadt Paderborn. Er spricht über die Arbeit als kreativer Dienstleister, besondere Aufträge und die Möglichkeiten der Digitalisierung

Herr Peters, was ist für Sie bedeutender: traditionell kirchliche oder moderne Glaskunst? Wilhelm Peters: Das muss sich nicht widersprechen. Wir lieben und leben die Tradition, aber ich finde zwei Dinge spannend. Einerseits finde ich es ganz wichtig, dass in historische Gebäude etwas ganz Modernes kommt. Passend zur Reformation haben wir in der Marienkirche in Wittenberg eine Arbeit von Christine Triebsch eingeweiht, wodurch es einen Dialog gibt zwischen Alt und Neu. Dann sind da die Synergien, die aus dem Einen wie aus dem Anderen kommen und wie sich Alt und Neu befruchten: das ist sehr spannend. Das zeigt sich beispielsweise an der Wiesenkirche in Soest. Dort ist es ganz hervorragend gelungen, eine Verbindung zwischen alten und neuen Fenstern zu schaffen. Das ergibt ein Gesamtkunstwerk, einen gemeinsamen Lichtraum. Lichtraum? Peters: Die Kirche war vorher aus der Balance. Heute umfängt einen das Licht harmonisch im ganzen Raum. Kunst aus Glas ist viel weniger in der Öffentlichkeit als etwa Malerei. Gibt es eigentlich Stars? Peters: Es gibt zwei Arten der Stars. Da sind die, die die Technik am weitesten voran getrieben haben wie zum Beispiel Johannes Schreiter, Jochem Poensgen und Wilhelm Buschulte. Dafür war und ist Deutschland berühmt. Und dann kamen die technischen Veränderungen: Früher konnte man Gläser im Din-A3-Format brennen, vor 20 Jahren dann türgroße Scheiben und heute kann es drei mal sechs Meter groß sein. Das hat eine ganz neue Generation zur Glaskunst getrieben. Durch die technischen Möglichkeiten sind Künstler zum Glas gelangt, die nicht aus dem Metier kommen, wie H. A. Schult, Michael Triegel und Catherine Widgery. Und Sie unterstützen die Künstler bei der Umsetzung von Ideen? Peters: Ja. Dabei gibt es unterschiedliche Wege, wie die Künstler zu uns kommen. Mal spricht uns ein Bauherr an, mal der Künstler oder es gibt eine Ausschreibung für den Künstler und für den Bau. Wir sehen uns da als ein Orchester, das die unterschiedlichen Instrumente spielt und hat. Und wir versuchen künstler- und objektspezifisch, den besten Weg zu finden. Wichtig ist: Wir sehen uns nicht in Konkurrenz zu den Künstlern, sondern als partnerschaftliche Dienstleister. Wir machen das seit den 80er Jahren, Als ich die Geschäftsführung übernommen habe. Und es hat uns viel Schwung gebracht. In ihrem Studium der Kunst und Kunstpädagogik in Hamburg haben Sie den Ästhetikprofessor Bazon Brock kennengelernt. Wie wichtig war diese Begegnung? Peters: Ich bin noch heute mit ihm befreundet und Brock hat auch schon viel für uns geschrieben. Er hat mich stark beeinflusst und dazu gebracht, die Welt der Möglichkeiten zu sehen und das Besondere herauszuarbeiten. Die Welt der Möglichkeiten? Peters: Der Punkt ist: Es gibt immer unterschiedliche Wege und Techniken. Erst wenn ich das Repertoire, die verschiedenen Farben des Malkastens kenne, bin ich in der Lage, das zusammenzubringen und etwas eigenes Neues zu entwickeln. Durch das Studium habe ich gelernt, offen zu sein. Die Digitalisierung verändert weite Teile unseres Lebens. Ist das auch in ihrem Metier spürbar? Peters: Auch für uns hat die Digitalisierung tiefgreifende Folgen. Mittlerweile haben wir keramische Farben entwickelt, die gedruckt werden können. Wir haben für eine Kathedrale in Schanghai 120 Fenster im ganz traditionellen Stil im Keramikdruck erstellt. Das sind Möglichkeiten, die wir uns in den kühnsten Träumen nicht vorgestellt haben. Wie wichtig sind ausländische Auftraggeber für das Unternehmen? Peters: 55 bis 60 Prozent der Neuanfertigungen sind aus dem Ausland. Wir haben zuletzt eine ganze Reihe von Stationen der New Yorker Metro mit Glasfassaden gestaltet. Die Betreiber kämpfen dort mit Kunst gegen Vandalismus. Sie geben der U-Bahn eine neue Qualität geben, die ausstrahlt und Vandalismus offenbar abwehrt. Und wie ist es mit Paderborn? Peters: Wir haben für Paderborn einen Glasführer gemacht. An mehr als 40 Orten in der Stadt sind unsere Spuren ganz gut sichtbar und dafür will ich auch weiter etwas tun. Kunst gibt’s bei Ihnen auch auf dem Firmendach. Peters: Das ist die Fahne der Kunst (The Flag of Art) von Peter Freeman auf der Woge der Kreativität. Ist da ein Auftrag, an den Sie sich besonders erinnern? Peters: Wir machen ja nichts von der Stange, jeder Auftrag ist einmalig. Aber von der Größe und der Orte gibt es schon Herausragendes. Wie den Flughafen von Hong-Kong, da waren die Größe und die Technik eine Herausforderung. Außergewöhnlich sind aber sich auch immer wieder kirchliche Projekte. So haben wir etwa für den Leipziger Maler Michael Triegel (besonders bekannt durch sein umstrittenes Papstporträt) große Fenster in der klassizistischen Kirche St. Marien in Köthen gemacht. Da haben wir Gläser in der Größe von 3 mal 5 Meter in diesen Bau eingebracht, was wirklich in der Malerei und in der Art der Ausführung spektakulär war. Es gab aber mit Sicherheit noch mehr ungewöhnliche Aufträge. Peters: Ganz besonders war sicherlich auch der Auftrag, im Berliner Dom, die historischen Fenster zu rekonstruieren. Da haben wir ganz spezielle dreischichtige Techniken entwickelt, um die Fenster von dem kaiserlichen Hofmaler Anton von Werner in modernen Techniken zu rekonstruieren. Ein absolut außerordentliches Beispiel, wie moderne Techniken in Anwendung auf eine historische Situation genutzt werden können und gleichzeitig eine ganz besondere Qualität erzeugen. Spektakulär war auch eine Rekonstruktion einer großen Glaswand im Grassi-Museum in Leipzig mit Fenstern von Josef Albers. Diese Fenster waren mit Gravur und Schliff in der Ausführung außerordentlich anspruchsvoll und wir haben hier mit der Albers-Foundation aus Connecticut in den USA im Detail daran gearbeitet, diese riesige Fensterwand wieder neu entstehen zu lassen. Wie ich finde mit einem wunderbaren Ergebnis! Worauf sind Sie besonders stolz? Peters: Im französischen Chartres läuft eine Ausstellung von uns mit Arbeiten von fast 300 Künstlern. Sie vermitteln unser Credo und zeigen unser ganzes Können. Jede der 45 mal 45 Zentimeter großen Arbeiten vermittelt spezifisch die Sprache des Künstlers. In jeder kleinen Arbeit steckt das gesamte Werk.

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