Senkrechtstarter: Britische Militärflugzeuge wie dieses Exponat hat Volker Briese aus Elsen einige Male über dem Monte Scherbelino beim Abheben beobachtet. - © Svenja Ludwig
Senkrechtstarter: Britische Militärflugzeuge wie dieses Exponat hat Volker Briese aus Elsen einige Male über dem Monte Scherbelino beim Abheben beobachtet. | © Svenja Ludwig

Paderborn Lob und Kritik für die Ausstellung "Briten in Westfalen"

"Briten in Westfalen": Da werden Erinnerungen wach

Svenja Ludwig

Paderborn. "Ich kann mich noch erinnern, wie die Senkrechtstarter hinter dem Monte abgehoben sind", berichtet Volker Briese, während er das Militärflugzeug betrachtet. Beim Gang durch das Stadtmuseum stellt sich eines schnell heraus: Mit den "Briten in Westfalen" hat jeder ganz individuelle Erfahrungen gemacht. Und so wurden am Wochenende, als die Sonderausstellung erstmals für die Paderborner geöffnet wurde, viele weitere Erinnerungen aufgefrischt. "Wenn die Briten zu offiziellen Anlässen in der Stadt waren, das war immer spannend", entsinnt sich Martin Backer, "dann waren auch häufig Militärfahrzeuge dabei". Militaria bilden einen großen Teil der Ausstellungsstücke. Orden, Karten, Notizen - alles präsentiert in Holzkisten. Denn lange blieben die Soldaten nicht an einem Ort. "Das ist interessant gemacht und zeigt, dass für die Männer alles bloß temporär war", findet Backer. "Es ist liebevoll gemacht: Die Darstellung erinnert daran, dass die Familien aus Kartons lebten", meint Lotti Mersch, die mit ihren Kindern das Museum besucht. "Das macht man jetzt gerne in Museen", sagt Volker Briese, "in Koffern und Kisten kann man herumstöbern". Allerdings hätte er sich mehr interaktive Angebote gewünscht. Nick Cowley aus Sennelager hat einen besonderen Fund gemacht: "Das hier sind Notizen aus meinem Regiment, hier stehen Dinge über meinen Onkel und Freunde." So geht es nicht nur dem Briten, auch der eine oder andere Paderstädter entdeckt plötzlich ein bekanntes Gesicht auf einem Foto. "Ich musste dreimal hingucken, aber dann habe ich mich doch noch erkannt", berichten mehrere Besucher amüsiert. Es geht aber auch um das Leben der Briten in der Region. Für einige Besucher öffnen sich am Wochenende also bislang verschlossene Türen. "Die Siedlungen sah man, die Briten lebten aber eigentlich unter sich", sagt Besucher Martin Backer. Von einer "Parallelgesellschaft" spricht auch Lotti Mersch aus Bad Lippspringe. Umso spannender ist da der Blick ins typisch englische Wohnzimmer, in Fotoalben oder Briefe. Auch einen Blick auf die Schattenseiten des britischen Lebens in der Region greift die Ausstellung auf. Und dazu zählen nun einmal die "prügelnden Tommys" und "betrunkenen Engländer" in der Stadt. Auch daran erinnerten sich gestern einige Besucher. Andere - wie Barbara Fingerhut - haben wiederum "sehr eng" mit den Briten zusammengelebt oder gar gemeinsam gefeiert. Bernd von der Kall aus Bad Lippspringe freut sich besonders darüber, dass auch das Summer Show Festival berücksichtigt wurde. In den 1980er und 1990er Jahren war er regelmäßiger Gast. Genau wie "alle Engländer aus Nordrhein-Westfalen". "Sie haben die Stadtgeschichte geprägt und durch die Ausstellung bleibt dieser Teil der gemeinsamen Vergangenheit für die nachkommenden Generationen erhalten", sagt die Paderbornerin, "2020 wird im Stadtbild von ihnen nichts mehr sichtbar sein". An das Abrücken der Briten denkt auch Volker Briese schon: "Ich bin gespannt, wie es weitergeht, wenn sie nicht mehr da sind." Für ihn kommt die Ausstellung deshalb "zu spät". "Authentisch", lautet das Fazit vom Briten Nick Cowley. "Es werden viele Dinge gezeigt, die ich aus meiner Vergangenheit und meinem Leben heute kenne."

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