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Offen: Die Herz-Jesu-Kirche am Westerntor kann den ganzen Tag über besucht werden. - © Marc Köppelmann
Offen: Die Herz-Jesu-Kirche am Westerntor kann den ganzen Tag über besucht werden. | © Marc Köppelmann

Paderborn Viele Kirchen bleiben wegen Vandalismus und Diebstahl geschlossen

Vorfälle sind auch in Paderborn nicht selten. Weil Ehrenamtliche für die Aufsicht fehlen, bleiben die Kirchentüren außerhalb der Messen immer öfter zu

Birger Berbüsse
17.10.2017 | Stand 16.10.2017, 18:44 Uhr |

Paderborn. Kürzlich war es wieder so weit: In der Marienloher St.-Joseph-Kirche wurde der Opferstock gewaltsam von der Wand gerissen und mitgenommen. Kein Einzelfall: Kirchen leiden zunehmend unter Vandalismus und Diebstahl. Es werden Sakralgegenstände entwendet, Kerzen gestohlen, Schriftstücke zerstört und „Verunreinigungen" hinterlassen. Dazu kommt, dass in den meisten Orten Ehrenamtliche fehlen, die die Gotteshäuser beaufsichtigen können. Die Konsequenz daraus ist häufig, den Zugang außerhalb der Gottesdienste zu begrenzen. Auch im Raum Paderborn bleiben hauptsächlich nur die Kirchen offen, die ohnehin gut besucht sind. In der Gesamtpfarrei Hl. Martin Schloß Neuhaus sind alle vier Kirchen betroffen. Sowohl in der Hauptkirche St. Heinrich & Kunigunde als auch in den Kirchen in Sennelager und Sande ist tagsüber lediglich der Vorraum geöffnet. Dieser ermöglicht den Gläubigen einen Blick auf den Altar, außerdem können Kerzen angezündet werden. In Mastbruch ist die Kirche aus Sicherheitsgründen sogar komplett geschlossen, weil es in den vergangenen Jahren immer wieder Vandalismus-Schäden und Diebstähle gegeben habe. So sei sogar das Tabernakel aufgebrochen worden und es habe gewisse „Hinterlassenschaften" gegeben. Manche Kirchen bieten einen begrenzten Zugang Ausgeglichen ist die Lage in den Pastoralverbünden Egge und Eggevorland. In Buke und Schwaney gibt es einen begrenzten Zugang, in Altenbeken hingegen bleibt die Kirche zu, weil sie sehr abgelegen ist. In Neuenbeken wiederum ist sie ganztägig offen, weil der Küster viel vor Ort ist. Zwar seien Beschädigungen und Diebstähle etwa von Kunstgegenständen sehr ärgerlich, sagt Pfarrer Georg Kersting. „Aber verschlossene Kirchen sind auch ein Ärgernis." Der begrenzte Zugang sei deshalb eine gute Lösung. Kersting betont aber auch: „Betende sind die besten Wächter." So wurde in Marienloh trotz des Opferstock-Diebstahls entschieden, die Wallfahrtskirche weiterhin geöffnet zu halten. In Dahl, das zum Pastoralverbund Süd-Ost-Dahl gehört, ist lediglich der Turmbereich geöffnet. Die Gläubigen haben durch die Glastür aber Blick auf den Altar, für den es auch einen Lichtschalter gibt. Jakobspilger, die die Kirche besuchen, können sich trotzdem ihren Stempel abholen, sagt Pfarrer Benedikt Fischer. Er steht in Paderborn den beiden Pastoralverbünden Süd-Ost-Dahl und St. Liborius vor. Dort gelte bezüglich der Öffnungszeiten „keine einheitliche Regel". Weil die Marktkirche „mittendrin" in der City liege und deshalb viele Besucher anziehe, ist sie von der Frühmesse bis etwa 18 Uhr geöffnet. Gleiches soll auch für die Gaukirche gelten, wenn Ende des Jahres die Renovierungsarbeiten beendet sind. Aufgrund dieser Baustelle wurde die Ewige Anbetung in die Busdorfkirche verlegt. „Damit das Allerheiligste nicht gestohlen werden kann, müssen wir die Kirche hinten geschlossen halten", sagt Pfarrer Fischer. "Weniger Laufkundschaft" in der Südstadt In der Südstadt, wo es generell „weniger Laufkundschaft" gebe als in der Innenstadt, ist in der Meinolfkirche nur der Eingangsbereich zugänglich, während Elisabeth und Kilian komplett zu bleiben. Da es hier in letzter Zeit keine Baumaßnahmen gegeben habe, gibt es keinen abgetrennten Vorraum, so Fischer. Weil es „Verunreinigungen" gegeben habe, ist in der Hedwigskirche auf der Lieth nur noch der Seiteneingang zu betreten. Eine kleine Ausnahme bildet Maria zur Höhe. Die Kirche ist dank eines ehrenamtlichen Wächterdienstes zumindest zeitweilig geöffnet, berichtet Fischer. Es sei bedauerlich, wenn Kirchen geschlossen werden müssen. „Sie sind Orte im Stadtteil, die Identität, Heimatgefühl spenden und Stätten der Ruhe, Sammlung und des Gebetes." Bewacht werden nur der Dom und die Abdinghofkirche Nur im Pastoralverbund Nord-Ost-West mit seinen sechs Kirchen gilt eine einheitliche Marschroute. Pfarrer Thomas Stolz sagt deutlich: „Bei mir sind alle Kirchen an allen Tagen auf." Sogar die häufig unter Beschädigungen und „Unfug" leidende Bonifatiuskirche. Sie bleibt lediglich über die Mittagszeit zu. Stolz findet es notwendig, dass Menschen die Möglichkeit haben, zu beten und die Stille zu suchen. Natürlich habe er Verständnis, wenn Gemeinden sich zur Schließung entschieden. Für ihn steht aber auch fest: „Eine Kirche, die zu ist, braucht kein Mensch." Eine Ausnahme bilden die beiden großen Kirchen in der Paderborner Innenstadt: Sowohl der Dom als auch die evangelische Abdinghofkirche stehen den Besuchern an allen Tagen der Woche von morgens bis abends offen. Im Dom stehen ab der Frühmesse bis nach 18 Uhr die Mitglieder der ehrenamtlichen Domgilde allen Besuchern für Fragen zur Verfügung und haben gleichzeitig ein Auge auf mögliche Missetäter. In der Abdinghofkirche fungieren ebenfalls ehrenamtliche Kirchenwächter von 11 bis 18 Uhr als Ansprechpartner für die Gäste. Um Diebstählen vorzubeugen, sind seit einiger Zeit allerdings auch Kameras installiert.

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