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Perspektive: Schon jetzt weiß Annika Borgschulze (r.), dass sie nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin in der Praxis von Thomas Bandorski (l.) in Bad Wünnenberg arbeiten wird. Mit im Bild Arzt-Kollegin Brigitte Schäfer. - © Gerd Vieler
Perspektive: Schon jetzt weiß Annika Borgschulze (r.), dass sie nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Allgemeinmedizinerin in der Praxis von Thomas Bandorski (l.) in Bad Wünnenberg arbeiten wird. Mit im Bild Arzt-Kollegin Brigitte Schäfer. | © Gerd Vieler

Paderborn Hausärztemangel: Erste Erfolge in Paderborn

Erwartungen übertroffen: Schon jetzt drei neue Mediziner für Paderborn. Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Paderborn zieht positive Bilanz

19.09.2017 , 14:00 Uhr

Paderborn. Als der Weiterbildungsverbund Allgemeinmedizin Paderborn – kurz wbv – im vergangenen Sommer aus der Traufe gehoben wurde, hatte keiner der Beteiligten mit einer so hohen Resonanz gerechnet, wie sie das Programm in den vergangenen zwölf Monaten erfahren hat. Bis heute haben sich 19 angehende Ärzte um eine Stelle im wbv beworben.

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„Wir waren uns einig, dass es erfreulich wäre, wenn wir in jedem Jahr eine Assistenzarzt-Stelle im wbv besetzen könnten", blickt Ulli Polenz, zweiter Vorsitzender im Praxisnetz Paderborn und Initiator des Verbunds, zurück. „Umso größer war die Freude, als wir nach sieben Wochen bereits drei Weiterbildungsstellen – eine im St. Johannisstift, eine im St. Josefs-Krankenhaus Salzkotten und eine im Brüderkrankenhaus St. Josef – besetzen konnten." Vor einem Jahr, im September 2016, wurde der erste Vertrag unterschrieben.

Das Komplettangebot der Weiterbildung ist die Stärke des Paderborner Modells. Denn im Gegensatz zum üblichen Ablauf bewirbt sich der Kandidat nur einmal für alle Ausbildungsabschnitte und bekommt einen festen Vertrag für die gesamte Dauer der fünfjährigen Weiterbildung. Die Ausbildungsabschnitte kann er sich aus dem breiten Angebot aller teilnehmenden Kliniken flexibel zusammenstellen. Dafür hat jedes Krankenhaus eine zusätzliche abteilungsübergreifende Assistenzarztstelle eingerichtet.

Enge Anbindung an die Praxis in der Weiterbildung

Ein weiterer Pluspunkt ist die enge Anbindung an die Weiterbildungspraxis, in der man als Hausarzt nach Abschluss der Ausbildung dann dauerhaft arbeiten kann. Ein regelmäßiger Austausch der Assistenten untereinander rundet das Angebot ab. Zukünftig wird dies um gemeinsame Veranstaltungen mit interessierten Studenten erweitert, die in Paderborner Krankenhäusern den letzten Teil ihres Studiums absolvieren. Sie sollen auf diese Weise aus erster Hand erfahren, wie es auch heute auf attraktivem Weg möglich ist, Allgemeinarzt bzw. -ärztin zu werden.

Annika Borgschulze (32), eine der drei Weiterbildungsassistentinnen des ersten Jahres, bestätigt die Qualität des wbv-Angebots. Ihre Ausbildung als Medizinerin hatte die gebürtige Paderbornerin eigentlich in der Chirurgie begonnen, doch irgendetwas fehlte. „Mein Vorhaben war es schon immer, als niedergelassene Ärztin in Paderborn zu arbeiten. Ich möchte Menschen begleiten, eine langfristige Arzt-Patient-Beziehung aufbauen." Daher der Wechsel in die Allgemeinmedizin.

Ausbildung in der Allgemeinmedizin

Für Quereinsteiger wie sie, sei der wbv optimal. Denn die zwei Jahre ihrer chirurgischen Assistenzarzt-Zeit, werden ihr für die Ausbildung in der Allgemeinmedizin anerkannt. Mehr noch: „Als Hausarzt ist eine gewisse chirurgische Erfahrung ideal", ist sie überzeugt. „Hausärzte brauchen ein sehr breites, fundiertes Wissen." Neben einer bereits abgeschlossenen sportmedizinischen Fortbildung und einer Ausbildung in der Manuellen Therapie möchte sie sich daher noch in weiteren Fachgebieten fortbilden, z.B. in Kinderheilkunde, Augenheilkunde und Dermatologie – kein Problem im wbv-Programm.