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Göttlicher Beistand: Angela Merkel posiert beim Schlussapplaus mit den Schwestern (v. l.) Mechtildis, Arnoldis und Birgit von den Franziskanerinnen aus Salzkotten. - © Andreas Zobe
Göttlicher Beistand: Angela Merkel posiert beim Schlussapplaus mit den Schwestern (v. l.) Mechtildis, Arnoldis und Birgit von den Franziskanerinnen aus Salzkotten. | © Andreas Zobe

Kreis Paderborn Angela Merkel sorgt für Schützenfeststimmung in Delbrück

In dem Dorf herrscht für einen Tag Ausnahmezustand. Die Kanzlerin gibt sich volksnah und sorgt für ausgelassene Stimmung. Proteste gibt es nicht. Nach dem Auftritt wird weiter gefeiert

Birger Berbüsse
11.09.2017 | Stand 12.09.2017, 15:01 Uhr |

Kreis Paderborn. Die Schützenfestsaison ist eigentlich bereits vorbei. Im Delbrücker Stadtteil Steinhorst herrschte am Sonntag allerdings noch einmal so richtig Schützenfeststimmung. Anlass war der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die auf Einladung von Carsten Linnemann noch einmal im ländlichen Raum auf Stimmenfang ging. Schützen in Uniform, wohin man schaute, mehrere Blaskapellen, zwei Festzelte, Bierbuden und Wurst vom Grill – eigentlich fehlte bei Merkels Besuch nur noch ein Karussell. Die Stimmung war aber auch so mächtig ausgelassen. Proteste, wie die Kanzlerin sie zuletzt im Osten erleben musste, waren in der CDU-Hochburg nicht zu erwarten und blieben auch aus. Lediglich drei AfD-Anhänger mit dem T-Shirt-Aufdruck „Merkel muss weg" hatten sich zu einem unbemerkten Protest auf dem Gelände eingefunden. Ansonsten: Merkel-Sympathisanten, wohin man nur schaute. Bereits ab 11 Uhr füllte sich das für über 1.600 Menschen zugelassene große Festzelt in dem nur 800 Einwohner zählenden Dorf. Die Schlange für den Einlass zog sich mehrere hundert Meter lang bis zu den von örtlichen Landwirten als Parkplätze zur Verfügung gestellten Wiesen. Dort waren 25 Männer und Frauen des Löschzugs Lippling als Parkeinweiser im Einsatz. Die Ortsdurchfahrt war aus Sicherheitsgründen gesperrt, Zufahrtsstraßen zum Platz abgeriegelt. Zu Verkehrsstörungen kam es nicht. Zelt und Vorplatz füllten sich schnell, dann begann das Warten auf die Kanzlerin. Schon lange vor ihrer angekündigten Ankunft stellten sich die Schützen aller Delbrücker Ortschaften zum Spalier auf, neugierige Zuschauer säumten den Weg vom Platz bis zum Steinhorster Krug. Dort aßen Merkel und ihre Begleiter zu Mittag, nachdem sie zuvor mit dem Flugzeug auf dem Airport Paderborn-Lippstadt gelandet und mit dem Auto weitergereist waren. Um 13.12 Uhr ist es dann endlich so weit: Die Kanzlerin kommt. Und nimmt sich Zeit für ihre Anhänger. Merkel schüttelt Hände, spricht mit den Menschen, signiert Plakate und posiert für Fotos. Unter tosendem Applaus zieht sie in das Festzelt ein. Ein Heimspiel, das auch ihr kleiner Fauxpax – sie wähnt sich im Münsterland statt in OWL – nicht trüben kann. Merkels Punkte kommen an: keine Fahrverbote, keine Steuererhöhungen, mehr Geld für Bildung, mehr Plätze für das Bundesfreiwilligenjahr. Ihr Europa-Lob erhält besonders viel Applaus. Am Ende gibt es wenig überraschend minutenlange Standing Ovations. Händeschüttelnd verlässt Merkel samt Begleittross schließlich das Zelt, um kurz nach 15 Uhr entschwebt sie mit dem Hubschrauber nach Münster. Nächster Auftritt. In Steinhorst hat die Kanzlerin, die am Ende auch ihre berühmte Merkel-Raute zeigte, zufriedene Gesichter hinterlassen. Carsten Linnemann, der von Merkel als „starke Stimme des Mittelstandes" ein extra Lob erhielt, freute sich besonders, dass der ländliche Raum endlich den verdienten Stellenwert erhalten habe. Für den aus Steinhorst stammenden Landtagsabgeordneten Bernhard Hoppe-Biermeyer war das „Jahrtausendereignis" einfach nur „grandios" . Dass sein Heimatdorf nach Jürgen Rüttgers, Roland Koch und Edmund Stoiber nun auch die Kanzlerin zu Gast hatte, kommentierte er so: „Was Wacken für Heavy Metal ist, ist Steinhorst für die CDU." Nach dem Auftritt wurde auf der Festwiese noch zünftig weiter gefeiert. Wie bei einem Schützenfest eben. Testen Sie Ihr Merkel-Wissen in unserem Quiz:

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