Ab dem kommenden Schuljahr dürfen katholische und evangelische Schüler in NRW gemeinsamen im Religionsunterricht sitzen. - © picture alliance / Geisler-Fotopress
Ab dem kommenden Schuljahr dürfen katholische und evangelische Schüler in NRW gemeinsamen im Religionsunterricht sitzen. | © picture alliance / Geisler-Fotopress

Paderborn Zustimmung für gemeinsamen Religionsunterricht

Katholische und evangelische Schüler können ab 2018/19 zusammen im Glauben unterwiesen werden

Birger Berbüsse

Paderborn. Es hat durchaus etwas Revolutionäres an sich: Ab dem kommenden Schuljahr dürfen katholische und evangelische Schüler in Nordrhein-Westfalen gemeinsamen Religionsunterricht erhalten. Die von beiden Kirchen getroffene Vereinbarung, den "konfessionell-kooperativen" Unterricht zu ermöglichen, stößt auch in Paderborn auf Zustimmung. "Das ist eine große Sache", sagt Schulrat Roland Gottwald von der Schulabteilung des Erzbischöflichen Generalvikariats. Er hat das Erzbistum Paderborn in den vergangenen zwei Jahren bei den Verhandlungen vertreten. Motivation sei die Beobachtung einer "langjährigen Entwicklung" gewesen, so Gottwald. Sprich: Die sinkende Zahl konfessionsgebundener Schüler. Während die Zahl der Christen sinke, steige die Zahl von Nicht-Christen. "Diesen Veränderungen müssen wir Rechnung tragen", sagt Gottwald, der es auch begrüßt, wenn künftig muslimischer Unterricht angeboten wird. Wenn nun die christlichen Konfessionen stärker kooperierten, sei dies ein "Entwicklungsfortschritt" für den Religionsunterricht. Derzeit würden die Grundlagen dafür geschaffen, also Fortbildungen, Inhalte und Informationen für die Schulen konzipiert. Gottwald rechnet damit, dass die ersten Anträge von interessierten Schulen vermutlich gegen Ostern 2018 gestellt werden können. Bekenntnisschulen seien von der Neuregung "nicht grundsätzlich ausgeschlossen", bestätigt Gottwald auf Nachfrage. Gemeinsamer Unterricht ist also auch dort denkbar, wenn auch unwahrscheinlich. Zustimmung kommt auch vom Paderborner Dechant Benedikt Fischer. Er halte es für wichtig, dass möglichst viele Kinder Reli-Unterricht erhalten. Und es sei noch "wichtiger, dass überhaupt Reli-Unterricht erteilt wird". Die neue Regelung sei zwar aus der Not geboren. "Aber mit Blick auf die Ökumene ist sie zu begrüßen", sagt Fischer. Burkhard Nolte, Schulreferent im evangelischen Kirchenkreis Paderborn, nennt den Schritt, der in den meisten anderen Bundesländern bereits Realität sei, "längst überfällig". Für eine gute Gruppenstruktur in der Klasse sei es sehr wichtig, dass gerade dieses Fach im Klassenverband unterrichtet werden könne. Schließlich gehe es unter anderem um Fragen des Zusammenlebens. Als besonders positiv bewertet er auch den vorgeschriebenen Wechsel von katholischem und evangelischen Lehrer. Nolte ist sehr gespannt, wie viele Schulen schließlich mitmachen würden. Längst schon "gelebte Praxis" ist der konfessionell-kooperative Unterricht an der Gesamtschule Elsen. Sie hat ihn bereits vor einigen Jahren in einem Modellversuch eingeführt. Uli Graben, katholischer Religionslehrer, empfindet den Unterricht von katholischen und evangelischen, aber auch anders- oder nichtgläubigen Schülern als "sehr bereichernd". So könnten die Schüler von- und miteinander lernen. An der Gesamtschule hätten die Religionslehrer einen gemeinsamen Lehrplan geschrieben, in dem sie die bestehenden Pläne "übereinander gelegt" hätten. Der Wechsel zwischen katholischer und evangelischer Lehrkraft findet mindestens einmal, dann aber zwischen den Schuljahren statt. Die nun getroffene Vereinbarung der beiden Kirchen befürwortet Graben "voll und ganz". Nach 500 Jahren Reformation sei dieser Schritt "längst überfällig" gewesen. Er könne anderen Schulen nur empfehlen, den gemeinsamen Unterricht zu beantragen. In Elsen wolle man jedenfalls weitermachen.

realisiert durch evolver group