Schlichte Schönheit der Bartholomäuskapelle: Dompastor Nils Petrat ist selbst gespannt auf die Ergebnisse der Historikertagung zur Geschichte der Bartholomäuskapelle zum Ende des Reigens mit Jubiläumsveranstaltungen. - © Hans-Hermann Igges
Schlichte Schönheit der Bartholomäuskapelle: Dompastor Nils Petrat ist selbst gespannt auf die Ergebnisse der Historikertagung zur Geschichte der Bartholomäuskapelle zum Ende des Reigens mit Jubiläumsveranstaltungen. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Paderborner Bartholomäuskapelle besteht seit 1.000 Jahren

Die Botschaft aus dem Mittelalter

Paderborn. Es waren Mergelkalk von der Paderborner Hochfläche für die Mauern, Osning-Sandsteine aus dem Eggegebirge für Säulen und Kapitelle sowie wieder Mergel- und Sinterkalksteine für Bögen und Kuppeln, die herbeigebracht wurden. Baumaterialien aus der Gegend - nichts Besonderes also. Und dennoch: Was vermutlich aus Süditalien stammende und in den Quellen als "Griechen" bezeichnete Baufachleute vor tausend Jahren im Auftrag des Paderborner Bischofs Meinwerk da im Schatten des Doms schufen, sollte durchaus etwas Besonderes werden. Ein Sakralbau von geheimnisvoller Schlichtheit mit einzigartiger Akustik, der die Jahrhunderte fast unverändert überdauerte. Die älteste erhaltene Hallenkirche, also Kirche mit gleich hohen Gewölben, nördlich der Alpen. Das älteste Bauwerk in Paderborn überhaupt: die Bartholomäuskapelle. Zum vierstelligen Geburtstag haben Projektkoordinator Daniel Born vom Erzbischöflichen Generalvikariat und Dompastor Nils Petrat keine Mühen gescheut, das Paderborner Kleinod in ein neues Licht zu rücken. Dazu gehören eine Webseite mitsamt Video und etliche Veranstaltungen. Der Reigen begann gerade mit dem Patronatstag des Namensgebers, des Heiligen Bartholomäus, und wird am 15. September mit einem Vortrag über die Baugeschichte und am 22. September mit dem Konzert eines deutsch-türkischen Chores fortgesetzt. Vom 4. bis 6. Oktober tragen Historiker dann die neuesten Erkenntnisse zur Geschichte der Kapelle zusammen. Der Dompastor, der sich selbst eingehend mit der Geschichte des Bauwerks beschäftig hat, ist durchaus gespannt und meint: "Vielleicht müssen wir ja einige bisherigen Gewissheiten über Bord werfen." Tatsächlich liegt so einiges aus tausend Jahren noch im Dunkel, weil die Quellenlage dürftig ist. Gerade erst gab Norbert Börste, bis zu seiner Pensionierung 2012 Leiter des Historischen Museums im Marstall in Schloß Neuhaus, in der aktuellen Ausgabe der Heimatzeitschrift Die Warte zu, dass weder die Frage nach der genauen Herkunft der angeblich griechischen Handwerker, noch der genaue Zweck der Kapelle geklärt seien. Der Historiker: "Vielleicht diente die Kapelle als Ort der Festkrönung des Königs an hohen Feiertagen, so dass er gekrönt in den Dom einziehen konnte. Auch als Aufbewahrungsort für die Reichsinsignien Kreuz, Schwert und heilige Lanze, die der Hof auf Reisen mitführte, kommt sie in Frage." Kaiser und Könige sind durch die Bartholomäuskapelle gewandelt Immerhin 20 Mal seien Kaiser und Könige nach der Erbauung der Kapelle in Paderborn gewesen, weiß Nils Petrat - entsprechend oft dürften höchste Repräsentanten des Reiches durch die Bartholomäuskapelle gewandelt sein. Baulich stand sie offenbar im Übrigen im engen Zusammenhang mit der nahen Pfalz, wo Kaiser und Könige wohnten, wenn sie in Paderborn Hof hielten. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Kapelle genutzt, dann verfiel sie zusehends. Von 1824 bis 1828 wurde sie saniert. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts diente sie der bündischen Jugend für liturgische Feiern. Diese Treffen sollen sich im Geheimen auch noch während der NS-Zeit dort abgespielt haben, wie Nils Petrat berichtet wurde. Der Dompastor: "Allerdings hat sich bisher noch niemand gefunden, der selbst daran teilgenommen hat. Es wäre interessant, noch mit Zeitzeugen zu sprechen." Im nächsten Jahr soll das Gebäude wieder ein eigenes Glöcklein bekommen Zum Jubiläum ist in der Kapelle die Installation der Kölner Künstlerin Christa Henn "Fest-Klang-Krone" zu sehen. Von manchen als etwas zu groß für den Raum empfunden hängen Hunderte Röntgenbilder zu Röhren geformt in Form einer riesigen Krone zwischen den für diesen Zweck um so schlanker wirkenden Säulen. Und im nächsten Jahr soll die Kapelle auch wieder ein eigenes Glöcklein bekommen. Doch eigentlich ist es gerade die Schlichtheit, die auch Dompastor Nils Petrat an der Bartholomäuskapelle so begeistert: "Hier reduziert sich alles aufs Wesentliche", sagt er. "Und vielleicht ist das die Botschaft der Menschen aus dem Mittelalter für die Heutigen."

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