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In der Gaukirche: Zwei Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel aus Mosambik begleiteten die Podiumsdiskussion mit Monsignore Georg Austen (v. l.), Claudia Auffenberg, Elisabeth Jünemann und Elmar Brok musikalisch. - © Patrick Kleibold
In der Gaukirche: Zwei Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel aus Mosambik begleiteten die Podiumsdiskussion mit Monsignore Georg Austen (v. l.), Claudia Auffenberg, Elisabeth Jünemann und Elmar Brok musikalisch. | © Patrick Kleibold

Paderborn Diskussion in Paderborn: Was die Zehn Gebote für Europa bedeuten

Podiumsdiskussion: Über die Zehn Gebote als Marker für die Identität des Kontinents unterhielten sich ein Parlamentarier und eine Professorin

30.07.2017 , 12:00 Uhr

Paderborn. Zur Podiumsdiskussion des Bonifatiuswerkes zum Thema „Die Zehn Gebote auf Europäisch: Basis für Europäische Identität?" kamen am Donnerstagabend viele Interessierte in die Gaukirche. Der Europaabgeordnete Elmar Brok und Elisabeth Jünemann, Professorin Professorin für Theologische Anthropologie und Theologische Ethik im Fachbereich Sozialwesen an der Katholischen Fachhochschule Paderborn, diskutierten darüber, ob die Zehn Gebote ein Identitätsmarker für Europa sein können.

Die Podiumsteilnehmer vertraten die Überzeugung, dass die Gebote Gottes als eine Art europäische Grundsatzregel anzusehen seien, die das menschliche Zusammenleben ermöglichen. „Alle Länder Europas haben christliche Wurzeln", sagte Jünemann in ihrem Eingangsstatement. Daraus resultiere, dass auch Europa eine klare christliche Identität besäße. Für Jünemann spielen der Begriff und der Wert der Freiheit, die wir bereits in den frühchristlichen Geboten finden, eine wichtige Rolle.

Auf die Freiheit Europas bezog sich auch Brok. „Ein wesentliches Merkmal von Europa ist die Möglichkeit, in einem Gemeinwesen zu leben, das mir nicht verbietet, meinen Glauben zu leben." Für ihn seien die Gebote Gottes Grundsatzaussagen, die auch politisches Handeln beeinflussen. In den Mittelpunkt rückte er das Prinzip des Gemeinwohls. „Das, was allen gut tut", dieser Handlungsdivise müsse sich europäische Politik unterwerfen.

Auf die Frage „Ist Religion hilfreich in der Politik?" der Moderatorin Claudia Auffenberg antworte Brok, dass er es manchmal bedauerlich fände, „dass die Religion, wenn es richtig zu Sache geht, oftmals schweigt". Kirche solle sich zwar nicht aktiv in die Tagespolitik einmischen, er erwarte aber, dass die Kirche gerade in der Wertediskussion stärker in Erscheinung trete. Jünemann argumentierte, dass sie nicht nur die Amtskirche in der Pflicht sieht: „Ich bin auch Kirche, wir alle sind Kirche, nicht nur die Amtskirche. Wir alle stehen für ein christliches Europa und müssen uns für die europäischen Werte einsetzen."

Der Generalsekretär des Bonifatiuswerkes, Monsignore Georg Austen, sagte, dass die Zehn Gebote auch eine klare politische Bedeutung hätten. Er verwies auf das Bild „Menschenfamilie" von Udo Lindenberg, dass in der Kunstausstellung „Udos 10 Gebote" derzeit in der Paderborner Gaukirche zu Libori zu sehen ist. „Die Angebote Gottes, die sich in den Zehn Geboten ausdrücken, haben eine kirchliche, gesellschaftliche, historische und auch aktuelle Bedeutung. Gerade das Bild Menschenfamilie drückt die Beziehung von Gott und Mensch und die Beziehung der Menschen untereinander aus. Jeder ist gefordert, die verantwortete Freiheit für die Welt anzunehmen und in seinem Handeln umzusetzen. Dabei sind wir natürlich auch gefordert, über die Inhalte unseres Glaubens auskunftsfähig zu sein", sagte Austen.

Claudia Auffenberg schloss den Kreis zur Ausstellung von Udo Lindenberg. „In seinen Liedern wie in seinem Handeln stellt er immer wieder den Gedanken in den Mittelpunkt, dass jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, seiner Hautfarbe oder Religion, die gleichen Rechte hat und genauso wertvoll ist", sagte Auffenberg.