Fastfood vor historischer Kulisse: Fans von Broer’s Currywurst können ihren Imbiss in den nächsten Wochen im Herzen der Stadt auf dem Rathausplatz einnehmen. Die einen finden das vermutlich gut, die anderen unpassend. - © Marc Köppelmann
Fastfood vor historischer Kulisse: Fans von Broer’s Currywurst können ihren Imbiss in den nächsten Wochen im Herzen der Stadt auf dem Rathausplatz einnehmen. Die einen finden das vermutlich gut, die anderen unpassend. | © Marc Köppelmann

Paderborn Bratwurst vor dem Paderborner Rathaus

Broer’s Imbiss: Wegen der Bauarbeiten am Königsplatz tingelt der Currywurst-Stand mit Kultstatus durch die Stadt. Inzwischen hat er schon die fünfte Station erreicht. Ob er je zum Ursprungsort zurückkehrt, ist fraglich

Paderborn. Jahrzehntelang gab’s Broer’s Currywurst an der Zentralstation. Das war so sicher wie das Amen in der Kirche. Doch seit im Februar letzten Jahres der Umbau der Königsplätze startete, scheint der Imbissstand mit Kultstatus – im Paderborner Volksmund Broas – auf der Flucht: Westernstraße H&M/Linnemann, Franziskanerkloster, Herz-Jesu-Kirche, Franziskanerkloster. Vorläufiger Höhepunkt dieser Odyssee: Seit Freitag gibt’s Currywurst vor historischer Kulisse – direkt am Rathaus. Und ob der Imbiss überhaupt wieder an die Königsstraße zurückkehrt, ist noch gar nicht klar. „Wie lange wird der Stand vor dem Rathaus bleiben?" fragt eine junge Frau per E-Mail an Lea Giesen, die in der Stadt für die Kommunikation in Sachen Baustellen zuständig ist. Es ist nicht so, dass die Mail-Schreiberin etwas gegen Currywurst mit Pommes hätte. Aber sie ist besorgt. Weil sie schon in Kürze auf dem Standesamt im Rathaus heiraten will und gern Hochzeitsfotos ohne Imbissstand hätte. Das kann Lea Giesen durchaus verstehen, wirbt aber gleichzeitig auch um Verständnis für die Entscheidung der Stadt, die offenbar auch innerhalb der Verwaltung umstritten ist. „Der mobile Verkaufsstand wird längstens bis Libori am Rathausplatz stehen", erläutert sie auf Nachfrage der NW. Die Firma Broer könne schließlich ihr Geschäft nicht für die Zeit der Bauarbeiten schließen, sondern habe währenddessen Anspruch auf einen adäquaten Standort in der City. Aber warum ändert der sich ständig? „Wir müssen die Belange aller Gewerbetreibenden in der Stadt berücksichtigen", sagt Lea Giesen und weist auf den Geruch von frittierten Pommes und Co hin, der durch offene Türen in umliegende Geschäfte ströme. Um diese Last, die natürlich keine Last im herkömmlichen Sinne sei, auf alle Schultern zu verteilen, sei man bemüht, verschiedene Lösungen zu finden und habe dafür die Innenstadt „rauf und runter" geprüft. So sei auch der Standort am Rathaus ein Kompromiss. Mit anderen Worten: viele lieben Broer’s Currywurst, aber niemand will sie vor der eigenen (Geschäfts-)Tür haben. Weil die Arbeiten gut laufen, geht Lea Giesen davon aus, dass der Umbau an der Königsstraße Ende dieses Jahres abgeschlossen sein wird. Kann der Imbiss dann, noch im 59. Jahr seines Bestehens, den alten Standort beziehen? Dort plant Ulrich Broer auf seinem eigenen Grundstück nahe des neu entstehenden, zentralen Aufgangs zum Königsplatz den Neubau seiner Imbissstube. „Der Standort steht noch nicht fest", erklärt Ulrich Broer gegenüber der NW und verweist auf ein „schwebendes Verfahren". Bau- und Planungsamtsleiter Volker Schultze bestätigt „intensive Gespräche", in die sich inzwischen sogar Bürgermeister Michael Dreier eingeschaltet hat. Offenbar gestaltet sich die Standortfrage schwierig – vor allem für den Fall, dass die Buszentralstation an die Friedrichstraße verlagert wird und sich Einzelhandel an der Königsstraße ansiedelt. Ist der jahrzehntelang gute Standort für Broer’s Imbiss dann noch der passende? Würden sich dann dort Geschäftsleute über Currywurst-Düfte beschweren? Die politische Entscheidung über die Zukunft der Zentralstation fällt laut Volker Schultze erst nach der Sommerpause. Derweil arbeite man „mit Hochdruck" an einer „tragbaren Lösung" für den Traditionsbetrieb Broer.

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