Priesterweihe: "Wir sind Kirche" gratulierte am Samstag, 14.05.2016 vor dem Domplatz (Domplatz 1, 33098 Paderborn) den zwei neu geweihten Priestern. Die Bewegung kritisierte aber auch die Strukturen der katholischen Kirche und forderte eine Kirchenreform, nach der auch Frauen und Verheiratete Priester werden könnten. Dieser Weg sei erforderlich, da insbesondere jetzt immer weniger Priester gibt. Auf dem Foto (v. l.): Hildegard Beusker, Ursula Dümmer, Inge Eggert und Manfred Dümmer vom Verein wir sind Kirche. - © Björn Leisten
Priesterweihe: "Wir sind Kirche" gratulierte am Samstag, 14.05.2016 vor dem Domplatz (Domplatz 1, 33098 Paderborn) den zwei neu geweihten Priestern. Die Bewegung kritisierte aber auch die Strukturen der katholischen Kirche und forderte eine Kirchenreform, nach der auch Frauen und Verheiratete Priester werden könnten. Dieser Weg sei erforderlich, da insbesondere jetzt immer weniger Priester gibt. Auf dem Foto (v. l.): Hildegard Beusker, Ursula Dümmer, Inge Eggert und Manfred Dümmer vom Verein wir sind Kirche. | © Björn Leisten

Paderborn Vier Demonstranten für fünf neue Paderborner Priester

Weihe und Protest: Fünf Diakone werden am Samstag zu Priestern geweiht. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ plant vor dem Dom erneut eine Kundgebung, kann ihre Mitglieder aber nicht mehr mobilisieren

Birger Berbüsse

Paderborn. Es ist gewissermaßen eine doppelte Tradition in der Domstadt: Durch Handauflegung und Gebet wird Erzbischof Hans-Josef Becker fünf Diakonen am Samstag, 3. Juni, im Hohen Dom zu Paderborn das Sakrament der Priesterweihe spenden. Gleichzeitig will die innerkirchliche Reformbewegung „Wir sind Kirche" zum 22. Mal vor dem Haupteingang des Doms demonstrieren, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Organisator Manfred Dümmer rechnet allerdings wie in den Vorjahren nur noch mit spärlicher Beteiligung an der Aktion. Mehr als vier Demonstranten werden es seiner Schätzung nach wohl nicht sein, die vor der Domtreppe Plakate hochhalten und Flyer verteilen. „Wir sind Kirche" fordert seit 1995 die Öffnung zum Priesteramt für Frauen und Verheiratete sowie weitere innerkirchliche Reformen. „Aber es hat sich seitdem nichts bewegt", sagt Dümmer. Das frustriere die Mitglieder der Bewegung, die zu Pfingsten außerdem häufig familiäre Verpflichtungen hätten. „Was bringt es, wenn wir hier stehen?" würden viele von ihnen fragen. Jugendliche interessierten die Themen gar nicht mehr. Dümmer macht trotzdem weiter und setzt Hoffnung in Papst Franziskus, der in seinem Apostolischen Schreiben ein Programm der Erneuerung der Kirche entworfen habe und dafür gesorgt habe, dass es Bewegung bei der Rolle wiederverheirateter Geschiedener gegeben habe. Vielleicht, so mutmaßt Dümmer, werde zumindest ein Frauendiakonat möglich. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums will die Bewegung am Samstag auch auf den „Skandal der Trennung der christlichen Kirchen" hinweisen, so Dümmer. Die Aktion, bei der den Neupriestern ausdrücklich auch gratuliert wird, findet ab 10.30 Uhr vor dem Haupteingang des Doms statt. Im Dom beginnt um 9 Uhr der Gottesdienst mit der Weiheliturgie im Beisein von Familienmitgliedern sowie stets zahlreicher Gläubige aus den Heimat- und Diakonatsgemeinden. Zu Priestern werden in diesem Jahr geweiht: Diakon Lukas Hellekes aus der Pfarrei St. Agatha in Altenhundem (geb. 1988), Diakon Jakob Jan Küchler aus der Pfarrei Allerheiligste Dreifaltigkeit in Wanne-Eickel (geb. 1990), Diakon Dominic Molitor aus der Pfarrei St. Johannes Baptist in Neheim und Voßwinkel (geb. 1988), Diakon Duc Thien Nguyen aus der Kirchengemeinde St. Elisabeth in Bergkamen (geb. 1989) und Diakon Oliver Schütte aus der Kirchengemeinde St. Laurentius in Erwitte (geb. 1977). Die neu geweihten Priester werden im Anschluss an die Weiheliturgie erfahren, wo ihre erste Dienststelle als Vikar sein wird. Zum jährlichen Protest vor dem Dom sagte der Pressesprecher des Erzbischöflichen Generalvikariats, Ägidius Engel, auf NW-Anfrage: „Wie generell in unserer Gesellschaft gilt auch in der Kirche das Recht auf freie Meinungsäußerung, wozu auch Protest und Widerspruch einer Reformbewegung zählen. Das Erzbistum Paderborn freut sich jedoch zunächst über fünf Männer, die ihre bewusste Berufungsentscheidung für den priesterlichen Dienst getroffen haben." Im vergangenen Jahr waren im Erzbistum Paderborn lediglich zwei neue Priester geweiht worden.

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