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Erstligareif: Das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum am Ahorn Sportpark. Hinter dem Funktionsgebäude ist links der Trainingsbereich für die Profis zu sehen, für den der SCP Pacht zahlt. Für die Pflege der beiden Jugendplätze wiederum erhält der Verein einen Zuschuss von der Stadt. - © Marc Köppelmann
Erstligareif: Das Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum am Ahorn Sportpark. Hinter dem Funktionsgebäude ist links der Trainingsbereich für die Profis zu sehen, für den der SCP Pacht zahlt. Für die Pflege der beiden Jugendplätze wiederum erhält der Verein einen Zuschuss von der Stadt. | © Marc Köppelmann

Paderborn SCP Abstieg: Reichlich Gesprächsstoff zwischen Stadt Paderborn und Verein

SC Paderborn: Nach dem Abstieg in die Regionalliga soll es demnächst ein Treffen zwischen Bürgermeister und Verein geben. Die Verträge bezüglich des Trainingszentrums sind auch weiterhin gültig

Birger Berbüsse
23.05.2017 | Stand 22.05.2017, 19:30 Uhr

Paderborn. Als SCP-Präsident Wilfried Finke im März seinen Brief mit "Lösungsansätzen" an Paderborner Politiker verfasste, ging er darin ausführlich auf die Folgen eines Abstiegs aus der 3. Liga ein. Was damals noch eher als Bedrohungsszenario oder "Worst Case" gedacht war, ist zwei Monate später von der bitteren Realität eingeholt worden. Der SC Paderborn ist tatsächlich in die Regionalliga abgestiegen und damit im Amateurfußball angekommen. Somit kommt auch den damals genannten Zahlen und weiteren Fragen wieder ein besonderes Augenmerk zu. Eines der wichtigsten Themen dürfte sein, ob der "Rekordabsteiger" mit seinen Strukturen nun wirklich als Amateurverein gewertet wird und den anderen 137 Vereinen der Stadt gleichgestellt würde. Dabei geht es unter anderem um den Anspruch auf eine Spielstätte und die dafür fälligen Gebühren. In Paderborn zahlen die Sportvereine pro Platz und pro Stunde 1,30 Euro für die Nutzung. Der SCP trainiert hingegen seit zwei Jahren auf den beiden Profi-Plätzen des Trainings- und Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), wofür 116.000 Euro jährlich an die Stadt fließen. Wilfried Finke hat erst vor wenigen Tagen noch einmal betont, dass sich der Verein bei einem Abstieg das NLZ sowie die Benteler Arena "auf keinen Fall" mehr leisten könne. Hierzu stellt Paderborns Sportdezernent Wolfgang Walter auf NW-Anfrage klar: "Die Verträge sind ligaunabhängig." Heißt: Die auf 20 Jahre angesetzte Verpachtung endet nicht automatisch mit dem jetzt erfolgten Abstieg aus der 3. Liga. Aber natürlich werde man nun neu miteinander sprechen müssen - unabhängig von allem, was zuvor gesagt wurde. Dazu soll es "in absehbarer Zeit" ein Gespräch zwischen Bürgermeister Michael Dreier mit Verantwortlichen des SCP im Rathaus geben. Dabei wird es sicher auch um die Jugendplätze des NLZ gehen, für deren Pflege der Verein einen Zuschuss von 50.000 Euro von der Stadt erhält. Fast die Hälfte aller Anteile der PSG trägt Wilfried Finke selber Die gleiche Summe steckt der SCP in die Pflege der Profi-Plätze, außerdem fallen Kosten für die Rasenheizung an. Ebenso verhandelt werden müssten dann wohl auch die Anmietung und Nutzung der Räumlichkeiten des Funktionsgebäudes. Was den von Finke erwähnten Anspruch auf eine Spielstätte angeht, der sicher auch auf dem Tisch landet, so besteht dieser offenbar gar nicht. Bei der Bereitstellung von Sportstätten handelt es sich vielmehr um eine freiwillige Leistung der Stadt. Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht. Außerdem zahlt der tief gefallene Fußballclub 50.000 Euro Pachtzinsen für das Stadiongrundstück und 40.000 Euro für den Stadionparkplatz - allerdings an die Paderborner Stadiongesellschaft (PSG), der das Grundstück per Erbbaurecht von der Stadt überlassen wurde. Auch hier wird es also aller Wahrscheinlichkeit nach Nachverhandlungen geben müssen. Immerhin: Fast die Hälfte aller Anteile der PSG trägt Wilfried Finke selber, sodass zumindest die handelnden Personen größtenteils identisch bleiben dürften. Dass die Stadt jedoch längst nicht mehr zu allem bereit ist, zeigte bekanntlich der Ratsentscheid in der vergangenen Woche, als eine gewünschte Stundung in Höhe von 188.000 Euro deutlich abgelehnt wurde. "Noch vor drei Jahren hätte dies vermutlich keine Probleme gemacht", vermutet der Vorsitzende des Stadtsportverbandes, Mathias Hornberger, im Gespräch mit der NW. Er befürchtet, dass die Stimmung gegenüber dem Sport in Paderborn nach den Misserfolgen des SCP derzeit "nicht so rosig" sei. Deshalb hatte er gestern an Politik, Unternehmen und die Stadt appelliert, "den Sport in allen Bereichen jetzt erst recht ideell und finanziell zu unterstützen". In die Verhandlungen zwischen Stadt und SCP will sich der Verband nicht einmischen. Allerdings dürfe es auch keine "Lex SCP" geben, sagte Hornberg: "Alle Vereine müssen gleich behandelt werden."

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