0
Einmarsch des Triumphators: Vor dem Deutschen Haus stehen die Paderborner CDU-Mitglieder applaudierend Spalier für Daniel Sieveke, der sein Ergebnis von 2012 um 3,4 Punkte auf 44 Prozent verbesserte. Am Montag feierte er den 80. Geburtstag seiner Mutter, heute geht es für Sieveke wieder nach Düsseldorf. - © Marc Köppelmann
Einmarsch des Triumphators: Vor dem Deutschen Haus stehen die Paderborner CDU-Mitglieder applaudierend Spalier für Daniel Sieveke, der sein Ergebnis von 2012 um 3,4 Punkte auf 44 Prozent verbesserte. Am Montag feierte er den 80. Geburtstag seiner Mutter, heute geht es für Sieveke wieder nach Düsseldorf. | © Marc Köppelmann

Kreis Paderborn Wie Paderborner Parteien den Ausgang der Landtagswahl bewerten

Strahlende Sieger, motivierte Verlierer

Birger Berbüsse
16.05.2017 | Stand 15.05.2017, 20:50 Uhr

Kreis Paderborn. Wir befinden uns im Jahr 2017 nach Christus. Ganz Paderborn ist von der CDU besetzt. Ganz Paderborn? Nein! Einige von unbeugsamen Genossen bevölkerte Stimmbezirke hören nicht auf, dem schwarzen Platzhirsch Widerstand zu leisten: Gleich in fünf von 68 Paderborner Stimmbezirken behielt die SPD trotz ihrer großen Verluste die Oberhand vor der CDU. Direktkandidatin Claudia Steenkolk gelang es obendrein, Daniel Sieveke einen abzunehmen. Mit 33,2 zu 31 Prozent lag sie im Bezirk 93 (alte Südstadt) vor dem CDU-Abgeordneten. "Das ist ein gutes Zeichen und zeigt: Wahlkampf lohnt sich", sagt SPD-Kreisvorsitzender Burkhard Blienert dazu. Über das ansonsten "dramatische Ergebnis" seien natürlich alle schockiert. Der Bundestagswahlkampf werde jedoch einen anderen Charakter haben, zeigt sich Blienert motiviert. Daniel Sieveke dürfte sich angesichts seines starken Gesamtergebnisses von 44,5 Prozent nicht wirklich über die fünf verlorenen Stimmbezirke ärgern. Immerhin sitzt er für die künftige Regierungspartei im Landtag. Ob für ihn persönlich vielleicht sogar ein Amt dabei herauskommen könnte, dazu wollte sich Sieveke auch am Montag noch nicht äußern. "Dafür ist es noch zu früh", so Sieveke. In Düsseldorf trifft er heute auch auf seinen neuen Kollegen Bernhard Hoppe-Biermeyer, der mit starkem Rückenwind in seine erste Legislaturperiode geht: Mit 56,3 Prozent sahnte er das landesweit beste Erststimmen-Ergebnis ab. Den Titel muss er sich allerdings teilen. Die 29-jährige Heike Wermer holte in Borken ebenfalls 56,3 Prozent für die CDU. Gute Aussichten darauf, die Politik in NRW mitgestalten zu können, hat auch Marc Lürbke. "Den Montag nach der Wahl hatte ich mir natürlich anders vorgestellt" Er war bereits am Montag für die konstituierende FDP-Fraktionssitzung in Düsseldorf. "Wir reden nicht über Personen, sondern Inhalte", weist Lürbke Fragen nach möglichen Ämtern zurück. In ihre vierte Abgeordneten-Amtszeit geht Sigrid Beer. Ihr Amt als parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen wird sie allerdings abgeben. "Das habe ich bereits bei der letzten Wahl zum Fraktionsvorstand angekündigt", so Beer. Bis dahin hat sie noch gut zu tun: Beer ist nun unter anderem dafür verantwortlich, ein neues Raumkonzept für die deutlich verkleinerte Grünen-Fraktion zu erstellen. "Den Montag nach der Wahl hatte ich mir natürlich anders vorgestellt", sagt sie. Außerdem will Beer versuchen, Lösungen für die Mitarbeiter der ausscheidenden Abgeordneten zu finden. Darüber steht für Beer eine "gründliche Analyse" der grünen Wahlschlappe im Vordergrund. In ihrer Heimat Paderborn rutschten die Grünen von 12,9 auf 7,7 Prozent ab. In Dahl, Neuenbeken und Benhausen halbierte sich das Ergebnis sogar - also dort, wo es teils hitzige Debatten um die Windenergieanlagen gegeben hatte. Gleiches gilt für Elsen und Sande, wo die Grünen ebenfalls 50 Prozent ihres letzten Ergebnisses verloren. Im Kreis, wo die Grünen ohnehin schwach sind, blieben die Verluste moderat. Gemischte Gefühle kommen bei der Linken angesichts des unterschiedlichen Abschneidens von Partei und Direktkandidaten auf. "Leider haben wir unser Wahlziel nicht erreicht und den Einzug in den Landtag knapp verpasst", sagt Wahlkampfleiter Jörg Schroeder. Er betont jedoch, dass die Linke in der Stadt Paderborn mit 6 Prozent "so stark wie nie" war. Kandidatin Alina Wolf fuhr mit 6,1 Prozent der Erststimmen sogar mehr als das Doppelte von 2012 ein. Piraten sind nach einer Lergislaturperiode nicht mehr im Landtag vertreten Weil auch Holger Drewer im Kreis zumindest für einen kleinen Stimmenzuwachs sorgen konnte, geht die Linke "motiviert in den Bundestagswahlkampf". Die AfD (siehe Kasten) blieb im Kreis Paderborn zwar unterm Landesschnitt, hat in Schloß Neuhaus/Sennelager (9,2) und Sande (8,5 Prozent) aber zwei kleine Hochburgen. In Elsen, Benhausen, Altenbeken und Büren kam sie wie im Land auf über 7 Prozent. Dass die Piraten nach nur einer Legislaturperiode wieder aus dem Landtag fliegen, damit hatte Sabine Martiny gerechnet. Geradezu "schockiert" zeigt sich die Direktkandidatin aber über ihr persönliches Abschneiden. Von stolzen 7,7 Prozent vor fünf Jahren blieben nur 1,8 Prozent übrig. Dass Martiny, die auch im Kreistag sitzt, damit immerhin 0,6 Prozentpunkte über den Zweitstimmen lag, war ihr auch kein Trost. Das schlechteste Ergebnis aller 31 angetreten Parteien musste die in Paderborn beheimatete PAN-Partei verzeichnen. 1.347 Stimmen sind gleichbedeutend mit 0 Prozent. Die 2. Vorsitzende Julia Erfling nimmt es jedoch gelassen. "Ich bin überhaupt nicht niedergeschlagen", sagt sie. Es sei schon ein großer Erfolg gewesen, dass es die erst im Oktober gegründete Plattform für parteilose Experten überhaupt auf den Stimmzettel geschafft habe. "Dafür haben wir gut abgeschnitten", urteilt Erfling. Von der PAN-Idee sei sie weiter überzeugt, nun müsse die Zukunft zeigen, "wie sich das weiter entwickelt". In Paderborn holte die Partei 123 Stimmen und somit 0,18 Prozent. Ebenfalls 0 Prozent hieß es nach der Endabrechnung für die "Freie Bürger-Initiative/Freie Wähler" um den Paderborner Hartmut Hüttemann. Mit 2.891 Stimmen lagen sie deutlich unter dem letzten Ergebnis von 9.496 (0,1 Prozent). Immerhin: In Paderborn bedeuten die 157 gemachten Kreuze 0,23 Prozent. Die Auszählung der Stimmen verlief laut Wahlamtsleiter Heribert Zelder "reibungslos". Bis auf eine Ausnahme. Ein Stimmbezirk in Schloß Neuhaus benötigte gut anderthalb Stunden länger, weil es Unstimmigkeiten bei der Ermittlung des Ergebnisses gab. "Dort musste leider mehrfach nachgezählt werden", so Zelder. Verzögerungen gebe es zwar immer mal, "aber das war etwas extrem".

realisiert durch evolver group