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Da geht ihr ein Licht auf: Statt Kugeln zu verschieben, rechnet HNF-Volontärin Judith Spickermann am leuchtenden Abakus mit verschiedenfarbigen Lampen. - © Marc Köppelmann
Da geht ihr ein Licht auf: Statt Kugeln zu verschieben, rechnet HNF-Volontärin Judith Spickermann am leuchtenden Abakus mit verschiedenfarbigen Lampen. | © Marc Köppelmann

Paderborn Rechnen wie früher: Neue Ausstellung im HNF

Im Heinz-Nixdorf-Museumsforum lädt die interaktive Ausstellung „Damit kannst du rechnen“ zum Mitmachen und Ausprobieren ein

Birger Berbüsse
13.05.2017 | Stand 12.05.2017, 20:10 Uhr |

Paderborn. Wer heute etwas ausrechnen muss, der greift häufig zum Taschenrechner oder Smartphone. Bis in die Siebziger Jahre hinein war dies noch ganz anders: Es wurde im Kopf und mit Hilfsmitteln gerechnet. Bereits die alten Römer und die Menschen im Mittelalter nutzten solche Rechenhilfsmittel. Daran erinnert die neue Ausstellung im Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF), die bis zum 30. Juli zu sehen und zu erleben ist. Unter dem Motto „Damit kannst du rechnen" zeigt die vom Mathematikum Gießen konzipierte und im HNF um einige eigene Objekte ergänzte Ausstellung alte Rechenhilfsmittel, um die Geschichte des Rechnens zu illustrieren. Anfassen ist bei dieser Schau ausdrücklich erwünscht. HNF-Geschäftsführer Kurt Beiersdörfer beschreibt sie deshalb auch als „interaktive Familienausstellung" und betont die „wichtige pädagogische Komponente": Die jungen und älteren Besucher sind ausdrücklich eingeladen, sich an der Arbeit mit den alten Rechenhilfsmitteln zu versuchen, selber zu entdecken und Lösungen für Probleme zu erschließen. 60 Rechenhilfsmittel Auf 350 Quadratmetern im dritten Obergeschoss sind laut Kurator Stefan Stein etwa 60 Objekte und Stationen aufgebaut. Sie zeigen die historische Vorgeschichte zu dem, was heute Computer leisten. Zu sehen sind etwa verschiedene Versionen des Abakus, der als eines der ersten mechanischen Rechenhilfsmittel gilt. So gibt es einen römischen Handabakus, aber auch chinesische Versionen dieses Rechenschiebers. Ebenfalls gezeigt wird ein Nachbau der ersten Rechenmaschine der Welt, mit der man alle vier Grundrechenarten berechnen konnte. Sie wurde 1623 vom Mathematiker Wilhelm Schickard erfunden. Kleine Schautafeln erläutern die Objekte und leiten die Besucher zur Nutzung der Geräte an. Beim „leuchtenden Abakus" werden keine Kugeln über eine Stange geschoben, sondern Lichter an- und ausgeschaltet, um Einer-, Zehner-, Hunderter- und Tausenderwerte zu ermitteln. Dem gleichen Prinzip folgend, können die Besucher am Rechentisch durch das Verschieben von Rechenpfennigen nachempfinden, wie im Mittelalter Zahlen addiert wurden. Mit den Rechenstäben des schottischen Mathematikers John Napier von 1617 lassen sich Multiplikationsaufgaben lösen, dazu gibt es historische Knobelaufgaben. Fünf Rechenspiele führen anschaulich vor Augen, wie Kindern Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts das Rechnen beigebracht wurde. Und auch mit den Füßen lässt es sich erstaunlich gut multiplizieren. Der Hintergedanke der Ausstellung ist es laut Beiersdörfer, die Bedeutung der Berechenbarkeit für die Digitalisierung wieder in den Vordergrund zu stellen. „Wenn Sie ein Foto mit dem Smartphone machen, laufen in Sekundenbruchteilen Millionen von Rechenoperationen ab", so der HNF-Geschäftsführer. Diese eigentlichen Rechenprozesse seien den meisten Menschen aber gar nicht mehr bewusst. „Deswegen ist das Rechnen ein wichtiges und zentrales Thema, das wir hier aufgreifen". Ausdrücklich wendet sich das HNF deshalb mit der Ausstellung auch an die Schulen im Umkreis. Unter den 300 Gästen bei der Eröffnung am Freitagabend waren zahlreiche Schulleiter, die sie sich einen ersten Eindruck machen wollten. Vermutlich werden demnächst also viele Klassen ins HNF strömen, um an den einzelnen Station ihre Köpfe rauchen zu lassen.

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