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Zwischen Gerüststangen: (v. l.) Architektin Martina Tebel, Michaela Hessel von der Firma Wibbeke Denkmalpflege und Pfarrer Benedikt Fischer zeigen den Entwurf für das Eingangsportal an der Westpforte. Die Vorhalle wird ockerfarben gestrichen, die Pfeiler des Portals werden rot. - © Birger Berbüsse
Zwischen Gerüststangen: (v. l.) Architektin Martina Tebel, Michaela Hessel von der Firma Wibbeke Denkmalpflege und Pfarrer Benedikt Fischer zeigen den Entwurf für das Eingangsportal an der Westpforte. Die Vorhalle wird ockerfarben gestrichen, die Pfeiler des Portals werden rot. | © Birger Berbüsse

Paderborn Die Gaukirche in Paderborn öffnet erst wieder im Advent ihre Pforten

Verspätung: Ursprünglich sollte die laufende Sanierung im Februar beendet sein. Nun rechnen die Verantwortlichen erst im Advent mit der Wiedereröffnung der dann deutlich veränderten Kirche

Birger Berbüsse
10.05.2017 | Stand 10.05.2017, 13:40 Uhr

Paderborn. Staub statt Weihrauch bestimmt derzeit das Innere der Paderborner Gaukirche. Seit August stehen die Gläubigen wegen der Sanierungsarbeiten vor verschlossenen Pforten. Und sie müssen sich auch noch ein paar weitere Monate gedulden, bis sich die Türen der Kirche endlich wieder öffnen: Pfarrer (und Dechant) Benedikt Fischer und Architektin Martina Tebel erwarten die Fertigstellung der umfangreichen Maßnahmen erst im Advent. Damit werden die 960.000 Euro teuren Sanierungs- und Umbauarbeiten mehr als doppelt so lang wie ursprünglich geplant dauern. Zu Beginn war die Wiedereröffnung der stark besuchten Innenstadtkirche für Februar angekündigt worden. Doch erst bremsten ausstehende Genehmigungen den Start der Arbeiten, dann verzögerten zu Jahresbeginn wie berichtet neue Erkenntnisse über den Deckenputz das Fortschreiten der Renovierung. Es habe die Frage im Raum gestanden, ob der ganze Putz runter müsse, so Fischer. Dazu hätten verschiedene Gutachten erstellt werden müssen. Letztlich hätten der für Denkmalpflege zuständige Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und die Kirchengemeinde St. Liborius entschieden: der Putz bleibt drauf. "Er wird aber an bestimmten Stellen, an denen Schäden aufgetreten sind, aufgearbeitet", so Architektin Tebel. Der Putz hatte im vergangenen Jahr den Ausschlag für die Renovierung gegeben. Von der einstmals weißen Farbe war nicht mehr viel zu sehen, weil Kerzenruß Wände und Decke über die Jahre stark geschwärzt hatte. Die Firma Denkmalpflege Wibbeke reinigte die insgesamt 4.000 Quadratmeter große Fläche in Handarbeit mit Spezialschwämmen und trägt aktuell die neue Farbe auf. Dabei gehen die Verantwortlichen bewusst einen Schritt zurück. "Wir nehmen überall die Farbfassung, die 1968 von Amtsrestaurator Kurt Schmidt-Thomsen in die Kirche eingebracht wurde", erläutert Wibbeke-Mitarbeiterin Michaela Hessel. Der Grund: Bei allen folgenden Renovierungen seien kleine Änderungen oder neue Farben hinzugekommen. Diese folgten somit keinem Gesamtkonzept und stellten keine einheitliche Anlehnung an die historische Kirchengestaltung dar. Deshalb sei die seinerzeit sehr genau recherchierte "Schmidtsche Fassung" die Grundlage für alle Entscheidungen gewesen, so Fischer. Farbliche Akzente werden auch im Eingangsbereich der Westpforte gesetzt. Die Vorhalle wird in einem ockerfarbenen Ton gestrichen, um sie vom Kirchenschiff abzusetzen. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die barocke Vorhalle erst Mitte des 18. Jahrhunderts an die zwischen 1170 und 1180 entstandene Kirche angebaut wurde. Der Bogen des alten Eingangs wird deshalb ebenfalls farblich hervorgehoben, seine Pfeiler werden rot gestrichen. Abgetrennt wird die Vorhalle von einer Glaswand. Weitere gläserne Wände sind für den Nordeingang und die Kreuzkapelle vorgesehen. Für alle Glasarbeiten hat mittlerweile ein Künstlerwettbewerb begonnen, eine Jury entscheidet über den Siegerentwurf. "Leider können die Glas-Abschlüsse nicht so zügig geplant und fertig gestellt werden wie von uns erhofft", sagt Pfarrer Fischer. Die Öffentlichkeit bekommt die gestalteten Glaswände sowie die weiteren baulichen Veränderungen und Restaurierungsergebnisse der Gaukirche daher erst im Advent zu sehen anstatt wie zwischenzeitlich geplant schon im September. Zur Wiedereröffnung soll es einen feierlichen Gottesdienst geben. Bis dahin bleibt weiterhin die Gottesdienst-Vertretungsregelung in Kraft.

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