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Diskussion im Deelenhaus: (v. l.) Moderatorin Julia Ures, Holger Drewer (Linke), Roze Özmen (FDP), Claudia Steenkolk (SPD), Sigrid Beer (Grüne), Sabine Martiny (Piraten) und Jörg Schroeder von der veranstaltenden Gewerkschaft GEW. - © Marc Köppelmann
Diskussion im Deelenhaus: (v. l.) Moderatorin Julia Ures, Holger Drewer (Linke), Roze Özmen (FDP), Claudia Steenkolk (SPD), Sigrid Beer (Grüne), Sabine Martiny (Piraten) und Jörg Schroeder von der veranstaltenden Gewerkschaft GEW. | © Marc Köppelmann

Paderborn Bildungspolitik als Streitthema im Deelenhaus

Landtagswahl 14. Mai: Bei der Podiumsdiskussion der GEW fordern Lehrer bessere Rahmenbedingungen, um allen Schülern gerecht werden zu können. Die CDU schwänzt

Sabine Kauke
05.05.2017 | Stand 10.05.2017, 12:33 Uhr

Paderborn. Elf Tage vor der Landtagswahl hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zur Diskussion über die Bildungspolitik in NRW eingeladen. Mit vier Frauen und einem Quotenmann waren am Mittwochabend im Deelenhaus SPD, Grüne, FDP, Linke und die Piraten vertreten. Einzig die Christdemokraten glänzten durch Abwesenheit. Offensichtlich hatten weder der geladene CDU-Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke noch ein Vertreter Zeit für GEW und 50 Lehrerinnen und Lehrer sowie Hochschulangehörige. Dabei kämpfen Pädagogen und Wissenschaftler durchaus mit Problemen: So sorgen unter anderem Finanzierungsdefizite und befristete Arbeitsverträge an Hochschulen ebenso für Kritik wie andere Missstände im Schulbereich: Hier sind es beispielsweise die Folgen des Wegfalls von Grundschulbezirken, eine Vielzahl von Schultypen in der Sekundarstufe I, Lehrermangel, große Klassen, die Zunahme von Privatschulen oder die unterschiedliche Bezahlung angestellter und verbeamteter Lehrer. Ganz besonders belasten Lehrer und Schüler offenbar aber die Rahmenbedingungen in Sachen Inklusion. "Wir sind für Inklusion und wollen sie voranbringen", stellte Uwe Fritsch (GEW) klar. "Aber nicht unter diesen Bedingungen, die von Lehrern wie Eltern kritisiert werden. Vom Ideal sind wir weit entfernt." Weil in vielen Schulen weder die personellen noch räumliche oder sächliche Bedingungen passten, sei die Qualität der sonderpädagogischen Betreuung teils sogar gesunken, so beispielsweise für Schüler mit Förderbedarf. Gestiegen sei die Belastung für Lehrer. "29 Kinder in der 8. Klasse, davon sieben Kinder mit Förderbedarf und zwei zugewanderte Jugendliche. Das ist Schulalltag", fordert Fritsch von der Politik, für bessere Förderbedingungen an Regelschulen zu sorgen. Sonst gelte: "Dabei sein ist nicht alles". Zielperspektive sei die "Schule für alle", betonte Sigrid Beer, schulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag. Doch es sei ein langer Weg zur Inklusion, gespickt mit vielen Höhen und Tiefen. Die rot-grüne Landesregierung habe die Probleme erkannt und nachgesteuert, über 1.500 neue Stellen geschaffen, die Arbeitsbelastung gesenkt. Weitere Investitionen seien nötig. "Es sind Fehler gemacht worden", sagte SPD-Landtagskandidatin Claudia Steenkolk, das Tempo sei zu schnell gewesen. "Wir wollen mehr Lehrer einstellen und Geld in die Hand nehmen. Von "A-Z überarbeiten", will Roze Özmen (FDP) das Thema Inklusion, deren Umsetzung gescheitert sei. Holger Drewer (Die Linke) forderte 9.000 zusätzliche Lehrerstellen und kleinere Klassen, Sabine Martiny (Piraten) will ebenfalls deutliche Nachbesserungen. "Wo bleibt bei der Inklusion die Wahlfreiheit für Eltern?", wollte eine Lehrerin wissen. Als Mutter eines schwerbehinderten Kindes kennt sie auch die Elternperspektive und habe selbst sehr lange dafür kämpfen müssen, dass ihr Sohn eine Förderschule besuchen darf. "Inklusion für den, der möchte. Aber bitte nicht für alle", lautet ihre Forderung. So sieht es auch Sigrid Beer: "Da müssen wir dringend nachsteuern", räumte die Grünen-Politikerin Handlungsbedarf ein. "An welcher Stelle steht Bildungspolitik für Ihre Partei?", fragte eine Pädagogin, an deren Schule bisher kein Geld angekommen sei. Die fünffache Antwort: "Ganz oben".

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