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Kämpferisch: Für den Wahlerfolg ihrer Partei setzt sich Sigrid Beer, meist mit einem grünen Schal gekleidet, leidenschaftlich ein. Unser Bild zeigt die Politikerin bei einer Podiumsdiskussion in der Paderborner Universität zu Jahresbeginn. - © Marc Köppelmann
Kämpferisch: Für den Wahlerfolg ihrer Partei setzt sich Sigrid Beer, meist mit einem grünen Schal gekleidet, leidenschaftlich ein. Unser Bild zeigt die Politikerin bei einer Podiumsdiskussion in der Paderborner Universität zu Jahresbeginn. | © Marc Köppelmann

Paderborn Porträt: Sigrid Beer (Grüne) führt seit sieben Jahren die Geschäfte der Fraktion

Beers Themen sind vor allem Bildung und Umweltpolitik

Birger Berbüsse
05.05.2017 | Stand 08.05.2017, 12:16 Uhr

Paderborn. Am Tag der Entscheidung drückt Sigrid Beer Schwarz-Gelb die Daumen. Ist doch klar. Schließlich ist die Paderborner Landtagsabgeordnete eingefleischter Fan von Borussia Dortmund. Und so hofft sie natürlich, dass ihr Verein bei der vierten Finalteilnahme in Folge am 27. Mai endlich wieder den DFB-Pokal gewinnt. Zwei Wochen vorher bei der Landtagswahl setzt die 61-Jährige allerdings ganz auf die Farbe Grün. Rhetorisch bleibt sie angesichts der derzeit schlechten Umfragewerte jedoch im Fußballer-Jargon: „Entscheidend ist auf dem Platz", betont die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion. Für den Wahlerfolg kämpft sie mit ganzer Leidenschaft. Freude an der Kontroverse Dabei scheut Beer auch nicht vor auf den ersten Blick aussichtslosen Auftritten zurück. Ganz im Gegenteil. Die Überzeugungstäterin stellt sich sogar gerne kontroversen Diskussionen. „Das macht mir Freude", sagt Beer. Überzeugen konnten sich davon beispielsweise die 120 Besucher einer Podiumsdiskussion in der Kreishandwerkerschaft. Vor dem aus der freien Wirtschaft stammenden Publikum hatte es die Grünen-Abgeordnete mit ihren Vorstellungen und Standpunkten schwer, was wenig überraschte, während die konservativen und liberalen Kandidaten Szenenapplaus erhielten.Doch die Pädagogin ließ sich davon nicht beirren und erläuterte ruhig ihre Sicht der Dinge. Wo manch einer angesichts überspitzter Angriffe und pathetischer Rhetorik der Gegenseite vielleicht an die Decke gegangen wäre, blieb Beer sachlich. Und punktete mit Humor: „Das ist ja ein richtiges Heimspiel für mich", sagte sie an einer Stelle. Beer möchte nachdenklich machen Das zahlte sich offenbar aus. Im Anschluss habe sie viele positive Rückmeldungen bekommen, berichtet Beer. „Ich möchte nachdenklich machen", beschreibt die Vollblutpolitikerin ihr Ziel. Es gehe ihr besonders um die Verantwortung für die Zukunft – „Bildung und Bewahrung der Schöpfung", das sind ihre Themen. Und so sei sie sehr erfreut, wenn sie von einem Unternehmer im Anschluss an die Diskussion höre: „Wir müssen darüber nachdenken, welche Welt wir unseren Kindern hinterlassen."Diese Verantwortung für die folgenden Generationen brachte Sigrid Beer, die sich auch stark in der evangelischen Kirche engagiert, einst in die Politik. Als „Spätberufene" trat sie 1999 den Grünen bei, war sechs Jahre im Paderborner Stadtrat und sitzt seit 2005 im Düsseldorfer Landtag. Dort ist sie seit sieben Jahren parlamentarische Geschäftsführerin und somit Chefin von 80 Beschäftigten. Beer ist aber auch bildungspolitische Sprecherin der Grünen und als solche maßgeblich mitverantwortlich für das Schulkonzept, das individuelle Lernzeiten vorsieht. Schulpolitik als Herzensangelegenheit Dies verteidigt die frühere Lehrerin vehement gegen Kritik und betont unermüdlich die Erfolge der rot-grünen Schulpolitik. „Das ist eine Herzensangelegenheit für mich, das möchte ich auch weiter begleiten", sagt Beer. Dafür gelte es unbedingt zu vermeiden, nach dem 14. Mai nicht mehr im Landtag vertreten zu sein. Doch Beer, die auf Listenplatz 5 steht, ist zuversichtlich. Die Resonanz an den Wahlständen sei gut, sie erlebe „große Freundlichkeit und Zugewandtheit".Bleibt sie im Landtag, heißt es für den Familienmensch Sigrid Beer auch in den kommenden fünf Jahren: Sonntagabends fährt sie mit dem Zug nach Düsseldorf, donnerstags spät oder freitags früh zurück nach Elsen. Erholung von ihrer Arbeit findet Beer beim gemeinsamen Urlaub mit ihrem Mann, den drei erwachsenen Kindern und drei Enkeln. „Bei meiner Familie komme ich zur Ruhe", so Beer.

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