Zwölf goldenen Sterne auf blauem Hintergrund: Die Pulse-of-Europe-Teilnehmer vor dem Rathaus schwenken Europaflaggen. - © Johannes Kühle
Zwölf goldenen Sterne auf blauem Hintergrund: Die Pulse-of-Europe-Teilnehmer vor dem Rathaus schwenken Europaflaggen. | © Johannes Kühle

Paderborn Paderborner zeigen Flagge für Europa

Pulse of Europe: Rund 500 Teilnehmer kommen zur Premierenveranstaltung der internationalen Bürgerbewegung vor dem Rathaus. Die Redner schildern ihre persönliche Bezüge zu Europa. Die Organisatoren sind sehr zufrieden

Johannes Kühle

Paderborn. Pünktlich zu den für Europa wohl entscheidendsten Wahlen im Jahre 2017, den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, hat die Europabewegung Pulse of Europe auch Paderborn erreicht. Am Sonntag um 14 Uhr dominierten die blau-gelben Farben nicht nur bei Kundgebungen etwa in Berlin, Brüssel und 104 weiteren europäischen Städten, sondern auch erstmalig auf dem Paderborner Rathausplatz. Zur Premierenveranstaltung, so schätzt Hauptorganisator Georg Israel, versammelten sich etwa 500 Teilnehmer. "Ein sehr gelungener Auftakt, an den wir natürlich auch an den kommenden Sonntagen anknüpfen möchten", zeigt er sich motiviert. Die Bürgerinitiative hatte in Europa zuletzt viel positive Resonanz erfahren, sich aber auch gegen Kritik behaupten müssen, dass das Grundsatzprogramm keine eindeutigen Forderungen stelle. "Europa darf nicht scheitern", so lautet die erste von insgesamt zehn Thesen. Die Bewegung engagiert sich für den europäischen Frieden und die Grundfreiheiten der EU-Bürger, fordert "Reformen" und ruft zum Wählen auf. Georg Israel formulierte es in seiner Ansprache genauer: Pulse of Europe wolle "Europa emotional erfahrbar machen". Die stillen Befürworter der EU müssten sich zu einer starken, einflussreichen Bewegung zusammenschließen, um gegen Aggressionen von innen und außen bestehen zu können. Seinem Statement folgten weitere Redner, die in kurzen Aussprachen ihren ganz persönlichen Bezug zu Europa offenlegten. Bürgermeister Michael Dreier weilte in Bolton und ließ sein Grußwort durch die 18-jährige Lisa Michejlis, Mitglied des Schülersprecherteams am Gymnasium Schloß Neuhaus, ausrichten. Darin bekräftigte er die europäische Integration, die auch Paderborn mit seinen fünf innereuropäischen Städtepartnerschaften vorantreibe. "Der Paderborner Bürger muss sich gleichzeitig auch als deutscher und europäischer Bürger identifizieren", fordert er ein klares Bekenntnis zu Europa. Er erinnerte andererseits an den 27. März 1945, den Tag der Bombardierung Paderborns. Dieses symbolische Datum ermahne dazu, dem einzigartigen Friedensprojekt EU große Wertschätzung entgegenzubringen. Die Einigung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg stellte auch die Vorsitzende der Deutsch-französischen Gesellschaft, Birgit Kelliger, in den Vordergrund. "Diese fortdauernde Partnerschaft ist der Motor für die Europäische Union", sagte sie. Katharina Kreuzhage, Intendantin des Paderborner Theaters, berichtete in einer Anekdote von "kafkaesken Erfahrungen", die sie vor Abschluss des Schengen-Abkommens an der deutsch-österreichischen Grenze bei einem studienbedingten Umzug nach Graz gemacht habe. Aber auch die junge Generation kam zu Wort: Der aus Paderborn stammende Student Steffen Bruns (24) forderte anhand seines persönlichen Lebenslaufes dazu auf, von Europa bewusst zu profitieren, aber auch Gegenleistungen zu erbringen und sich aktiv für die Lösung von Problemen einzusetzen. Neben Michejlis traten mit Sinan Kurt (19), Nicolas Langham und Olivia Engemann (beide 18) auch die übrigen Mitglieder des Neuhäuser Schülersprecherteams ans Mikrofon und bekräftigten die vielfältigen Freiheiten, die Europa zwar bieten könne, aber angesichts des Brexits teilweise wieder zu verlieren drohe. Immer wieder gibt es spontanen Beifall und das blau-gelbe Fahnenmeer brandet auf. Die Atmosphäre ist sachlich, aber offenbar ist Europa den Anwesenden ein ernstes Anliegen. Für einen emotionalen Touch sorgen Lothar Pohlschmidt und Thommy Rosenkranz: Die beiden Musiker geben einen eigens komponierten Europa-Blues zum Besten. Abschließend gibt es eine Menschenkette, und die Europahymne wird gesungen. Die Teilnehmer dürften zukünftig jedoch noch etwas an der Textsicherheit arbeiten. Eindrucksvoll ist das Bild, das sich auf diese Weise auf dem Rathausplatz bietet, aber schon heute. Für die nächsten Kundgebungen hofft Israel auf eine "noch regere Beteiligung". "Insbesondere die jungen Paderborner möchten wir zur Teilnahme motivieren, denn das Miteinander von jungen und von älteren, gesellschaftlich etablierten Menschen ist wichtig für unsere Bewegung". Stattfinden wird die nächste Kundgebung am kommenden Sonntag, 30. April, ebenfalls um 14 Uhr.

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