Bestens gefüllt: Die Westernstraße in Paderborn beim offenen Sonntag zum Frühlingserwachen vor zwei Jahren. - © Marten Siegmann
Bestens gefüllt: Die Westernstraße in Paderborn beim offenen Sonntag zum Frühlingserwachen vor zwei Jahren. | © Marten Siegmann

Paderborn Paderborner Werbegemeinschaft streicht alle verkaufsoffenen Sonntage

Jetzt wird nach alternativen Möglichkeiten für Sonderöffnungen gesucht

Holger Kosbab
07.04.2017 | Stand 07.04.2017, 12:41 Uhr

Paderborn. Sonntags durch die Westernstraße bummeln und vielleicht eine Hose, ein Buch oder Schmuck kaufen? Was im Vorjahr an vier verkaufsoffenen Sonntagen in der Paderborner City möglich war, wird es im Jahr 2017 nicht geben. Die Werbegemeinschaft Paderborn verzichtet in diesem Jahr auf alle Sonntagsöffnungen. Nachdem die Vertretung der Kaufmannschaft aufgrund einer Klage der Gewerkschaft Verdi schon das Shopping zum Frühlingserwachen am 2. April von sich aus gestrichen hatte, folgte am Mittwochnachmittag die Entscheidung, auch auf die übrigen Sonntage zu verzichten. Vorangegangen war ein weiteres Gespräch mit Vertretern von Verdi und der Stadt Paderborn. Die Entscheidung steht. Daran werde auch die Mitgliederversammlung der Werbegemeinschaft am gestrigen Abend (die Berichterstattung dazu folgt) nichts ändern, sagte die Vorsitzende Anne Kersting. "Wir lassen uns nicht umstimmen." Sie glaube, dass es die richtige Entscheidung sei, alle Sonntage abzusagen und dass die 250 Mitglieder ihr und dem Vorstand vertrauen. "Wir haben in der Kaufmannschaft im Vorfeld schon viel diskutiert", sagte Kersting. "Es wäre ja nur der verkaufsoffene Sonntag an Libori übrig geblieben. Und auch nur in der Innenstadt." Bei einer möglichen Sonntagsöffnung zum Frühlingsfest am 7. Mai wäre der Stadtrand ebenfalls außen vor geblieben. »Uns fällt immer etwas ein - eine Tür schließt sich, eine Tür öffnet sich« Kersting betonte, dass Paderborn die größte Werbegemeinschaft Deutschlands habe. Während sich die Händler anderswo nur in Quartieren zusammenfänden, gebe es hier eine einzige Gemeinschaft für die Geschäftsleute in der Innenstadt und an den Stadträndern. "Nur mit der Innenstadt wären wir nicht so stark." Der Handel müsse jetzt gemeinsam kreativ werden, sagte Kersting. "Uns fällt immer etwas ein. Eine Tür schließt sich, eine Tür öffnet sich." Sie fordert vor allem eine Gesetzesänderung, die eine komplette Öffnung an der Peripherie ermöglicht. "Stand der Dinge ist, dass es in Paderborn in diesem Jahr keine verkaufsoffenen Sonntage gibt", sagte Citymanager Uwe Seibel. Daher werde nach Alternativen wie längere Öffnungen in der Woche gesucht. Klingenthal sei schon jetzt an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 23 Uhr geöffnet. "Wir denken darüber nach, in diesem Bereich etwas zu machen. Mit Gastronomie und unter speziellen Themen", sagte Seibel. "Das ersetzt aber keinen verkaufsoffenen Sonntag." Als die Innenstadt zum Frühlingserwachen am vergangenen Sonntag trotz verschlossener Ladentüren voll gewesen sei, habe der Handel bedauerlicherweise zuschauen müssen. Der Paderborner Handel müsse jetzt "gemeinsam nach vorn schauen", sagte Kai Buhrke, Geschäftsführer des Handelsverbands Paderborn und Höxter. Er nannte mögliche Aktionen wie lange Donnerstage oder Freitage mit einem "einheitlichen, starken Auftreten". Aufgrund des Zusammenwachsens der Händler in der City und an der Peripherie gebe es zu der kompletten Absage keine Alternative, sagte Buhrke. Die Stadt Paderborn werde ihre ordnungsbehördliche Verordnung anpassen, sagte Sprecherin Katharina Multhaupt. Gewartet werde dabei bis die Handreichung der Landesregierung vorliege, die den Kommunen Hinweise hinsichtlich der Prognosen von Besucherströmen bei Sonntagsöffnungen geben soll. Ziel sei eine rechtssichere Verordnung, sagte Multhaupt. "Die CDU im Land setzt sich mit Nachdruck für eine gerichtsfeste und bürokratiearme Lösung ein" Martina Schu, Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Bielefeld-Paderborn sagte, dass man für Paderborn spätestens im Herbst eine Regelung für 2018 haben wolle. Markus Mertens, CDU-Fraktionschef im Stadtrat, könne es grundsätzlich nachvollziehen, dass sich der Handel in der Innenstadt und der Peripherie, die in Paderborn stets eine enge Gemeinschaft gebildet hätten, nicht auseinander dividieren lasse. Grundsätzlich widerspreche aber die völlige Absage der verkaufsoffenen Sonntage in Paderborn den Wünschen der Bürger. Diese "bedenkliche Entwicklung" schade der Stadt Paderborn, den Händlern und letztlich auch den Mitarbeitern, in deren Interesse Verdi und deren gut bezahlten Funktionäre ja angeblich fungierten. "Die CDU im Land setzt sich mit Nachdruck für eine gerichtsfeste und bürokratiearme Lösung ein", sagte Daniel Sieveke, Landtagsabgeordneter und stellvertretender Fraktionschef der CDU in Paderborn. Was jetzt geschehen sei, sei kein gesellschaftlicher Konsens, sondern eine "nicht hinnehmbare Klagewut von Verdi". Die Landesregierung habe das Problem bewusst ungelöst gelassen und auf den Rücken der Städte und Gemeinden verlagert. Nach Meinung von FDP-Ratsherr Sascha Pöppe zeige sich am vergangenen Sonntag deutlich, dass die Masse der Besucher wegen des Frühlingserwachens gekommen sei. "Die nun durch Verdi erwirkte völlige Abschaffung der verkaufsoffenen Sonntage in Paderborn geht an den Interessen der Bürger, der Einzelhändler und auch vieler Mitarbeiter vorbei." FDP-Stadtverbandsvorsitzender Michael Hadaschik erklärte: "Wenn Verdi in Paderborn ein Exempel statuieren möchte, müssen und werden wir uns zum Wohle der Stadt mit aller Konsequenz dagegen wehren." Auch Ulrich Lange, Kreisvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, kritisiert das Vorgehen von Verdi scharf. Dass sich die innerstädtischen Geschäfte und die Standorte an der Peripherie nicht auseinanderdividieren lassen, sei "ein starkes Zeichen des Einzelhandels".

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