Angreifbare Infrastruktur: Katrin Gaßner (Projektleiterin) und Ulf Lange (Referatsleiter im Forschungsministerium) zeigen in der neuen Sonderausstellung im HNF die Simulation eines Hackerangriffes. - © Marc Köppelmann
Angreifbare Infrastruktur: Katrin Gaßner (Projektleiterin) und Ulf Lange (Referatsleiter im Forschungsministerium) zeigen in der neuen Sonderausstellung im HNF die Simulation eines Hackerangriffes. | © Marc Köppelmann

Paderborn Ausstellung im HNF Paderborn gibt Einblicke in die IT-Sicherheitsforschung

Forschungsprojekte werden Besuchern verständlich erklärt. Bedeutung der IT-Sicherheit wächst angesichts zunehmender digitaler Vernetzung

Lena Henning

Paderborn. Mehr als 40 Millionen Deutsche nutzen das Onlinebanking, um Bankgeschäfte im Internet zu erledigen. Das ist häufig praktischer als der Gang in die Filiale, aber Sorge um die Sicherheit ihrer Daten haben viele Nutzer. Unter dem Titel „Selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt" gibt das Heinz-Nixdorf-Museumsforum (HNF) in einer neuen Sonderausstellung Einblicke in die Forschung zur IT-Sicherheit. Beauftragt vom Forschungsministerium, wurde sie im Februar erstmals auf der Nationalen Konferenz für IT-Sicherheitsforschung gezeigt. Bis Ende Juli wird sie nun in Paderborn zu sehen sein. HNF-Direktor Kurt Beiersdörfer betont: „Hackerangriffe stellen ein reales Bedrohungsszenario dar." Spionage und Sabotage durch Hacker seien zu einem lukrativen Geschäftsfeld für Kriminelle geworden, sagt Ulf Lange, Referatsleiter im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Datenklau beim Onlinebanking mache dabei nur einen geringen Anteil aus. Die Wahrscheinlichkeit von Hackerangriffen steigt Durch die zunehmende digitale Vernetzung sei insbesondere die Infrastruktur gefährdet: Ein einziger Hackerangriff könne die Wasserversorgung oder die Stromnetze einer ganzen Stadt lahmlegen. Insbesondere in den vergangenen Jahren sei die Bedrohung angestiegen. „Rund 400 Hackerangriffe verzeichnen allein die Netze der Bundesregierung mit Ministerien – jeden Tag", so Lange. Der deutschen Wirtschaft entstehe so ein Schaden von rund 50 Milliarden Euro im Jahr. „Jeder Schutzmechanismus kann irgendwann gehackt werden", sagt er. Doch je komplexer dieser Mechanismus, desto mehr Zeit und Geld müssten Angreifer investieren – und umso geringer werde die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer solchen Attacke zu werden. „Die Forschung arbeitet daran, diese Sicherheitsnetze zu stärken", erläutert Lange. Ausstellung zeigt praktische Lösungsansätze In der Ausstellung zeigen Forschungsprojekte von Universitäten, Instituten und Unternehmen, wie das praktisch funktioniert. Max Maaß und Daniel etwa haben daran geforscht, wie mit einer einfachen App auf dem Smartphone eine Schlüsselkarte ausgelesen und manipuliert werden kann. Diese sogenannte NFC-Technologie wird auch beim kontaktlosen Bezahlen mit der Kreditkarte verwendet. „Wir suchen nach den Sicherheitslücken, die von Kriminellen missbraucht werden können – und versuchen daraus Lösungen abzuleiten", erklärt Maaß, wie die IT-Sicherheitsforschung arbeitet. Sechs verschiedene Themenfelder behandelt die Ausstellung: Zu Hause, Arbeit, Stadt, Freizeit, Auto und Onlinegeschäfte. „Sie richtet sich an fachlich Interessierte, aber bemüht sich auch, für Laien verständlich zu sein", sagt Kurator Michael Mikolajczak. An jeder Station beschreibt eine Tafel das Problem mit Bezug zum Alltag, viele Exponate laden zum Ausprobieren ein.

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