Neues Baugebiet am Dr.-Rörig-Damm: Die Erschließungsarbeiten sind erledigt, das Vergabeverfahren läuft. Im Frühjahr werden dort die ersten Bagger anrücken. - © Marc Köppelmann
Neues Baugebiet am Dr.-Rörig-Damm: Die Erschließungsarbeiten sind erledigt, das Vergabeverfahren läuft. Im Frühjahr werden dort die ersten Bagger anrücken. | © Marc Köppelmann

Paderborn Wo in Paderborn neue Wohnbauflächen entstehen

Sorgenkind Wohnungsmarkt: Am Dr. Rörig-Damm und am Brukturer Weg verkaufen Stadt und Private Grundstücke für 365 Wohneinheiten. Für Springbach Höfe beginnt die Vergabe kommunaler Grundstücke voraussichtlich Mitte bis Herbst 2018

Paderborn. Die Nachfrage nach städtischen Baugrundstücken ist groß. Knapp 1.000 Namen von Bürgern stehen auf einer Liste, die im Paderborner Liegenschaftsamt geführt wird. Allein aus den beiden letzten Jahren stammen rund 650 Bewerbungen. "Es ist auf einmal wie ein Run", beobachtet Amtsleiter Andreas Preising einen zunehmenden Wettbewerb um Bauplätze. Wartezeiten für städtische Grundstücke hat es schon immer gegeben, weiß der Amtsleiter. Aber angesichts von Grundstücksknappheit und hohen Preisen am freien Markt sei das Interesse am Angebot der Stadt seit rund zwei Jahren unabhängig vom Einkommen der Interessenten. "Heute bewerben sich auch Gut- oder Doppelverdiener. Der Wissenschaftler von der Uni ist genauso darunter wie der Ingenieur." Die Zahl derer, die ernsthaft von der Stadt einen Bauplatz kaufen wollen, ist aber deutlich kleiner als 1.000. Die einen haben inzwischen etwas anderes gefunden, die anderen aus unterschiedlichen Gründen kein Interesse mehr. Anhand seiner Erfahrungen schätzt Preising die "echten" Interessenten aktuell auf rund 500. "Das ist immer noch verdammt viel". Nachdem in der Vergangenheit im Schnitt jährlich neue 500 bis 600 Wohneinheiten im Stadtgebiet entstanden sind, besagt ein wohnungspolitisches Ziel Paderborns, dass diese Zahl bis 2020 auf 750 bis 900 Wohneinheiten ansteigen soll. Die Kommune selbst hat Flächen zusammengekauft und bietet städtisches Bauland zu moderaten Preisen an, um den Markt zu entlasten. So beispielsweise in den Ortsteilen Marienloh, Neuenbeken und Dahl, wo die Vergabeverfahren für insgesamt rund 70 Einfamilien- und Reihenhäuser bereits laufen und teils schon fleißig gebaut wird wie zum Beispiel im Gebiet Klusheide am Ortseingang Marienlohs. Jetzt geht es jetzt auch für die beiden innerstädtischen Baugebiete am Dr.-Rörig-Damm und am Brukturer Weg los. Mehr als 60 Bewerber von der langen Liste hatten in den letzten Tagen gute Nachrichten in Form eines Exposés im Briefkasten: Sie gehören zu den Auserwählten und können dem Liegenschaftsamt in Form einer Prioritätenliste mitteilen, welches der 48 städtischen Grundstücke am Dr-Rörig-Damm beziehungsweise der 15 kommunalen Flächen am Brukturer Weg sie für "rund 200 Euro pro Quadratmeter" zum Hausbau kaufen möchten. Im Liegenschaftsamt geht man davon aus, dass 10 bis 20 Angebote zurückkommen. "Dann wird zeitnah die 2. Welle eingeläutet", sagt Andreas Preising, eine Chance für weitere Bewerber von der Liste. "Interessenten, die erst seit 2015 oder 2016 auf der Liste stehen, kommen bei diesen beiden Gebieten noch nicht zum Zug", vermutet Preising. Die "transparente Vergabe", so der Amtsleiter, erfolgt nach 2016 neu gefassten Richtlinien, denen beispielsweise Kriterien wie Kinder, Ortsansässigkeit, das Antragsjahr oder besondere Situationen wie ein behindertes Kind in der Familie zu Grunde liegen. Auch Kriterien wie ehrenamtliche Tätigkeiten finden Niederschlag. "Unser Ziel ist es, dass sich junge Familien Baugrundstücke leisten können und nicht durch finanzkräftige Investoren verdrängt werden", so seinerzeit das Statement der CDU. Manchmal machen Bauwilligen dann allerdings die Banken einen Strich durch die Rechnung: "Die Kreditwürdigkeit wird infolge der Wohn-Immobilien-Kreditrichtlinie der EU mittlerweile viel strenger bewertet", sagt Preising. Neben Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäusern mit Grundstücksgrößen von 400 bis 600 für frei stehende Häuser beziehungsweise 350 bis 390 Quadratmetern für Doppelhäuser sind in beiden Baugebieten Geschosswohnungsbau sowie geförderte Wohneinheiten geplant. Für beides können sich Investoren bewerben. Wohl im April, schätzt der Liegenschaftsamtleiter, werden am Rörig-Damm, wo insgesamt 230 Wohneinheiten entstehen, wohl die ersten Bagger anrücken. Bis Sommerende seien dort alle Grundstücke verkauft, ist er optimistisch. Am Brukturer Weg entstehen insgesamt insgesamt 135 Wohneinheiten. Mehr als 600 Wohneinheiten, darunter über 120 frei stehende Einfamilien- sowie Doppelhäuser, sind im neuen städtischen Baugebiet Springbach Höfe nahe der Driburger Straße geplant. Dort sollen auch individuelle Wohnformen wie Gartenhofhäuser realisiert werden. Ebenso im Plan: Kindertagesstätte, Supermarkt, öffentliche Grünfläche. "Das Konzept steht noch nicht komplett, aber wir haben Gas gegeben, damit es schnell vorangeht", sagt Andreas Preising. Die Erschließung, die in Kürze beginnt und quartiersweise erfolgen soll, werde mindestens ein Jahr dauern. Mit ersten Grundstücksvergaben rechnet er "Mitte bis Herbst 2018, eventuell, je nach Fortschritt der Erschließung, etwas eher". Bis 2020 sei etwa die Hälfte der 600 Wohneinheiten zu realisieren. Interessenten fragen bereits nach Grundstücken. Die Preisgestaltung für Springbach Höhe steht noch nicht fest, werde aber "wahrscheinlich sehr differenziert" sein: "Wer eine Randlage mit tollem Blick hat, zahlt mehr." Neben Projekten wie Mehrgenerationen-Wohnen will die Stadt in dem großen Baugebiet private Investoren für den geförderten Wohnungsbau motivieren. "40 Prozent der Haushalte haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Es muss uns als Stadt gelingen, die ungerechtfertigten, aber weit verbreiteten Vorurteile gegenüber diesen Mietern abzubauen", sagt Andreas Preising. Stellt sich nach der Realisierung von Springbach Höfe und neuen Wohnungen auf dem Gelände der Alanbrooke-Kaserne Entspannung am Wohnungsmarkt ein? "Die momentane Drucksituation im Miet- sowie im Eigentumsbereich wird sich entspannen", meint der Leiter des Liegenschaftsamtes. "Aber", so Preising, "Paderborn wird weiterhin neuen Wohnraum brauchen, allerdings dosiert." Um Grundstücke für Bauwillige zu generieren, treibt die Stadt zudem Innenentwicklung und Nachverdichtung voran. So wurde beispielsweise erst vor kurzem ein Bebauungsplan an der Elsener Straße geändert, um auf großen Grundstücken den Bau von Einfamilienhäusern in zweiter Reihe zu ermöglichen. Konversion: Ab 2019 viel Wohnraum Durch den Abzug der Britischen Streitkräfte wird im Paderborner Stadtgebiet ab 2019 viel Wohnraum frei. Das löst die aktuellen Probleme auf dem Wohnungsmarkt allerdings nicht. Gegenwärtig sind rund 1.500 Wohnungen von Angehörigen der britischen Streitkräfte bewohnt und werden erst nach und nach freigezogen. Einige Briten werden vermutlich auch in Paderborn bleiben. In der Stadtverwaltung geht man davon aus, dass rund 1.000 Einheiten auf den Markt gelangen. Auf dem Gelände der freigezogenen Alanbrooke-Kaserne können laut Siegerentwurf der Architekten 820 Wohneinheiten entstehen. Davon sind laut Konzept „Wohnungspolitische Ziele und Handlungsfelder der Stadt Paderborn" (2016) bis 2020 etwa 50 bis 200 realisierbar. Noch hat der Stadtrat nicht entschieden, ob und in welcher Höhe Paderborn der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) ein Kaufangebot für die Kaserne an der Elsener Straße macht. Die Entwicklung von Wohnungen in den Kasernen Dempsey an der Husarenstraße in Schloß Neuhaus und Barker an der Driburger Straße bis 2020 ist wohl unrealistisch. So zieht aus den Barker Barracks (54 Hektar) 2018 zunächst nur eines der drei dort stationierten Regimenter aus. Grundsätzlich seien in beiden Kasernen rund 400 Wohneinheiten möglich, so das Berliner Forschungs- und Beratungsinstitut Empira.

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