Paderborn Wie die Stadt Paderborn zu einer Patenschaft mit einem Minensuchboot kam

Waterkant und Paderstrand

Jochem Schulze

Paderborn. Eine kurze Notiz über den Kommandowechsel beim Minensuchgeschwader der Bundesmarine in Kiel hat einen NW-Leser nach dem Verbleib des Minensuchboots Paderborn fragen lassen. Das im Jahr 1957 auf den Namen der Domstadt getaufte und im Jahr 2000 außer Dienst gestellte Wasserfahrzeug ist inzwischen endgültig abgewrackt. Die Paderborn war nach der Jahrtausendwende der südafrikanischen Marine überlassen worden und tat noch bis zum Jahr 2013 als Mangaung vom neuen Heimathafen Simon's Town aus Dienst. Unweit vom Kap der guten Hoffnung endete eine Geschichte, die mit einer Anfrage des Bundesministeriums der Verteidigung an den damaligen Paderborner Bürgermeister Christoph Tölle begonnen hatte. Admiral Friedrich Ruge (1894 bis 1985), der nacheinander der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine, der Kriegsmarine und der Bundesmarine diente, bat um die Übernahme des Namenspatronats für ein neues Minensuchboot. Der Stadtrat zeigte sich einverstanden. Am 5. Dezember 1957 übernahm Ratsfrau Käthe Sander-Wietfeld in Bremen die Schiffstaufe. Ein Jahr später wurde die Paderborn in Dienst gestellt. Bürgermeister Tölle wollte als Geschenk der Stadt ein Schifferklavier mitbringen. Weil aber niemand der 44-köpfigen Besatzung das Instrument spielen konnte, übergab das Stadtoberhaupt letztlich einen Plattenspieler mit zehn Schallplatten. So entwickelte sich eine Beziehung, in der immer wieder Geschenke ausgetauscht wurden. Die Männer der Paderborn spendeten zu Weihnachten stets für den guten Zweck in der Patenstadt. Die Übergabe der Präsente verlief nicht immer reibungslos. An einem Freitagnachmittag im Dezember 1966 stieß der beauftragte Offizier im Rathaus und in der Verwaltung auf komplett verwaiste Räume. So wurden die Geschenke dem Parkwächter am Rathausplatz übergeben. Die Stadt ließ sich auch nicht lumpen. So hatte eine Ratsdelegation, die das Boot im August 1972 besuchte, für jedes Besatzungsmitglied zwei Pappschachteln mit jeweils acht Snobby-Flaschen Paderborner Pils dabei. Später wurde die Beziehung zwischen Stadt und Boot noch viel intensiver. Das gefiel in Paderborn aber längst nicht allen Bürgern. Mehr darüber am kommenden Montag.

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