Am Schreibtisch: Eva Matern zeigt eines der von ihr entworfenen Gebäude. Auf ihrem Tisch sind Skizzen für ein akutelles Bauprojekt zu sehen. Ihren Stil beschreibt die Architektin als "klassische Moderne". - © Birger Berbüsse
Am Schreibtisch: Eva Matern zeigt eines der von ihr entworfenen Gebäude. Auf ihrem Tisch sind Skizzen für ein akutelles Bauprojekt zu sehen. Ihren Stil beschreibt die Architektin als "klassische Moderne". | © Birger Berbüsse

Paderborn Seit einem Jahrhundert prägt Architekturbüro die Stadt Paderborn

Das Büro Matern Architekten feierte jetzt seinen runden Geburtstag nach. Drei Generationen haben in Paderborn zahlreiche markante Gebäude geschaffen

Paderborn. Wenn Eva Matern durch die Stadt geht, sieht sie überall ihr Werk. Und das ihres Großvaters und Vaters. Seit 100 Jahren prägt das Architekturbüro Matern das Paderborner Stadtbild - und zwar bereits in der dritten Generation. Dieses Jubiläum wurde jetzt mit vielen Ehrengästen, darunter Landrat Manfred Müller, in der Rathauspassage gefeiert. Der Ort war natürlich nicht zufällig gewählt. "Die Rathauspassage war unser Schlüsselprojekt", sagt Eva Matern im Rückblick. Dieses Projekt habe ihr Büro Anfang der 90er Jahre "in eine andere Liga katapultiert". Danach sei der Name Matern mit Bauvorhaben verknüpft gewesen, die komplexer Natur seien. Zuvor hatte die heute 54-jährige die Firma gerade erst von ihrem Vater übernommen. Da war die Gestaltung der Rathauspassage natürlich eine "große Herausforderung und Chance". Noch heute ist sie den damaligen Auftraggebern "unendlich dankbar, dass sie uns so viel vertrauen geschenkt haben". Das gilt auch für die Stadt, von der das Büro immer wieder Aufträge bekommen habe, obwohl ihnen so manches Mal auf dem jeweiligen Gebiet etwas die Erfahrung fehlte. Auch deshalb fühlt sich die Mutter zweier Söhne (19 und 17) Paderborn "sehr verbunden". Trat in die Fußstapfen ihres Großvaters Dabei habe sie damals nach ihrem Studium und freiberuflicher Tätigkeit zunächst gar nicht zurück in ihre Heimatstadt kommen wollen. "So klein" sei ihr Paderborn vorgekommen. Sie tat es dennoch und trat so in die Fußstapfen ihres Großvaters Kurt Matern. Der damalige Diözesanbaumeister gründete das Büro 1915. Er war unter anderem federführend verantwortlich für das Priesterseminar sowie das Pesag-Gebäude. Sein Sohn Johannes Kurt legte den Schwerpunkt seiner Arbeit besonders auf den sozialen Wohnungsbau - allein im Kreis Paderborn gehen 100 Bauten auf ihn zurück. Außerdem plante er die Kinos in der Westernstraße und baute das Residenztheater mehrfach um. "Leider war er in einer Zeit tätig, in der viel geändert wurde", bedauert seine Tochter Eva Matern. Deshalb sei auf den ersten Blick nicht mehr viel von seiner Handschrift zu erkennen. Ganz anders ist das bei ihren Projekten, die natürlich jüngerer Natur sind. Nach der Rathauspassage zeichnete Eva Matern, von 1996 bis 2013 gemeinsam mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann Martin Wäschle, unter anderem verantwortlich für die IHK-Zweigstelle, die Geriatrie des St. Johannisstifts, das mit zwei Preisen ausgezeichnete Sophie-Camman-Haus sowie den neuen Firmensitz von dSpace. Aktuell betreut das Büro unter anderem den Bau eines großen Bürogebäudes im Balhorner Feld und plant ein Altenheim in Schloss Hamborn. Darüber hinaus sind Eva Matern und ihre Mitarbeiter auch überregional tätig. Ihren Stil beschreibt die Architektin, die fast alles selbst entwirft bevor sie es an ihr "sehr gutes Team" weitergibt, als "klassische Moderne". Eines ihrer Lieblingszitate stammt vom berühmten Berufsgenossen Norman Foster: "Architektur ist eine soziale Kunst." Man gestalte schließlich die Umwelt der Menschen für Jahrzehnte. Deshalb lobt sie auch Paderborn: "Ich bin sehr froh, dass die Technische Beigeordnete Claudia Warnecke das Thema Baukultur so in den Vordergrund gerückt hat." Ans Aufhören denkt Eva Matern noch längst nicht. "Ich mache weiter solange es mir Spaß macht", sagt sie und freut sich auf weitere "schöne und spannende Bauprojekte". Ein Ziel wird sie allerdings wohl nicht mehr erreichen: "Ich würde gerne mal eine Kirche bauen", sagt sie mit Blick auf das Werk ihres Großvaters. Doch sie weiß auch: "Diese Zeiten sind wohl vorbei."

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