Bereit zum Abriss: Im südlichen Bereich des Kasernenareals stehen etliche Fahrzeug- und Instandsetzungshallen wie diese. - © Marc Köppelmann
Bereit zum Abriss: Im südlichen Bereich des Kasernenareals stehen etliche Fahrzeug- und Instandsetzungshallen wie diese. | © Marc Köppelmann

Paderborn Alanbrooke-Kaserne: Aus Soldatenstuben werden Wohnungen

Der städtebauliche Wettbewerb startet in Kürze. Der Juryentscheid folgt im Dezember


Paderborn. Abgewetzte Teppiche in den Stuben, verranzte Schränke in den Küchen und wenig einladende Bäder und Toiletten. Dagegen erstrahlt jede Jugendherberge mindestens als 3-Sterne-Hotel. Doch so sieht's aus, wo jahrzehntelang Soldaten untergebracht waren - und künftig hochpreisiger Wohnraum entstehen soll. Das Ambiente ist toll, aber es muss mächtig viel getan werden. Dies wurde bei einer Führung durch die Alanbrooke-Kaserne während der "Netzwerk Zukunft"-Veranstaltung der Volksbanken in den Kreisen Paderborn, Höxter und Lippe deutlich. In der Alanbrooke-Kaserne hat der Paderborn-Brexit begonnen. Die ersten 700 britischen Soldaten mit ihren Familien sind seit kurzem weg. In den nächsten Jahren werden auch die Soldaten aus der Dempsey-, Normandy-, Athlone- und Barker-Kaserne fortgehen und insgesamt 1.600 Wohnungen leerstehen. Ein Drittel davon könne laut einer Bewertungsampel der Stadt Paderborn so bleiben, sagte Bürgermeister Michael Dreier bei der Volksbank-Veranstaltung. Ein zweites Drittel müsse saniert, das letzte Drittel abgerissen werden. Für alle frei werdenden Kasernenflächen muss eine Nachnutzung gefunden werden. So sollen allein auf dem 18 Hektar großen Areal der Alanbrooke-Kaserne an der Elsener Straße 800 Wohnungen entstehen. Hinzu kommen üppige Flächen für Dienstleitungen und ein Park im Bereich des Exerzierplatzes. Dreier sprach von einem "urbanen Quartier" in nur 1.400 Metern Entfernung zum Stadtzentrum. "Ich bin überzeugt, dass wir eine gute Konzeption hinbekommen - auch für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude", sagte Dreier. Es kämen bereits Interessenten auf die Stadt zu. Insgesamt bleiben elf Gebäude im nördlichen Kasernenbereich erhalten: Das Eingangsgebäude, zwei Mannschaftsgebäude und das Unteroffizierskasino stehen komplett unter Denkmalschutz, bei sechs weiteren Bauten sind die Fassaden und Treppenhäuser geschützt, bei einem Teil ist es nur die Fassade. Auch die Einfriedung entlang der Elsener Straße und Giefersstraße ist geschützt. Im südlichen Bereich des Areals wird dagegen großflächig abgerissen - ob Werkstätten und Fahrzeughallen, Magazin, Schießstand oder Tankstelle. Zusammen mit dem künftigen Wohnungsangebot soll auch eine sechsgruppige Kita für 120 Kinder entstehen. Denkbar sei sowohl eine Unterbringung in einem der denkmalgeschützten Gebäude als auch ein Neubau. In der Frage, wie die Alanbrooke-Kaserne zukünftig einmal aussehen soll, wird es derweil ernst. Am kommenden Donnerstag wird der Auslobungstext des städtebaulichen Wettbewerbs an die teilnehmenden Büros versandt. In der Sitzung des Bauausschusses des Stadtrats am Donnerstag bewilligten die Mitglieder diesen Text, ergänzten ihn aber in einem entscheidenden Punkt: Ursprünglich sollte die Zufahrt über das bestehende Eingangstor zum Kasernengelände an der Elsener Straße nur Fußgängern und Radfahrern offen stehen, weil das Verkehrsaufkommen dort ohnehin schon sehr hoch ist. Zufahrten für den motorisierten Verkehr sind für die Giefersstraße, die Erzbergerstraße und die Theodor-Heuss-Straße vorgesehen. Auf Anregung der CDU sollen die Planungsbüros nun aber doch Vorschläge machen dürfen, wie der Autoverkehr von der Elsener Straße auf das Gelände geleitet werden könnte, um diese Möglichkeit nicht von vornherein auszuschließen. Bereits Mitte November müssen die Planunterlagen eingereicht werden. Das Preisgericht entscheidet am 14. Dezember. Fünf Tage später werde alle Entwürfe in einer Ausstellung präsentiert. Die Wettbewerbsergebnisse sind die Grundlage für den von Gutachtern zu ermittelnden Wert des Areals. Dieser wird entscheidend sein, ob die Stadt Paderborn ihre sogenannte Erstzugriffsoption ziehen kann, den Komplex selbst erwirbt und vermarktet und damit die besten Regulierungsmöglichkeiten hat. Oder ob die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Vermarktung übernimmt. Voraussetzung dafür ist auch, dass das Land oder der Bund der BImA keinen eigenen Bedarf mitteilen. Bisher gebe es jedoch keine Signale in diese Richtung, sagte Paderborns Technische Beigeordnete Claudia Warnecke. Für sie soll Alanbrooke das Muster werden, wie Paderborn mit der Konversion umgeht. Mit Blick auf die kommenden Kasernen und auswärtige Investoren hätte die Stadt ein Vorzeigeprojekt. Bei einem zu erwartenden Quadratmeterpreis für Eigentum von 3.500 Euro ist in jedem Fall eine sukzessive Vermarktung sinnvoll. Doch noch sind die Briten nicht ganz raus der Kaserne. Zehn Soldaten sorgen dafür, dass das Areal am 12. September besenrein an die BImA übergeben werden kann.

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