Blick aus der Vogelperspektive: Ursprünglich sollte die Stadtverwaltung in den denkmalgeschützten Kasernengebäuden im nördlichen Bereich (oben im Bild) Einzug halten. Wird daraus nichts, könnte vor allem in den historischen Bauten auf Seiten der Giefersstraße (rechts, oberhalb der Firma dSpace) zusätzlicher Wohnraum entstehen. - © G. Viele
Blick aus der Vogelperspektive: Ursprünglich sollte die Stadtverwaltung in den denkmalgeschützten Kasernengebäuden im nördlichen Bereich (oben im Bild) Einzug halten. Wird daraus nichts, könnte vor allem in den historischen Bauten auf Seiten der Giefersstraße (rechts, oberhalb der Firma dSpace) zusätzlicher Wohnraum entstehen. | © G. Viele

Paderborn 800 Wohnungen auf Alanbrooke-Gelände

Neues Quartier in der Stadt: Kasernengebäude mit Balkonen und Außenaufzügen. Preise für Wohnraum in denkmalgeschützten Gebäuden werden wohl teuer

Paderborn. An diesem Donnerstag entscheidet der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause über den neuen Sitz der Stadtverwaltung. Aller Voraussicht nach wird es beim Tagesordnungspunkt 3 eine dünne Mehrheit für die Standorte Hoppenhof und Abdinghof geben, womit das Gelände der Alanbrooke-Kaserne vom Tisch wäre. Um die Nachnutzung dieses Areals an Elsener- und Neuhäuser Straße geht es denn auch schon in TOP 5. Über das "Strukturkonzept 2016" und das weitere Vorgehen bei der Alanbrooke-Kaserne, die am 12. September, also in knapp elf Wochen, von den Briten übergeben wird, soll der Stadtrat abstimmen. Im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt hatte es bei diesem Thema in der letzten Woche noch Beratungsbedarf gegeben. Waren auf dem 18 Hektar großen Areal bislang 500 bis 600 neue Wohneinheiten im südlichen Teil angedacht, könnten bis zu 200 weitere Wohnungen in den ursprünglich für die Verwaltung vorgesehenen, elf denkmalgeschützten Gebäude im Norden realisiert werden. An einem dieser Kasernengebäude habe man die architektonische Umsetzbarkeit beispielhaft geprüft, erläuterte Konversionsbeauftragter Thomas Juergenschellert im Bauausschuss. Realisierbar seien alternativ sowohl Geschosswohnungsbau mit Flächen von 85 bis 135 Quadratmetern, relativ große Reihenhäuser und Etagenwohnungen, studentisches Wohnen mit 22 Kleinwohnungen sowie Betreutes Wohnen mit Gemeinschaftsbereichen oder ebenso eine Büro- beziehungsweise Praxisnutzung in Klein- und Großstrukturen. Vor allem bei der Reihenhauslösung ergäben sich allerdings "Komforteinbußen": private Freiflächen wären sehr knapp bemessen, Stellplätze für Autos nahe am Gebäude nicht möglich. Insgesamt seien die Anforderungen an Sanierung und Umbau für die Wohnnutzung "erheblich". Sichtbare und herausfordernde Eingriffe in die denkmalgeschützten Fassaden für Balkone und außenliegende Aufzüge wären ebenso nötig wie eine ausreichende Belichtung, denn die historischen Bauten haben eine große Gebäudetiefe. "Man kann daher davon ausgehen, dass die Wohnungen in einem höherpreisigen Segment liegen werden", sagte Thomas Jürgenschellert. Für die Wohnnutzung bieten sich angesichts der ruhigen Lage und ihrer Westausrichtung wohl vor allem die denkmalgeschützten Gebäude entlang der Giefersstraße an. Hingegen sind die Bestände entlang der Erzbergerstraße eher für einen Mix aus Büro und Wohnen geeignet. Für den Gesamtstandort soll eine Mischung aus "Wohnen und Dienstleistungen" realisiert werden. Wobei Flächen für geförderten Wohnungsbau, für den in Paderborn großer Nachholbedarf besteht, ebenso geplant sind wie Inklusives Wohnen und Generationen-Projekte. Angesichts von künftig 1.600 bis 2.200 Bewohnern ist auf dem Areal auch eine Kindertagesstätte geplant. "Grüne Achsen" sollen im neuen Stadtquartier sowohl in Nord-Süd- als auch in Ost-West-Richtung verlaufen. Und eine besondere Stellung bekommt der ehemalige Exerzierplatz, wo der Mittelpunkt des neuen Quartiers entstehen könnte. Der Stadtrat wird am Donnerstag (17 Uhr, Rathaus) im Rahmen des Konzeptes auch über die Erstzugriffsoption für die Alanbrooke-Kaserne abstimmen. Damit erhält sich die Stadt die Möglichkeit, das Areal zum gutachterlich ermittelten Verkehrswert von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zu kaufen. Die Erstzugriffsoption verpflichtet jedoch noch nicht zum Kauf dieser Kaserne - die Entscheidung darüber fällt erst zu einem späteren Zeitpunkt.

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