Unter Denkmalschutz: Die pitoresken Bauten in der Alanbrooke-Kaserne sollen als Gesamt-Ensemble erhalten bleiben. Nach dem ursprünglichen Ratsbeschluss sollte hier die Stadtverwaltung einziehen. - © holger kosbab
Unter Denkmalschutz: Die pitoresken Bauten in der Alanbrooke-Kaserne sollen als Gesamt-Ensemble erhalten bleiben. Nach dem ursprünglichen Ratsbeschluss sollte hier die Stadtverwaltung einziehen. | © holger kosbab

Paderborn Einstimmig für Alanbrooke

Paderborner Debatte: Leser setzen sich entschieden für den Umzug der Stadtverwaltung in die Alanbrooke-Kaserne ein

Paderborn. Das ist deutlich: Alle Leserinnen und Leser, die spontan ihre Meinung zum neuen Standort der Stadtverwaltung an die NW schickten, setzen sich für die Alanbrooke-Kaserne ein. Sie alle halten den Umzug an den Hoppenhof für die falsche Entscheidung. Ebenso wie der Paderborner Heimatverein (siehe Samstagausgabe). Im folgenden dokumentieren wir weitere Stimmen, darunter auch eine Reihe von SPD-Mitgliedern. "Ich bin für die Alanbrooke-Kaserne. Dort gibt es historische Gebäude und das Gelände ist zentral gelegen, so dass es von der Kernstadt, von Elsen und Schloß Neuhaus aus per Bus und Pkw gut erreichbar ist", betont z.B. der Paderborner Manfred Eggers. "Aus meiner Sicht spricht aus Stadtentwicklungsgesichtspunkten alles für einen zukünftigen Standort am Abdinghof und in der ehemaligen Alanbroke-Kaserne. Die Kostenargumente sind für mich nicht überzeugend begründet. Ganz unverständlich ist die Argumentation nach der mögliche Landeszuschüsse dann für andere Konversionsaufgaben nicht mehr zu haben wären", ergänzt Georg Israel und Thomas Stollburges, "stimmt ebenso für die Alanberooke-Kaserne" wie Meint-Uden Carstensen, Rino Storer und SPD-Fraktionschef Franz-Josef Henze. "Ich stimme eindeutig für Alanbrooke, weil es fußläufig erreichbar ist und eine sinnvolle Nutzung des Gebäudes mit sich bringen würde. Hoppenhof ist zu weit aus dem Schuss und außerdem in einem maroden Zustand. Keiner weiss genau, mit was für Kosten das verbunden wäre", schreibt Julia Lakirdakis-Stefanou. "Die Alanbrooke-Kaserne ist aus städtebaulicher Sicht die beste Lösung", meint Heinz Stöcker und Hilke Lenzing schreibt: "Ich bin für den Standort Alanbrooke Kaserne. Ausschlaggebend sind städtebauliche Gründe, Zuschüsse vom Land und Nachhaltigkeit. Unter keinen Umständen soll die Verwaltung in den Hoppenhof, viel zu weit weg und jetzt schon ein Sanierungsfall." Weitere Meinungen zum Thema: "Die selbstherrliche Art des Bürgermeisters sowie der CDU-Fraktion führt meines Erachtens zu noch mehr Politikverdrossenheit in der Bevölkerung. Mit Erstaunen nahm ich zur Kenntnis, dass sich inzwischen auch die Verwaltungsspitze voll hinter die Variante Hoppenhof stellt und konterkariert damit die in letzter Zeit vorbildlichen Ansätze einer frühzeitigen Bürgerbeteiligung. Der Frust der Menschen, die sich mit viel Engagement in die Planungen in Form von runden Tischen und Workshops eingebracht haben, wird nachhaltig sein und hoffentlich bis zu den nächsten Wahlen anhalten." Dieter Dubisch "Wir erleben gerade ein Lehrstück zum Thema ,Entstehung von Politikverdrossenheit?. Da wird die Paderborner Bevölkerung mit Bussen durch das Gelände der Alanbrooke-Kaserne gefahren, ,darf? an Umgestaltungsplänen teilnehmen. . . Und wozu? Damit wie aus dem großen Zylinder die Orgagebäude gezogen werden. Kaum einer wusste vor der Debatte, wo die überhaupt genau stehen, geschweige denn weiß, wie man da ohne Auto hin kommt. Aber aufgrund einer ominösen Langzeitberechnung angeblich billiger. Da bleiben Fragen offen: Wer profitiert vom Ankauf der Orgagebäude durch die Stadt? Wer erhofft sich Profit von einer geplanten Privatisierung der Kasernengebäude? Wem die Kaserne nicht innerstädtisch genug ist, muss sich fragen lassen, welche Vorteile das Orgagebäude bietet. In 50 Jahren wird das vermutlich abrissreif sein (moderne Industriegebäude sind nunmal nicht für die Ewigkeit gedacht) und die Kaserne wird dannn immer noch stehen. Es sei denn, man lässt sie gezielt vergammeln. . . " Sigrid Franz "Ich halte die Nutzung der Kaserne aus 1. städtebaulicher, 2. finanzieller und 3. bürgerfreundlicher Sicht für das Beste. Die alte Kaserne gehört einfach zu Paderborn, ihre alternative Nutzung steht bisher in den Sternen. Der Umbau wird bezuschusst, der bauliche Zustand des ,Hoppenhofs? scheint eher marode zu sein, die Berechnungen der Kosten eines Umbaus scheinen mir für beide Objekte nicht besonders seriös, dazu liegt sie wesentlich näher am Stadtzentrum. Meine Meinung zum Thema: unbedingt die Stadtverwaltung in die Alanbrooke-Kaserne!" Katharina Mitlehner "Die Argumente des Herrn Henze sind für mich nachvollziehbar und einleuchtend. Die Stadtverwaltung gehört mit besten ÖPNV Anbindungen in die Innenstadt. Die Sparkasse mit ihrem Neubau am Maspernplatz hat negativ erlebt wie unattraktiv es ist, wenn man nicht ganz in der Nähe des Zentrums liegt. Das Kostenargument des Herrn Mertens sticht bei einer Nutzungsdauer von 50 Jahren gar nicht. Das alte Rathaus wäre nicht an der Stelle entstanden, wenn unsere Vorfahren so kurzfristig und kleinmütig gedacht hätten. In Paderborn wird pro Jahr sicherlich für weniger wichtige Maßnahmen mehr Geld ausgegeben, siehe nur Umbau des Domplatzes. Hoffentlich haben einige Ratsherren der CDU noch genügend gesunden Menschenverstand und fügen sich nicht der Fraktionsdisziplin." Ulrich Blömeke "Man muss sich schon sehr wundern, wie Bürgermeister Michael Dreier und die Mehrheitsfraktion der CDU bei der Frage nach dem zukünftigen Standort der Stadtverwaltung agieren. Bei dieser Jahrhundertentscheidung, wie der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Josef Hackfort unlängst formulierte, werden alle im Konsens getroffenen und parteiübergreifenden Entscheidungen einfach beiseite gefegt. Von dieser Entscheidung werden mehrere Generationen betroffen sein. Ist es da sinnvoll und verantwortlich dies gegen große Teile der Politik, und ich würde behaupten, auch der Bevölkerung, zu treffen? Es war eine große Leistung von Altbürgermeister Heinz Paus, bei dem Beschluss, die Alanbrooke-Kaserne zukünftig für die neue Stadtverwaltung zu nutzen, auf einen breiten Konsens zu setzen. Interfraktionelle Arbeitsgruppen haben mehrere Monate zusammengearbeitet. Die Opposition sollte sich die Frage stellen, ob sie in Zukunft an dieser Form der Zusammenarbeit noch teilnehmen wird, wenn die Ergebnisse nach Belieben gekippt werden. Umfangreiche, teure Untersuchungen wurden in Auftrag gegeben, ein überzeugendes Konzept berücksichtigte die gute städtebauliche Gesamtsituation des Umfeldes. Übergreifend sollte der Bereich Rathenaustraße, das Riemekeviertel und das Gelände der Alanbrooke-Kaserne überplant werden. Die Paderborner und Paderbornerinnen wurden einbezogen. Eine Bürgerwerkstatt wurde eingerichtet. Dort wurden Vorschläge diskutiert und Perspektiven entwickelt. Für den Schwenk von Bürgermeister Dreier und der CDU Fraktion, ohne erneute ausreichende Beteiligung der Bürger/innen und der Opposition, werden die meisten kein Verständnis haben. Einen Bürgerentscheid halte ich für diese, die Stadt verändernde Entscheidung, für dringend geraten. Wenn also ein solcher Konsensbeschluss so ohne weiteres verändert wird und auch keine ausreichende Beteiligung mehr vorgesehen ist, muss man in der Tat über die tatsächlichen Gründe spekulieren. Was passiert im Hintergrund? Welche Interessen oder Interessenten spielen hier eine Rolle, über die uns der Bürgermeister nicht informiert? Die Finanzfrage kann es bei dieser Entscheidung im Kern nicht sein. Wenn ja, fehlt Bürgermeister Dreier und der CDU Fraktion tatsächliche eine ausreichende Vision, wie sich die Stadt nicht nur kurzfristig entwickeln soll. (...) Ähnlich bei der Standortfrage der Stadtverwaltung. Ohne eine Antwort auf die wichtige Frage, was mit der Alanbrooke-Kaserne und dem Umfeld geschehen soll, geben zu können, sollen schon mal Fakten geschaffen werden. Ein mit Weitsicht überplantes Gesamtkonzept sieht anders aus. Es muss einem Angst und Bange werden, wenn man an die weiteren, schwierigen Fragen denkt, die in den nächsten Jahren im Zuge der Konversion beantwortet werden müssen. Rainer Rings

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