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Aus ameus wurde Leonex: Stephan Winter in seinem Büro vor einer künstlerischen Interpretation der Firmenlogos. - © Hans-Hermann Igges
Aus ameus wurde Leonex: Stephan Winter in seinem Büro vor einer künstlerischen Interpretation der Firmenlogos. | © Hans-Hermann Igges

Paderborn Internetagentur bietet Maßarbeit statt Konfektionsware

Gründerszene Paderborn (7): Stephan Winter machte sich schon mit 18 Jahren als Provider selbständig. Inzwischen leitet er mit Leonex die größte Internetagentur in Paderborn

Hans-Hermann Igges
23.06.2016 | Stand 22.06.2016, 19:06 Uhr

Paderborn. Eine Krise? Nein, eine Krise hat die Firma mit dem Löwen im Logo zum Glück noch nicht erlebt. Beständig ging es aufwärts - gediegenes Wachstum auf ostwestfälische Art. Inzwischen hat die Internetagentur Leonex 28 Mitarbeiter und peilt mit einem Jahresumsatz von 1,6 Millionen Euro knapp 20 Prozent mehr als 2015 an. Damit ist sie der Branchenprimus in Paderborn. Geschäftsführer Stephan Winter (35) ist bei allem Gründerelan eine gewisse Zufriedenheit anzumerken. Darüber, dass die Aufwärtsgerade ohne Wachstumsdelle geblieben ist. Über ein gutes Betriebsklima. Über flache Hierarchien und eine geringe Fluktuation. Es ist die Befriedigung, schon in jungen Jahren eine große Herausforderung gemeistert zu haben: Das zumindest gefühlte Risiko, das wachsende feste Personalkosten mit sich bringen. Denn damit ergab sich plötzlich auch ungewohnter Druck, neue Kunden zu gewinnen. Der löste, so gibt Stephan Winter heute zu, wahre Horrorvorstellungen in seinem Kopf aus. Inzwischen kommen die Kunden meist von alleine. Es sind große Kunden mit guten Namen und fünf- bis sechsstelligen Projektetats. Mit Aufträgen, die keine Eintagsfliegen sind, sondern wiederholte Betreuung verlangen. Von Dr. Kurt Wolff in Bielefeld ("Alpecin"), dem SC Paderborn, lokalen Größen wie Finke oder dem Kommunikationsriesen Vodafone. Winter: "Den Durchbruch brachte 2012 der Auftrag für die Neugestaltung des Onlineshops der Herforder Modefirma bugatti. Damit hatten wir ein richtig gutes Referenzobjekt, bei dem wir erstmals in allen Disziplinen zeigen konnten, was wir können: Konzept, Design und Online-Marketing." Danach blieb Winter vor allem einem Rezept treu: "Bei uns gleicht kein Internetshop dem anderen. Jeder bekommt seine individuelle Lösung." Mit dem bugatti-Projekt standen aber auch plötzlich 18 Mitarbeiter auf der Lohnliste des jungen Unternehmens - genau der Stoff fürs Kopfkino von Stephan Winter. Zum Glück konnte sich der Informatiker Rat holen bei einem befreundeten Paderborner IT-Unternehmer. Durch besseres Controlling gewann er Souveränität und innere Ruhe zurück. "Dass ich gerne unternehmerisch tätig sein würde, wusste ich schon mit 17, 18 Jahren", sagt der studierte Informatiker Stephan Winter. Da jobbte er in einer Designagentur und kaufte sich einen ersten eigenen Server in Düsseldorf. So betätigte er sich als Internetprovider für eine zahlreicher werdende Kundschaft aus Vereinen, Privatleuten und kleinen Unternehmen. Sie alle brauchten für ihre ersten Online-Auftritte Platz auf einem Großrechner mit Internetzugang. Winter: "Das lief bald so gut, dass ich damit mein Studium und sogar ein Auto finanzieren konnte." Pflegeleicht war das Geschäft auch noch: Als der Paderborner zwischen Bachelorabschluss und Master-Studiengang für ein Jahr zum Studieren nach Australien wollte, überlegte er erst, seine Firma deswegen aufzulösen. Doch am Ende war das gar nicht nötig, der Betrieb lief einfach weiter. Winter verlor nicht einen einzigen Kunden. Zurück aus Australien folgte der Master-Student 2006 der Empfehlung des schon erwähnten Freundes aus der IT-Szene, sich endlich ein eigenes Büro zuzulegen. Kurz darauf folgte direkt der erste Auszubildende. "Die Ausbildung bestand im Prinzip darin, Projekte gemeinsam zu bearbeiten", erinnert er sich. Ende 2007 machte der Paderborner aus seinem damaligen Einzelunternehmen "ameus" - den Namen hatte Stephan Winter willkürlich gewählt - eine GmbH. Das sollte vor allem gut für einen seriösen Ruf sein. 2008 kam ein zweiter Auszubildender hinzu. Stephan Winter: "Wir konzentrierten uns auf eine Nische: die Bereitstellung der technischen Infrastruktur für Internetradios." Mit Erfolg: Nach zwei Jahren war man mit über 1.000 Kunden einer der größten Anbieter. So groß, dass das zweite Standbein 2010 als Firma namens Streamplus eine eigene Ausgründung wurde. Mit dem wachsenden Erfolg holte Stephan Winter 2010 ein Thema ein, für das er anfangs nur eine Art zweitbeste Lösung gefunden hatte: Das des passenden Namens. Ein Unternehmen aus dem süddeutschen Raum war nämlich an Winters ameus GmbH herangetreten und hatte auf seinen eigenen, ähnlich klingenden gepocht. Um teuren Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen, zog Winter sich mit seinem Team zu einer Namenskonferenz zurück. Geboren wurde die Leonex Internet GmbH; aus Streamplus wurde dabei kurzerhand Xenoel - also irgendwie auch Leonex, aber von hinten nach vorne gelesen. Doch damit ist die Unternehmensstory von Stephan Winter noch nicht zu Ende: 2013 ergab sich die Chance, aus einem Projekt einen ersten eigenen Internetshop aufzubauen. Inzwischen drei Mitarbeiter verkaufen bundesweit Gastronomiegeräte vom Pizzaofen bis zum Dönerspieß. Inzwischen stieg ein externer Investor ein und sorgt für ein größeres Marketingbudget. Stephan Winter sieht auch hier großes Potenzial: "Die Branche digitalisiert sich gerade erst. Das ist unsere Chance. Gleichzeitig erhalten wir auch wertvolle Einblicke, wenn man selbst einen Online-Shop betreibt und nicht nur Dienstleister ist."

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