Paderborn Warum Ingenieur Ahmed abgeschoben werden soll

Mitbegründer der App "Helpu": Ausländerbehörde will Aufenthaltserlaubnis von Mohamed Dahy Ahmed nicht verlängern

Paderborn. Erst vor kurzem hatte diese Zeitung die von Paderborner Studierenden und Programmieren aus Ägypten entwickelte App "Helpu" vorgestellt. Die mobile Smartphone-Applikation versteht sich als Hilfsnetzwerk und soll Flüchtlinge, ehrenamtliche Helfer sowie Hilfsorganisationen miteinander verbinden. Nun fühlt sich ein Kopf dieser App selbst völlig hilflos - die Ausländerbehörde plant, den 27-Jährigen "unter Androhung der Abschiebung zur Ausreise aufzufordern". Mohamed Dahy Ahmed hat seinen Bachelor in Elektrotechnik in seinem Heimatland Ägypten gemacht und kam im Herbst 2011 nach Deutschland, um nach einem sechsmonatigen Deutschkurs hier sein Masterstudium zu absolvieren. Im September 2014 schloss der von der Heinrich-Böll-Stiftung geförderte Ägypter an der Universität Paderborn die Masterprüfung "Joint Studies of Applied Mechatronics" mit der Gesamtnote 1,7 ab. Seither arbeitet der Ingenieur freiberuflich als Power-Point-Designer, ist Initiator der App Helpu und war ein halbes Jahr als Flüchtlingsbetreuer bei den Maltesern im Einsatz. "Die Flüchtlinge sind die Nutzer dieser App, wir müssen ja wissen, welche Informationen sie brauchen", sagt Ahmed. Seinen Lebensunterhalt verdient er selbst, Transferleistungen bezieht er nicht. Sein Berufswunsch in Deutschland: Sozialunternehmer in der Flüchtlingshilfe. Voraussetzung dafür ist allerdings eine entsprechende Aufenthaltserlaubnis. Weil Ahmed an einer deutschen Universität ein Studium erfolgreich abgeschlossen hat, konnte die Aufenthaltserlaubnis für die Arbeitsplatzsuche bis zu 18 Monate verlängert werden. Die sind nun rum. Jetzt könnte ihm als ausländischer Absolvent der Uni Paderborn auch als selbstständiger Unternehmer eine weitere Aufenthaltsgenehmigung erteilt werden. Doch das hat die Ausländerabteilung des Amtes für öffentliche Ordnung offenbar nicht vor. Die geplante Selbstständigkeit muss einen Zusammenhang mit den im Studium erworbenen Kenntnissen erkennen lassen, heißt es in einem Schreiben der Ausländerbehörde, die sich auf Paragraf 21, Absatz 2, Aufenthaltsgesetz bezieht. Doch solch einen Kontext erkennt man in der Behörde nicht. Die von Ahmed beabsichtigte Tätigkeit im Verwaltungsbereich einer Kommunikation- und Dienstleistungsplattform "lässt jeden Zusammenhang zu Ihrem Studium vermissen." Außerdem sei nicht gewährleistet, dass Ahmed seinen Lebensunterhalt sicherstellen könne. "Es sei noch "völlig spekulativ", aus welchen Einnahmen ihm für die Projektverwaltung von "Helpu" ein Gehalt gezahlt werde. Das Projekt sei auch nach 1,5 Jahren überwiegend auf Sponsoren und Spenden angewiesen. Darum beabsichtige man, den Antrag auf Aufenthaltserlaubnis abzulehnen. Mohamed Dahy Ahmed wäre damit zur Ausreise verpflichtet. "Das Ausländeramt kann das fachlich nicht beurteilen", ist Mohamed Dahy Ahmed entrüstet. Und frustriert. Ein Schwerpunkt seines Studiums sei Innovations- und Entwicklungsmanagement gewesen. Selbst auf seine ausdrückliche Bitte hin habe es das Amt abgelehnt, den Zusammenhang zwischen Studium und Unternehmertum von fachlich versierter Stelle prüfen zu lassen. Dabei heißt es in Durchführungsanweisungen für das Aufenthaltsgesetz: "Die Ausländerbehörde hat bei der Prüfung der Erteilung eines Aufenthaltstitels für selbstständige Tätigkeit fachkundige Körperschaften zu beteiligen". "Weiß man in der Ausländerbehörde, was ein Start-up ist?", fragt sich Mitstreiter Christoph Hesse aus dem multinationalen Team mit Blick auf die finanzielle Ausstattung des Projektes. Es sei normal, anfangs auf staatliche Töpfe und Sponsoren angewiesen zu sein. "Ich habe ein 16 Personen starkes Team aus fünf Nationen zusammengebracht und Hunderte Stunden Arbeit investiert, um meinen Beitrag zu der Bewältigung der Flüchtlingskrise zu leisten", sagt der Ingenieur Ahmed. "Wir haben mit der App vier Wettbewerbe gewonnen, werden als Jungunternehmer von mehren Entrepeneurship-Zentren und Inkubatoren wie der Non-Profit-Organisation Enpact in Berlin unterstützt und haben Helpu unter anderem in der Düsseldorfer Staatskanzlei präsentiert", betont Christoph Hesse: "Es ist doch absurd, dass wir jetzt den Kopf des Projekts verlieren sollen." Der Paderborner Rechtsanwalt Dirk von Glahn vertritt Mohamed Dahy Ahmed und hat bei der Ausländerbehörde bereits um Prüfung gebeten. Eine Antwort liegt ihm noch nicht vor. Das Amt für öffentliche Ordnung selbst äußert sich auf Nachfrage dieser Zeitung in dem laufenden Verfahren nicht.

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