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Paderborn Meiler soll Klärschlamm durch Eindampfen ungefährlich machen

Probebetrieb: Firma aus Niedersachsen will beim Paderborner Stadtentwässerungsbetrieb eine Pyrolyse-Anlage testen. Ein Wissenschaftler der Uni Paderborn hält große Stücke auf die Technik. Damit will man künftig auch Phosphor gewinnen

Hans-Hermann Igges
13.05.2016 | Stand 12.05.2016, 19:20 Uhr

Paderborn. Bisher ist Klärschlamm vor allem Eines: Teuer. Der Stadtentwässerungsbetrieb Paderborn (Steb) muss jährlich eine Million Euro aufwenden, um bis zu 15.000 Tonnen in Verbrennungsanlagen zu entsorgen. Ein Jahr lang soll nun eine dezentrale Kleinanlage getestet werden, die bis zu 5.000 Tonnen Schlamm in 500 Tonnen ungefährlichen Restmüll verwandelt. Der Clou: Die Anlage kostet den Steb nichts. Und: Im Rest steckt Phosphor. Phosphor ist ein lebenswichtiger Mineralstoff. Weil die natürlichen Ressourcen endlich sind, soll langfristig die Hälfte des jährlich benötigten Phosphors aus Rückständen heimischer Kläranlagen zurückgewonnen werden. Und zwar mit Pyrolyse-Anlagen. Sie dampfen mit eigenem Faulgas den Klärschlamm unter Luftabschluss ein - ähnlich wird in Meilern aus Holz Kohle. Solche Anlagen sind allerdings noch teuer. Die Anlage, die jetzt in Paderborn zum Einsatz kommen soll, gehört der Firma Meuser und Wirtz in Sarstedt bei Hannover. Sie übernimmt die Kosten für den Aufbau in Paderborn, bekommt aber auch Forschungszuschüsse dafür. Reiner Numrich, Professor an der Universität Paderborn und als Ingenieur Spezialist für Klärschlammbehandlung, wird den Betrieb begleiten. Er hält die Technik, die er jetzt vor dem Betriebsausschuss des Stadtrates vorstellte, für ausgereift: "Die Anlage funktioniert. Jetzt geht es darum, sie im Dauerbetrieb zu testen." Raimund Prenger, Leiter des Steb, beziffert die Kosten für die Klärschlammbehandlung durch die Anlage als genau so hoch wie die derzeitigen Entsorgungskosten. Es gehe darum, sich jetzt schon mit Alternativen zu beschäftigen, weil die Entsorgungskosten in Zukunft steigen würden.

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