Alanbrooke-Kaserne. - © Schultheiß
Alanbrooke-Kaserne. | © Schultheiß

Paderborn Alanbrooke-Kaserne: Die Uhr tickt

Schon bevor die Briten ausziehen, muss die Stadt wissen, ob sie das Gelände kaufen will. Entsprechend soll noch vor der Sommerpause auch die Standortfrage für die Stadtverwaltung geklärt sein

Paderborn. 18 Hektar, sage und schreibe 180.000 Quadratmeter, und die auch noch in bester Lage: Das Gelände der Alanbrooke-Kaserne an der Elsener Straße ist ein ziemlicher Filetbrocken für Stadtentwickler und alle potenziellen Investoren. Langsam aber sicher tickt die Uhr, die Zeit der Entscheidungen naht. Was passiert langfristig mit dem Gelände, nachdem die Briten, wie angekündigt, zum 12. September die Kaserne räumen? Claudia Warnecke, Technische Beigeordnete und damit erste Planerin der Stadt Paderborn, rechnet bereits für September mit Post von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma). Darin enthalten ein exklusives Kaufangebot, ohne dass die Liegenschaft gleichzeitig anderen angedient würde. Und zwar auf der Grundlage eines ganz normalen Verkehrswertgutachtens. "Wir haben dann sechs Monate Zeit, unser Interesse zu bekunden. Wenn wir nein sagen, werden andere zum Zuge kommen, und zwar per Bieterverfahren", sagte Claudia Warnecke jetzt vor dem Planungs- und Bauausschuss des Stadtrates. Aber auch wenn man das Interesse bekunde, bedeute das nicht automatisch, dass man kaufe, sondern nur, dass man darüber verhandle, stellte Warnecke klar. Das Gelände werde nur als ganzes angeboten. Eine Nutzung wäre laut Gutachten möglich Als Entscheidungsgrundlage hat man sich seitens der Stadt mit dem Potenzial der Kaserne beschäftigt: Sollte - und davon gehen inzwischen viele aus - trotz aller städtebaulichen Argumente dort nicht die Stadtverwaltung einziehen, käme nur eine Entwicklung als Wohn- und Bürostandort in Frage. Die Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine Nutzung der 13 Gebäude im nördlichen Bereich architektonisch möglich wäre - trotz einiger Einschränkungen durch Denkmalschutz, Bausubstanz, Umbaukosten und im Falle von Büros eher weniger großer Marktnachfrage. Insgesamt eigne sich der nördliche Teil mit den 13 Kasernengebäuden zum Wohnen und der südliche Teil für einen Mix aus Wohnen und Büros. Unterdessen soll nach dem Willen von Bürgermeister Dreier eine Entscheidung über den Standort der Verwaltung bis 30. Juni fallen. Offenbar befinden sich die Kaufpreis-Verhandlungen mit den Eigentümern der ehemaligen Orga-Immobilie am Hoppenhof, wo sich die Stadtverwaltung bereits großflächig eingemietet hat, auf der Zielgeraden. Ab 2019 stünde das Gelände zur Verfügung Eine solche Entscheidung machte die Technische Beigeordnete vor dem Ausschuss zur Voraussetzung für die Ausschreibung eines städtebaulichen Wettbewerbs über die Entwicklung des Alanbrooke-Geländes Mitte Juli. Sollte die Stadt sich für den Kauf des Geländes entscheiden, würde dies nach heutigem Stand erst zum 1. Januar 2019 zur Verfügung stehen. Zunächst will das Land dort für zwei Jahre eine Notunterkunft für Flüchtlinge einrichten. Das wurde Mitte März bekannt gegeben. Andere Notunterkunft-Pläne (so in einer Kaserne in Minden) wurden inzwischen aber schon abgesagt. Kommentar Einmalige Chance Andere Städte werden Paderborn beneiden um so viel Potenzial mitten in der Stadt. Die Verwaltung wäre dort nach wie vor bestens aufgehoben. Doch der Drops scheint gelutscht. Um so wichtiger sind kluge Ideen. Dabei müssen die Anwohner mit ins Boot, Ansätze hat es bereits gegeben. Die Chance zum Zugriff ist einmalig, sie sollte unbedingt genutzt werden.

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