Unterkunft im Baumarkt: Mit bunten Farben bemalten Flüchtlinge und Schüler die Wände im ehemaligen Praktiker in Elsen. Die Einrichtung ist derzeit nur zur Hälfte ausgelastet, was auch für die Bewohner Entspannung und mehr Privatsphäre bedeutet. - © Marc Köppelmann
Unterkunft im Baumarkt: Mit bunten Farben bemalten Flüchtlinge und Schüler die Wände im ehemaligen Praktiker in Elsen. Die Einrichtung ist derzeit nur zur Hälfte ausgelastet, was auch für die Bewohner Entspannung und mehr Privatsphäre bedeutet. | © Marc Köppelmann

Paderborn Flüchtlingssituation in Paderborn entspannt sich

Im Sommer könnten deshalb die letzten beiden Gruppenunterkünfte in Sporthallen geschlossen werden

Birger Berbüsse

Paderborn. Die Zahl der Neuzuweisungen von Flüchtlingen hat sich für Paderborn "tatsächlich deutlich entspannt". Dies bestätigte der Beigeordnete Wolfgang Walter auf Anfrage der Neuen Westfälischen. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte sich dies im Sommer auf die Unterbringung der Flüchtlinge auswirken. Die Stadt hofft, bald keine Massenquartiere mehr zu benötigen. Insgesamt sind Paderborn laut Walter im laufenden Jahr nur 250 neue Asylsuchende zugewiesen worden. Davon kamen noch im Januar gut 200, danach versiegte der Zustrom. Zum Vergleich: Allein in den ersten beiden Novemberwochen 2015 kamen 400 Flüchtlinge in Paderborn an. Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr will zwar niemand mehr Prognosen abgeben, ob die Zahlen so niedrig bleiben. Walter blickt aber vorsichtig optimistisch in die Zukunft: Zur Jahreshälfte wisse man, ob die internationalen Vereinbarungen greifen und sich auf die Zahlen auswirken, vermutet der Beigeordnete. Darauf setzt auch Walter. Denn dann könnte die Stadt "tatsächlich die eine oder andere Gruppenunterkunft auflösen". Im Blick hat Walter insbesondere die letzten beiden verbliebenen Sporthallen: die der Meinwerkschule am Niesenteich und die Busdorfschule. "Es wäre ein Stück unsere Hoffnung sagen zu können: die brauchen wir nicht mehr", so Walter. Die dort noch untergebrachten Flüchtlinge würden dann in Übergangswohnheime oder Wohnungen untergebracht. Außerdem könnten die Hallen dann wieder dem Schul- und Breitensport zur Verfügung gestellt werden. Danach könnten auch die Unterkünfte in den beiden Containerschulen aufgelöst werden: dies sind die Domschule und der Standort Riemeke des Grundschulverbundes Riemeke-Theodor in der Erzbergerstraße. Diese seien ohnehin nur "von zeitlicher Natur", weil ihre bauliche Struktur eine Unterbringung nur im Sommer ermögliche. Der Rückgang ist auch in den Unterkünften im Stadtgebiet sichtbar: So leben in der Meinwerksporthalle derzeit etwa nur 40 Personen, in der Busdorfschule sind 200 von 300 Plätzen belegt. In der Unterkunft im Elsener Praktiker-Baumarkt sind bei einer Kapazität von 200 nur 120 Menschen untergebracht. "Die Situation ist auch für die betroffenen Personen ganz gut", so Walter. Ein weiterer Grund für die niedrigere Auslastung ist aber auch, dass die Stadt weitere Unterkünfte geschaffen hat. 80 sind es aktuell, darunter mittlerweile viele Wohnungen. Aus dem privaten Bereich gibt es ständig Angebote, auch Häuser sind darunter. "Diese kleinen Einheiten sind auch für die Integration förderlicher", weiß der Beigeordnete. Auch die derzeit sechs Containerstandorte tragen jetzt dazu bei, die großen Gruppenunterkünfte zu entlasten und später rauszunehmen. Bei Bedarf könnten weitere Standorte "aktiviert werden". Auch die Hilfsorganisationen bestätigen den Trend. Die kurz vor Weihnachten in Betrieb genommene Erstaufnahmeeinrichtung in Büren-Stöckerbusch "war noch nie voll", sagt Gerald Donath, Regionalvorstand der Johanniter. Von 800 sind derzeit 550 Plätze belegt. "Wir merken das schon", sagt auch Marius Meyer, Leiter der Malteser Flüchtlingshilfe Westfalen-Lippe. Die 1.000 Personen fassende Einrichtung in Hövelhof-Staumühle ist derzeit gerade einmal zur Hälfte gefüllt. Auf den Betreuungsschlüssel habe dies aber keine Auswirkungen: "Wir müssen immer aufnahmebereit sein." Sollte Arbeitszeit verfügbar sein, werde diese genutzt, um etwa Angebote wie die Kinderbetreuung zu verbessern.

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