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Vor historischer Kulisse: Der Festzug führt um das Schloss herum durch den Barockgarten. - © Marco Schreiber
Vor historischer Kulisse: Der Festzug führt um das Schloss herum durch den Barockgarten. | © Marco Schreiber

Paderborn Paderborns größter Stadtteil feiert 1.000-jähriges Bestehen

Schloss Neuhaus: Mit einem Festakt in der Schlosshalle beginnen die Feierlichkeiten zur schriftlichen Ersterwähnung

Marco Schreiber
04.04.2016 | Stand 03.04.2016, 22:16 Uhr

Paderborn-Schloß Neuhaus. Die grünen Fahnen mit dem Wappen hängen überall. Vor dem Schloss und in den Straßen künden sie vom Jubiläum: Vor 1.000 Jahren wurde Paderborns größter Ortsteil zum ersten Mal schriftlich erwähnt - in der Lebensbeschreibung Bischof Meinwerks. Seine Mutter habe Gut Neuhaus von ihm verlangt, eine verdorbene und boshafte Person, heißt es in der Vita Meinwerci. Michael Pavilicic, der Vorsitzende des Heimatvereins, wird in seiner launigen Festrede davon erzählen, wie die Fürstbischöfe den Ort zur Residenz ausbauten. Zuvor feierten Vertreter der Gemeinde und ihre Gäste am Samstagabend in der Christuskirche einen ökumenischen Gottesdienst. Angeführt vom Spielmannszug lief die Festgesellschaft von dort die Bielefelder Straße hinunter zum Denkmal für Friedrich Sertüner. Schützenbrüder mit Fackeln in den Händen sperrten die Kreuzung vor dem Schloss als Bürgermeister Michael Dreier, der stellvertretende Landrat Vinzenz Heggen und Pavlicic einen Kranz vor die Büste des berühmten Apothekers legten. Sie gedachten damit des 175. Geburtstags des Morphin-Entdeckers. In der Schlosshalle eröffnete Bürgermeister Dreier den Festakt. Neben den Vertretern des öffentlichen Lebens, der Geistlichkeit und der Unternehmerschaft begrüßte Dreier die Neuhäuser Vereine, die das Jubiläumsjahr gemeinsam gestalten. "Sie sind das Rückgrat dieses Jubiläums", sagte er. Den mit 26.000 Einwohnern größten Paderborner Ortsteil lobte er für sein Bildungssystem, die gute Infrastruktur und als starken Wirtschaftsstandort. Gemeinschaftssinn, Selbstbewusstsein und die eigene Identität bezeichnete er als Grundlage für das große Engagement der Bürger. Als Mann, der alle Figuren der Neuhäuser Geschichte kenne, stellte Moderatorin Nicole Stolzenburg schließlich den Festredner vor. Der Historiker Pavlicic hielt sich nur kurz mit den geschichtlichen Fakten seiner Heimatgemeinde auf, die 1974 eingemeindet wurde. Stattdessen präsentierte er saftige Anekdoten und sorgte so für Heiterkeit. Pavlicic erzählte von einem rebellischen Bürgermeister, einem trunksüchtigen Lehrer und einer blutigen Schlägerei in der Kirche, die ein gerichtliches Nachspiel hatte. Dem Tagebuch Kaspars von Fürstenberg entnahm Pavlicic Geschichten über eine feierfreudige Paderborner Geistlichkeit, die sich in Schloß Neuhaus dem Trunke hingab. In der Gegenwart habe vor allem die Landesgartenschau 1994 dazu beigetragen, das Verhältnis zwischen Paderborn und dem Ortsteil zu normalisieren. In einem enormen Kraftakt sei damals die Altstadt aufgemöbelt worden. Pavlicic: "Eine Gemeinschaftsleistung von ganz Paderborn." Während der stellvertretende Landrat Vinzenz Heggen den mehr als 300 Gästen sein Grußwort in Reimform überbrachte, bekannte Edeltraud Klueting, sie würde die Chorgemeinschaft Cäcilia und die Tandaradei Borchen für ihre Darbietung des Westfalenliedes "am liebsten vom Fleck weg engagieren". Die Vorsitzende des Westfälischen Heimatbundes widmete sich dem Begriff von Heimat und wie ihn die Vereine heute definieren. Musikalisch wurde der Festakt außerdem vom Musikzug der St.-Henricus-Bruderschaft und dem Spielmannszug Sennelager begleitet.

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