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Freuen sich über die Entscheidung der Eltern: Andrea Woitscheck (r.), Schulleiterin der Stephanusschule, und ihre Vertreterin Sonja Delius. Umgewandelt wird eine Schule dann, wenn sich mehr als 50 Prozent aller Eltern dafür aussprechen. - © PhilipP WEITZEL
Freuen sich über die Entscheidung der Eltern: Andrea Woitscheck (r.), Schulleiterin der Stephanusschule, und ihre Vertreterin Sonja Delius. Umgewandelt wird eine Schule dann, wenn sich mehr als 50 Prozent aller Eltern dafür aussprechen. | © PhilipP WEITZEL

Paderborn Stephanusschule wird Gemeinschaftsschule

Die Zahl der katholischen Bekenntnisschulen in Paderborn sinkt von 12 auf 11. An der Bonifatiusschule wählen nur 40 Prozent der Eltern

Sabine Kauke
19.03.2016 | Stand 18.03.2016, 20:26 Uhr

Paderborn. Die katholische Bekenntnisschule Stephanus wird zum kommenden Schuljahr in eine Gemeinschaftsschule umgewandelt. Dafür votierte bei der Abstimmung eine sehr deutliche Mehrheit der Eltern. Hingegen bleiben die Grundschulen Heinrich, Elisabeth und Bonifatius katholische Bekenntnisschulen. An den vier Schulen waren Eltern zum Urnengang aufgerufen: Die Stadt führt Abstimmungen an Bekenntnisschulen durch, an denen der Anteil katholischer Kinder drei Schuljahre in Folge unter 50 Prozent liegt. Auslöser für dieses Vorgehen war die Ablehnung eines muslimischen Kinder 2013 – in der Folge hatte das Verwaltungsgericht Minden der Stadt auferlegt, den Elternwillen zu ermitteln und das Schulangebot gegebenenfalls anzupassen. Mit der Umwidmung der Stephanusschule sinkt nun die Zahl katholischer Bekenntnisschulen von 12 auf 11, die der Gemeinschaftsschulen steigt von 8 auf 9. Rein rechnerisch ist die Schullandschaft angesichts des weiter sinkenden Anteils katholischer Kinder damit noch nicht im Gleichgewicht. „Aber die Mehrheit der Eltern ist gegen eine Veränderung, die Ergebnisse sind deutlich, also gibt es die Balance", sagt Schuldezernent Wolfgang Walter. Ihn verwunderten die Resultate nicht. Schließlich sei die Diskussion nicht aus den Schulen heraus entstanden. „Viele Eltern interessiert es vielleicht auch schlicht und einfach nicht". Froh ist Walter, dass das Quorum von 50 Prozent in drei von vier Fällen erreicht wurde. Für die Grundschule Heinrich in Schloß Neuhaus hätte man sich im Schulverwaltungsamt allerdings ein anderes Ergebnis gewünscht: Sie sollte mit der Gemeinschaftsschule Bonhoefferschule, mit der man sich bereits Gebäude und Schulhof teilt, fusionieren – aus zwei Schulen sollte eine werden. Nun wird dort ein Schulverbund entstehen. Andrea Woitscheck, Leiterin der Stephanusschule, ist „sehr froh über die sehr hohe Wahlbeteiligung". Mit 86 Prozent beteiligten sich dort mit Abstand die meisten Eltern. Andrea Woitscheck führt das auch auf den Einsatz von Kollegium und Elternpflegschaft zurück. „Wir haben gemeinsam sehr viel informiert und mit Eltern das Für und Wider besprochen". Und an einem der Wahltage wurde ein Schulfest gefeiert. „Über das Ergebnis bin ich ebenfalls froh", sagt die Katholikin Woitscheck: „Wir wollen kein Kind abgeben, weil es einer anderen Religion angehört". An der Schule verändere sich jetzt nichts: „Wir haben immer katholische, evangelische und ökumenische Gottesdienste gefeiert. Jetzt ist das legitim." „Es ist wichtig, die Eltern zu fragen", betont Bettina Kees-Schuto. Die Leiterin der Bonifatiusschule freut sich über das Ergebnis dort. Mit 40,8 Prozent sei die Wahlbeteiligung zwar etwas gering, dafür hätten sich aber über 80 Prozent der Wähler für den Fortbestand als Bekenntnisschule ausgesprochen. „Das ist ein ganz deutliches Meinungsbild und zeigt, dass die Eltern sehr zufrieden sind." Und warum haben 200 der 338 Eltern nicht gewählt? „An mangelnder Information kann es nicht gelegen haben", sagt Kees-Schuto. Möglicherweise sei auch das Ausdruck dafür, dass keine Veränderung gewünscht sei. Die Grünen, die das Thema Bekenntnisschulen 2013 im Schulausschuss eingebracht hatten, „bedauern" die geringe Beteiligung an der Bonifatiusschule. Dass die Stephanusschule mit Zwei-Drittel-Mehrheit umgewandelt wird, trifft auf die Zustimmung der Schulausschussmitglieder Petra Tebbe und Susanne Schüssler: Bei weiteren Abstimmungen könnten Eltern sich so auch ein Urteil anhand einer bereits umgewandelten Grundschule bilden. „Das Quorum erweist sich in Paderborn nicht als Hürde, sondern eher die Frage der Wahlbeteiligung", meint die Grünen-Landtagsabgeordnete Sigrid Beer, Parlamentarische Geschäftsführerin und schulpolitische Sprecherin. „Dieser Frage sollte insbesondere nachgegangen werden." Dechant Benedikt Fischer begrüßt das „deutliche Votum in allen vier Schulen". Es könne dazu beitragen, dass Ruhe einkehre und aus dem Thema Umwandlung „kein Dauerbrenner wird". Die Umwidmung der Stephanusschule akzeptiere man, der „gute Kontakt" zur katholischen Pfarrgemeinde habe Bestand. Die Anteile katholischer Kinder in allen Bekenntnisschulen haben Schulverwaltungsamtsleiterin Christel Rhode und Melanie Kersting im Blick: Aktuell liegen die Grundschulen Josef und Marienloh unter 50 Prozent. Doch Wahlen stehen erst an, wenn sich der Anteil drei Jahre auf diesem Niveau bewegt.

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