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Sie warben für ein chancengleiches Miteinander: Landrat Manfred Müller (v. l.), Moderatorin Stefani Josephs, Autorin Barbara Streidl, Elisabeth Voigtländer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Paderborn, beim themenpolitischen Frauennachmittag. - © NW
Sie warben für ein chancengleiches Miteinander: Landrat Manfred Müller (v. l.), Moderatorin Stefani Josephs, Autorin Barbara Streidl, Elisabeth Voigtländer, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Paderborn, beim themenpolitischen Frauennachmittag. | © NW

Paderborn Ein Nachmittag zum Thema Gleichberechtigung

Familienpolitik: Wenn Kinder zum Berufsrisiko werden

02.02.2016 | Stand 02.02.2016, 13:02 Uhr

Paderborn. Ein Kinderspiel oder doch alltäglicher Wahnsinn? Wie gut funktionieren Kind und Karriere tatsächlich? "Wir verbinden mit Vereinbarkeit immer noch die Mutter mit dem Kind auf dem Arm", sagt die Autorin und Journalistin Barbara Streidl, Hauptreferentin des Familienpolitischen Themennachmittags des Kreises Paderborn. Auch Väter könnten dieses Kind auf dem Arm tragen. Auch Mütter oder Väter könnten einen nahen Angehörigen pflegen. "Wir müssen hier besser werden in unseren Köpfen. Dann verändern sich Strukturen. Dann verändert sich die Gesellschaft", so Streidl.

Eröffnet wurde der Themennachmittag im Berufskolleg in Schloß Neuhaus durch ein Interview mit Landrat Manfred Müller. Moderatorin Stefani Josephs von Radio Hochstift ging gleich zu Beginn auf die Übergriffe in der Silvesternacht ein. Was bedeutet der Zuzug von Männern mit einem komplett anderen Rollenbild? "Es gibt bestimmte Grundprinzipien, die in unserem Grundgesetz auch niedergelegt sind. Dazu zählen die Würde des Menschen, die freie Entfaltung der Persönlichkeit, religiöse Toleranz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau und unser Rechtsstaat", betonte der Landrat. "Das sind unsere Werte. Die stellen wir nicht zur Disposition. Und dafür werden wir kämpfen", bekräftige Müller. Damit sprach er den vielen anwesenden Frauen aus dem Herzen. Dafür gab's Szenenapplaus.

"Die neue Vereinbarkeit: Gemeinsam für ein chancengleiches Miteinander" lautete der Vortrag der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Paderborn, Elisabeth Voigtländer. Die moderne Arbeitskultur müsse lebensphasenorient gestaltet werden. Damit Frauen nicht in der "Teilzeitfalle" landeten, "muss auch in der Partnerschaft der Alltag ausgehandelt werden", sagte Voigtländer. "Die Vereinbarkeit darf kein berufliches Risiko sein, weder für Frauen noch für Männer", bekräftigte sie. Durchsetzen müsse sich auch die Einsicht und Überzeugung, dass ein erfülltes Privatleben auch Voraussetzung für gute Leistung sei.

Die Autorin Barbara Streidl setzte genau da an und las aus ihrem Buch "Kann ich gleich zurückrufen? - Der alltägliche Wahnsinn einer Mutter". Sie schildert darin eindrucksvoll den Alltag einer berufstätigen Mutter, die es für klüger hält, ihr Zuspätkommen im Büro mit einem ausgefallenen Bus zu entschuldigen als mit ihrem Kind, das nur langsam zur Kita laufen wollte. Die eigentlich eine glückliche Beziehung führt, sich über ihr Wunschkind freut, aber all das vergisst, weil sie "atemlos ist und immer gehetzt". Die in Gesprächen mit ihrem Mann dessen Sätze abkürzt, um die Zeit so effizient wie möglich zu nutzen. Ihr Buch ist ein Plädoyer für eine Gesellschaft, in der Kinder nicht als Handicap angesehen werden, weil sie die Arbeitszeit ihrer Eltern stören. "Die Unvereinbarkeit von Bekennen zur eigenen Familie auf der einen Seite und der Angst vor dem beruflichen Versagen auf der anderen Seite führt unweigerlich zu einem Burnout vieler Frauen - und auch Männer", warnt sie.

Organisiert wurde der themenpolitische Frauennachmittag von Elisabeth Voigtländer und den Gleichstellungsbeauftragten der Städte und Gemeinden des Kreises Paderborn.

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