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Es gibt Streit um die AfD-Kundgebung in Paderborn. Die Kirche möchte die Partei nicht vor ihrer Tür haben. - © dpa
Es gibt Streit um die AfD-Kundgebung in Paderborn. Die Kirche möchte die Partei nicht vor ihrer Tür haben. | © dpa

Paderborn Kirche will AfD nicht vor der Tür haben

Kundgebungungsort sorgt für Ärger: Teile des Platzes gehören zur Herz-Jesu-Kirche, die dort keine Veranstaltung haben will. Die Gegendemonstranten ziehen im Sternmarsch zum Parkplatz Florianstraße

Birger Berbüsse
13.01.2016 | Stand 12.01.2016, 23:51 Uhr

Paderborn. Die Herz-Jesu-Kirche ist allein aufgrund ihrer Lage am Westerntor einer der beliebtesten Plätze für Kundgebungen und Demonstrationen in Paderborn. Dass am Freitag allerdings die AfD vor dem 1898 erbauten Gotteshaus ihre Kundgebung abhalten will, gefällt Pfarrer Thomas Stolz überhaupt nicht. Denn "ein gutes Drittel" des Vorplatzes gehört der Kirche. "Ich möchte nicht, dass auf unserem Grundstück so eine Veranstaltung stattfindet", macht Pfarrer Stolz deutlich. Er will die Polizei deshalb bitten, dafür zu sorgen, dass die Demonstranten nicht den Kirchenvorplatz betreten. Wie genau das sichergestellt werden kann, müsse aber noch geklärt werden. Einen Zaun zur Abtrennung lehnt Pfarrer Stolz jedoch ab. Das Grundstück der Kirche endet etwa zehn Meter von der Treppe entfernt, der Rest des Platzes ist öffentlicher Raum. Mit größeren Auswirkungen auf die AfD-Kundgebung rechnet die Polizei durch diesen Wunsch deshalb nicht. Aber natürlich habe die Kirche "Hausrecht". Dass die Demo dennoch unmittelbar davor abgehalten wird, akzeptiert Stolz widerwillig. "Es ist halt das Recht der AfD als demokratische Partei", so der Pfarrer, der aber auch betont: "Man muss nicht alles Gedankengut, das so vorgetragen wird, gut finden." Er wolle deshalb auf jeden Fall an der angekündigten Gegenveranstaltung teilnehmen. Gerne spräche er auch auf der Bühne, wenn er angefragt würde. Um 19.30 Uhr lädt die Gemeinde zum Friedensgebet in die Herz-Jesu-Kirche ein. Mittlerweile steht auch der Ort der Gegenkundgebung "Für Willkommenskultur - Gegen Ausgrenzung". Vertreter von Paderbunt und Polizei einigten sich gestern auf den Parkplatz an der Florianstraße, der direkt hinter der Herz-Jesu-Kirche liegt. "Damit sind wir zufrieden", sagte Reinhard Menne, der immer die Kirche als Ziel ausgegeben hatte. Der Platz sei auch für die geschätzten 2.000 Teilnehmer geeignet. Wie bereits berichtet, versammeln sich die Demonstranten um 17.30 Uhr an zwei Treffpunkten. Dann ziehen sie vom Rathaus und Hauptbahnhof zum Hauptkundgebungsort. Hierfür müssen laut Polizeiangaben kurzzeitig das Westerntor und die Bahnhofstraße sowie Teile des Parkplatzes gesperrt werden. Ab 18.15 Uhr soll es dort politische Statements, Musik, Kabarett, Poetry Slam "und eine Überraschung" geben. Das vielfältige Bündnis aus insgesamt 25 Flüchtlingsinitiativen, Parteien, Gewerkschaften, Initiativen und kirchlichen Organisationen will "alles dafür tun, dass diese Gesellschaft Solidarität und Zusammenhalt für Alle organisiert und erlebt". Es gelte, der AfD und ihrer "widerwärtigen Hetze" Paroli zu bieten. Den kompletten Text des Aufrufes gibt es unter www.paderbunt.de. Als Redner kündigte Menne unter anderem den stellvertretenden Bürgermeister Martin Pantke (SPD) und die Landtagsabgeordnete Sigrid Beer (Grüne) an. Eine angedachte Live-Schaltung zu Landrat Manfred Müller wird es nicht geben. Müller ist beim Neujahrsempfang des Kreises von 17.30 Uhr bis 20 Uhr eingebunden. Damit werde auch "ein klares Zeichen der Wertschätzung für den humanitären und unermüdlichen Einsatz der vielen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe" gesetzt. "Das ist und bleibt unsere Botschaft, die wir zeitgleich aussenden", so Müller. Die gemeinsame Kreistagsfraktion der Linken und Piraten bedauert, dass weder Landrat noch Bürgermeister zur Gegendemo kommen. "Wäre ich Sportlerin oder ehrenamtliche Helferin - es wäre mir eine größere Ehre, gemeinsam mit ihnen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Hass in Paderborn Gesicht zu zeigen", sagt Sabine Martiny, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion. Die Kreistagsfraktion verzichte auf den Empfang und werde sich "geschlossen gegen die rechte Gesinnung der AfD stellen". Auch die Grünen gehen komplett zur Demonstration, um "unmissverständlich Position gegen die AfD-Hetze und Rassismus zu beziehen". Nur die Fraktionsspitze werde beim Neujahrsempfang den eingeladenen Flüchtlingsinitiativen Respekt und Dank zollen, betonen die Bündnisgrünen.

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